laut.de-Kritik

Wie das Herz eines 17-Jährigen.

Review von

"Switzerland is a hell without a fire", voller Melancholie und Pathos machen sich drei Eidgenossen auf, die musikliebenden Herzen der Alpenrepublik und ihrer Nachbarländer zu brechen. My Heart Belongs To Cecilia Winter errichten mit ihrem LP-Erstling eine wahrlich ausufernde Indie-Festung.

Von außen erscheint das Debüt mächtig und von romanischer Solidität, von innen filigran und organisch ausgestaltet wie ein Jugendstil-Landhaus. Bausteine hierfür sind neben Glockenspiel und einem gehörigen Hall auf der Gitarre auch post-punkiges Leiden in der Stimme sowie ein Hauch jugendlicher Verzweiflung.

Bei einer solchen Breite das exakte Maß an Authentizität zu halten, ist nicht einfach. Den drei Schweizern geht es jedoch so leicht von der Hand wie einst die Debüts von Interpol oder Arcade Fire. Bevor erfahrene Indie-Jünger nun zum Schrank gehen, um die Peitsche zu holen und in die Redaktion zu fahren, sollten sie sich am musikalischen Spektrum laben, das My Heart Belongs To Cecilia Winter präsentieren.

Das Trio tänzelt von Lo-Fi Indie-Folk ("You You You You You") zu gesetzten Joy Division-Trauermärschen ("I'm In Love With A Mountain"). Hier und dort ergänzt Basserin Betty Fischer mit ihren Sangeskünsten die nölende Stimme des Fronters Thom Luz.

In "Kingdom Oh Kingdom" schwebt ihr Organ einer singenden Säge gleich durch den Äther der Traurigkeit. Zugegeben, das Adjektivpaar nölig und engelsgleich findet man bereits bei Arcade Fire, ebenso wie den ein oder anderen Basslauf des Albums. Und doch sind My Heart Belongs To Cecilia Winter anders zu verorten.

Während man ihnen vorwerfen könnte, sie kämen etwa sieben Jahre zu spät, fungiert ihr Debüt doch als neue Mixtur bewährter Indie-Zutaten. Wie Popmusik meist nur Kind ihrer Zeit ist, so finden sich auch hier immer wieder Anknüpfpunkte an frühere Helden. Gleichzeitig stellen My Heart Belongs To Cecilia Winter diese aber nicht unreflektiert aus, die Schwachstelle so vieler Debütalben.

Todtraurig, ungemein pathetisch, dabei immer unverhohlen jugendlich: "Please hold me for a while, teenager-style / the demons inside us don't get old." Wankelmütig wie das Herz eines Siebzehnjährigen präsentiert sich die Platte als Ort träumerischer Kreativität im erdrückenden Grau des Alltags. Was viele Emo-Bands unerträglich macht: Für die Schweizer ist es ein Katalysator für ausgewachsenen Indie-Rock.

Trackliste

  1. 1. Eighteen
  2. 2. My Heart My Heart
  3. 3. Skeleton Bride
  4. 4. Never Ever Mountain
  5. 5. Kingdom Oh Kingdom
  6. 6. Lights Out
  7. 7. I'm In Love With A Mountain
  8. 8. When The Devil Speaks My Name
  9. 9. Guide Me To The Stars
  10. 10. Lover No. 1
  11. 11. Lover
  12. 12. You You You You You
  13. 13. I Made You A Tape

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