28. September 2010

"Unsere Songs sind unsere Babys"

Interview geführt von

Mumford & Sons sind die Mitbegründer einer relativ neuen Folk-Gemeinde aus der Gegend um London und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Seit Monaten touren sie durch die Welt und besuchten unter anderem Australien, USA, Schweden und nun Deutschland.Dementsprechend müde schauen die 'Söhne' Country Winston und Ben Lovett aus der Wäsche. Dennoch geben sie sich britisch charming, lassen sich sofort in ein nettes Gespräch verwickeln, drehen dabei genüsslich Zigaretten und lassen sich auch von der drängelnden Plattenfirmendame nicht aus der Ruhe bringen.

Ihr habt dieses Jahr auf dem Haldern Pop, beim Glastonbury Festival und in kleinen, intimen Konzertlocations gespielt. Inwieweit beeinflusst die Größe des Publikums eure Performance?

Auch wenn ich das Glastonbury liebe und ich schon oft dort war, sind kleine Festivals für mich das Beste. Je kleiner das Publikum, desto besser kann man mit den Leuten vor der Bühne kommunizieren.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem deutschen und dem englischen Publikum?

Es gibt immer Unterschiede. Das beginnt mit dem Tag, an dem man spielt, zu welcher Uhrzeit, in welcher Location und natürlich auch in welchem Land. Einen speziellen Unterschied zwischen Deutschland und England sehe ich deswegen aber nicht.

Wenn ihr auf der Bühne steht, spürt man, dass jeder von euch von der ersten bis zur letzten Sekunde 100 Prozent gibt. Woher glaubt ihr kommt diese tiefe Liebe zur Musik?

Erstmal vielen Dank für das Kompliment. Dass jeder von uns auf der Bühne mit soviel Leidenschaft dabei ist, liegt daran, dass wir schon sehr lange gute Freunde sind und jeder seinen eigenen Teil zur Musik beisteuert. Wir schreiben die Songs gemeinsam und jeder singt bei den Harmonien mit, auch wenn Marcus der Leadsänger ist.

"Wir haben unsere Instrumente noch nie gezählt"


Wie schafft man es, auch nach geschätzten 200 Konzerten pro Jahr, immer wieder motiviert die Bühne zu betreten?

Unsere Songs sind unsere Babys. Wir sind die Eltern, die sie gezeugt haben. Als Elternteil sagt man nach 18 Jahren ja auch nicht: Ich habe jetzt keine Lust mehr auf mein Kind, ich mag nicht mehr. (lacht)

Jeder von euch spielt mehrere Instrumente, ihr tauscht sie auch untereinander aus. Kennt ihr eigentlich die exakte Anzahl der Instrumente während eines Mumford & Sons-Gigs?

Es sind sehr sehr viele! Nein, wir haben noch nie nachgezählt, müsste man aber mal machen. Es sind auf jeden Fall immer mehr Instrumente auf der Bühne, als dann tatsächlich zum Einsatz kommen.

Lernt ihr immer noch neue Instrumente dazu?

Ja, Marcus lernt gerade auf einer 6-saitigen Ukulele zu spielen, das macht großen Spaß. Ich habe auch schon drauf gespielt und es ist wirklich ein tolles Instrument mit einem wunderschönen Sound. Wir sind ständig dabei, uns neue Instrumente anzueignen.

Ihr habt auf Tour einen Food-Blog und Marcus diskutiert mit Fans in seinem Book-Club über Bücher, die er gelesen hat. Seid ihr immer so kultiviert, wenn ihr unterwegs seid?

Nein, es gibt auch Zeiten, in denen wir einfach nur abhängen, Fußball spielen, spazieren gehen, Freunde treffen und so weiter. Ted kocht manchmal für uns, aber da kommen immer verrückte Dinge bei raus, weil es soviele Sachen gibt, die er nicht essen darf.

"Die Villagers sind großartig!"


Ihr seid in den letzten zwei Jahren viel unterwegs gewesen. Wie gut lernt ihr die Länder kennen, in denen ihr spielt?

Ziemlich gut. Wir fahren ja nicht als Touristen in die verschiedenen Länder, sondern um zu arbeiten. Das heißt, wir treffen Leute, die in den Ländern leben und arbeiten, was einem als Tourist ja eher selten passiert. Ich finde, das ist einer der besten Wege zu reisen. Durch unsere Arbeit haben wir ziemlich gute Freundschaften geknüpft. Außerdem sehen wir uns die Orte, in denen wir spielen immer an, gehen in Kneipen und so weiter.

Und ihr empfehlt in eurem Blog gerne Bands, die euch gefallen. Gibt es aktuelle Empfehlungen?

Meine persönliche Empfehlung sind Villagers. Ich habe sie noch nicht live gesehen, aber ihre Platte ist wirklich großartig. Das neue Album von The National liebe ich auch. Dann gibt es noch einen australischen Künstler namens Matt Corby, der schon in unserem Vorprogramm gespielt hat.

Eure Popularität hat - von außen betrachtet - ziemlich schnell sehr stark zugenommen. Wünscht ihr euch manchmal, einen Pause-Knopf drücken zu können und die Zeit ein wenig anzuhalten?

Die ersten zwei Bandjahre verliefen ziemlich stetig. In unserer Heimat England hat sich alles eher gemächlich entwickelt, nur in den anderen Ländern wie Deutschland oder Australien ging es Schlag auf Schlag.

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