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Als Morten Harket 1995 sein erstes Englisch gesungenes Soloalbum vorlegte, wirkte er dem vorangegangenen Split von A-ha wie befreit und erlöst, endlich eigene Songs singen zu können. Harket behauptete sich als Komponist und Texter wacker und verbuchte sogar zwei kleinere Hits.

Ein respektabler Soloauftritt. Leider knüpft "Letters From Egypt" an der falschen Stelle seiner damaligen Platte an: Am Sound.

Als ob die Zeit seit "Wild Seed" stehen geblieben sei, liegt uns eine kraftlose Produktion vor, die schlicht veraltet und mutlos wirkt. Dabei stünde den durchweg leisen Tönen voller Düsternis und Grübelei ein zeitgemäßes Sound-Gewand durchaus gut zu Gesicht.

Es gibt so viele Möglichkeiten. Stattdessen immer dieselben Streicher, die den gefälligen, aber bei weitem nicht originellen Melodiebögen noch zusätzlich schmeicheln sollen. Dass man Melancholie und Nachdenklichkeit toll und zeitgemäß verpacken kann, haben nicht nur Portishead mit "Third" schön vorgemacht.

Wenigstens nimmt man Harket gerne ab, dass er sich ernsthaft mit dem Tod und den Problemen unserer Existenz beschäftigt. Er ist ein guter Erzähler und hat auch mit 48 Jahren noch eine beeindruckende Stimmbreite, die auf "With You With Me" über mehr als zwei Oktaven dem Ohr schmeichelt.

Für sich genommen funktionieren Songs wie "Send Me An Angel", "Darkspace" oder "There Are Many Ways To Die" auch wirklich gut. Im Zusammenhang mit Langweilern wie "We'll Never Speak Again" zündet die Platte aber einfach nicht.

Zentrale Stücke von "Letters From Egypt" neben den bereits erwähnten sind "Movies", eine Coverversion der norwegischen Band The Locomotives, und "The One You Are", der einzige Track im echten Singer-/Songwriterstil. Nur mit Zupfgitarre und Piano gibt er seine Schönheit erst bei mehrmaligem Hören preis und zeigt, was möglich gewesen wäre.

Trackliste

  1. 1. Darkspace
  2. 2. Send Me An Angel
  3. 3. We'll Never Speak Again
  4. 4. There Are Many Ways To Die
  5. 5. With You - With Me
  6. 6. Letter From Egypt
  7. 7. A Name Is A Name
  8. 8. Movies
  9. 9. Slanted Floor
  10. 10. Anyone
  11. 11. Should The Rain Fall
  12. 12. The One You Are

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11 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Es ist manchmal eine seltsame Sache mit den "modernen Sounds" oder der "modernen Produktion" oder wie immer man es nennen möchte.
    Ein Mark Knopfler schert sich auch nicht um einen neuen oder modernen Sound, er macht das, was er (sehr gut) kann, nämlich seit vielen Jahren seine ureigene Musik, die man -Paradebeispiel- nach wenigen Sekunden sehr eindeutig als "Knopfler" erkennt.
    Was will man im Grunde anderes vom Kopf von a-ha erwarten?
    Daß er ein Album bringt, welches möglichst nicht die Spur nach a-ha und Morten Harket klingt? Das er das Soundrad neu erfindet oder sich produktionstechnisch dem neuesten heißen Scheiß anpasst?
    Dieser Wahn, daß "alte Recken" bei ihrem jeweils neuesten Album ständig "modernen Sounds" hinterher hecheln müssen, ist für mich fast schon sowas wie ein rotes Tuch.

  • Vor 11 Jahren

    hmm, nebenbei fand ich das sein debüt und ziemlich veraltet klang. und das war 1995.

    aktuell klang eigentlich gar nichts, was herr harket oder a-ha nach 1988 in die hand genommen haben.

    einige alben waren sogar ziemlich mies produziert und auf "pseudoaktuell" getrimmt.
    da war schon einiges böses dabei.

  • Vor 11 Jahren

    Wenn Du mir jetzt noch halbwegs verdeutlichen kannst, was Du unter "aktuell" oder vielleicht jeweils aktuell verstehst, könnte ich dir eventuell gedanklich folgen.