Details

Mit:
Datum: 3. Juni 2009
Location: Grabenhalle
St. Gallen
Website: Offizielle Homepage des Veranstaltungsorts
Alle Termine ohne Gewähr

Review

laut.de-Kritik

Brachiale Gitarren-Flutwellen blasen einem die Kanäle frei, bis die Ohren bluten.

Review von Thomas Klaus

Zum 25-jährigen Jubiläum kann man sich ja ruhig mal was gönnen. Das dachten sich auch die Konzertbeauftragten der Grabenhalle St. Gallen und bestellten mit Mogwai einen ganz besonderen Leckerbissen in ihr Festtags-Aufgebot.

Da man die Post-Rock Pioniere mit den absurdesten Songtiteln des Universums mittlerweile eher selten in kleinstädtischen Gefilden zu Gesicht und Gehör bekommt, mussten die Jubilare ihre Abendkasse am Mittwoch gar nicht erst öffnen. Die Aussicht, sich die schottische Wall of Sound lediglich mit ca. 500 weiteren Gleichgesinnten in diesem eher überschaubaren Etablissement zu teilen, sorgte für eine ausverkaufte Hütte.

Die Ein-Mann-Vorband Remember Remember ist auf Mogwais hauseigenem Label "Rock Action" beheimatet und leitet den Abend mit melodiösen Ambient-Klängen und einem angenehm kurzweiligen Auftritt stimmungsvoll ein. Die für eidgenössische Verhältnisse äußerst humanen Bierpreise tun ihr übriges, um Pegel und Vorfreude des Publikums kontinuierlich ansteigen zu lassen. Gegen 22h ist es dann soweit.

"Good evening. We’re Mogwai from Scotland. This Show is dedicated to Susan Boyle", begrüßt uns ein grinsender Stuart Braithwaite, bevor Mogwai ihre instrumentale Berg- und Talfahrt mit "I'm Jim Morrison, I'm Dead", dem Opener des aktuellen Albums, einläuten.

Der Sound quillt gewohnt brillant, basslastig und bombastisch laut aus den Boxen – für die in der Schweiz gesetzlich verankerte 100-Dezibel Verordnung haben diese fünf Lärmfetischisten dankenswerterweise nur ein müdes Lächeln übrig. Und dass die Fußball-Nerds ihre brachialen Gitarren-Flutwellen mit allerhöchster Präzision und immensem Druck über die Zuhörer hereinbrechen lassen, ist auch kein Geheimnis mehr.

Man durfte also vielmehr auf die heutige Songauswahl gespannt sein. Wie schon bei ihrem letzten Gastspiel in Zürich fällt die Wahl auf ein buntes Potpourri aus den letzten drei Alben. "The Hawk Is Howling" ist mit dem brachial ausufernden "I Love You, I'm Going To Blow Up Your School", dem majestätischen "Scottland's Shame" und dem bretternden Noise-Rocker "Batcat" ebenso prominent vertreten wie "Happy Songs For Happy People", von dem es u.a. die Klassiker "Hunted By Freak" und "Killing All The Flies" auf die Ohren gibt. Auch "Mr. Beast" wird mit "Glasgow Mega-Snake " und "Friend Of The Night" ausgiebig gewürdigt.

Ihr mit Abstand unwiderstehlichstes Verdröhnaroma entfalten Mogwai dann zu guter Letzt in der standesgemäßen Zugabe. Wenn sie in "My Father My King" alle Schleusen öffnen, stellen die Urväter in Sachen Stimmungs- und Spannungsaufbau mit jenem 20-minütigen Epos aus dem Jahr 2001 noch immer alles in den Schatten, was das inzwischen von unzähligen Epigonen reichlich beackerte Genre zu bieten hat. Das bläst einem so konsequent die Kanäle frei, bis die Ohren bluten.

Einziger Wermutstropfen war -wie so oft - die von Seiten der Band häufig monierte Unfähigkeit zahlreicher Konzertgänger, mal für zwei Stunden die Klappe zu halten. Gerade die ruhigen Passagen tönen nicht unbedingt besser, wenn sie quer durch alle Reihen von permanentem Small-Talk Gebrabbel übertüncht werden. Dabei war der Wink mit dem Zaunpfahl kaum zu übersehen: Neben dem "I'm Dead" T-Shirt mit dem Konterfei Jim Morrisons hing am Merchstand neben dem Eingang auch ein Textil, das die Botschaft "Bitte Ruhe" ziemlich unzweideutig zum Ausdruck brachte …

Artistinfo

LAUT.DE-PORTRÄT Mogwai

"Mogwai ist die Band für das 21. Jahrhundert." (Stephen Malkmus) Wenn es in diesem Jahrhundert monatelang regnet, hat der Ex-Pavement-Kopf vielleicht …