laut.de-Kritik

Drei neue Songs, drei Remixe.

Review von

EPs haben bei Mogwai ja eine gewisse Tradition, ganze 13 zählt man mittlerweile. Die erscheinen dann auch meistens kurz vor oder kurz nach einem neuen Album. Einen Output haben die Jungs, da kann man glatt neidisch werden, die aktuelle Platte "Rave Tapes" liegt schließlich kein Jahr zurück.

"Music Industry 3. Fitness Indutry 1" ist eine 6-Track-EP mit drei neuen Songs und drei Remixes vom aktuellen Album. "Remurdered", "No Medicine For Regret" und "The Lord Is Out Of Control" werden durch den Elektro-Ambient-Wolf gepresst. Das Ergebnis ist durchaus durchwachsen: "Re-Remurdered" begräbt den Song zum Beispiel unter der Last eines zugegeben guten, aber überpräsenten Beat – eher anstrengend als raffiniert, viel bleibt vom Original auch nicht übrig.

Die anderen beiden Remixe hingegen lassen ihren Original-Songs genug Platz zum Atmen. "No Medicine For Regret" blubbert im Pye Corner Remix entspannt auf einem Bass- und Effekt-Teppich. Der ruhige und tiefe Beat baut sich extrem langsam auf, packt eine Soundschicht über die andere und bricht dann völlig unvermittelt ab, um tief unten zu bleiben.

Mit warmen Piano-Tönen geht es bei "The Lord Is Out Of Control" weiter. Melancholisch, sanftmütig, aber mit genug Ecken und Kanten, um interessant zu bleiben, ist dieser minimalistische Remix von Nils Frahm der beste Song der Platte. Weil dem Vocoder nicht gar so viel Raum gewährt wird, gefällt die Version fast noch besser als das Original.

Bleiben noch die drei neuen Tracks: Der Opener "Teenage Exorcists" lässt erst mal verzerrte E-Gitarren von der Leine und bleibt auch dabei. Mit seinem recht simplen Songaufbau, der eingängigen Gesangsmelodie und dem erstaunlich poppigen Charakter ist er zwar ziemlich unspektakulär, macht aber trotzdem Spaß. Fans rümpften ob dieser vermeintlichen Trivialität schon die Nase: "Das ist kein Mogwai!" Ja gut, aber was ist schon Mogwai?

"History Day" und "HMP Shaun William Ryder" dürften die Gemüter dann etwas beruhigen, wenn man denn die "Rave Tapes" gemocht hat. Ersterer ist ein sehr ruhiger und dichter Ambient-Song, der sich viel Zeit lässt, seine Klavier- und Gitarren-Melodien zu entfalten und aufzubauen. Letzterer dagegen ist deutlich post-rockiger und lässt es nach einer ruhigen Bridge nochmal kurz ordentlich krachen, fährt aber sofort wieder zurück.

Die EP ist definitiv kein Glanzstück in der Diskographie der Band, bietet aber immerhin zwei sehr gut gemachte Remixe und mindestens zwei stimmige neue Songs. Vor allem "The Lord Is Out Of Control" ist schon mal ein Probehören wert.

Trackliste

  1. 1. Teenage Exorcists
  2. 2. History Day
  3. 3. HMP Shaun William Ryder
  4. 4. Re-Remurdered (Blanck Mass Remix) Kaufen
  5. 5. No Medicine For Regret (Pye Corner Audio Remix)
  6. 6. The Lord Is Out Of Control (Nils Frahm Remix)

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2 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 5 Jahren

    Ich musste bei Teenage Exorcists irgendwie an Slowdive denken. Werde mir die Platte aber mal reinziehen, vor allem, da die Kombination aus Mogwai und Nils Frahm verlockend klingt.

  • Vor 5 Jahren

    Die neuen Tracks kann ich mir allesamt immer wieder anhören.

    "History Day" und "HMP Shaun William Ryder" dürften die Gemüter dann etwas beruhigen, wenn man denn die "Rave Tapes" gemocht hat."

    Nicht nur, wenn man Rave Tapes gemocht hat. Ich find's eher schade, dass zwei solche Glanztaten, die in den selben Sessions entstanden sind, es nicht aufs Album geschafft haben, genau wie "Tell Everybody That I Love Them" (Raves Tapes B-Side).
    Hätten gut den Platz der (wie ich finde) eher belanglosen "Simon Ferocious" und "No Medicine For Regret" einnehmen können. Dann hätt es für mich auch für 5 Punkte gereicht.