laut.de-Kritik

Chill Out mit Klassik-Attitüde.

Review von

Wo Mike Oldfield draufsteht, ist auch 2008 Mike Oldfield drin - etwas anderes würde man auch nicht erwarten. Spannender die Frage, in welcher Form und Verfassung der Künstler sein aktuelles Album präsentiert. Denn allzu oft in der Vergangenheit langweilte Oldfield mit uninspirierten und austauschbaren Wiederholungen früherer Erfolgsformeln.

Natürlich bewegt sich die "Music Of The Spheres" in vertrauten Oldfield-Gefilden - diesmal in der Klassik-Umsetzung eines über 70 Mann starken Symphonie-Orchesters. Sahnehäubchen bilden die Gesangspassagen der Sopranistin Hayley Westenra und das Spiel des chinesischen Pianisten Lang Lang. Aufgenommen wurde das Werk in den legendären Londoner Abbey Road-Studios.

Die übermächtigen "Tubular Bells" lassen auch auf "Music Of The Spheres" herzlich grüßen und finden in Form von Zitaten ihren Niederschlag, so etwa im allerdings höchst durchschnittlichen Opener "Harbinger". Weitaus hörenswerter gestaltet sich danach "Animus" mit seinen ausdrucksstarken Melodiebögen und dezenter Akustikgitarre. Dieses Instrument setzt Mike auch im filigran ausgearbeiteten "Silhouette" ein, das zusätzlich mit sanften, perlenden Pianoläufen veredelt voll überzeugt. Aufgeregt irrlichtern die Streicher im mit Bläsern angereicherten, dramatisch arrangierten "The Tempest".

Wohlklang, Harmonie, doch oft auch ein Hauch von Langeweile - Oldfields Veröffentlichung verfügt über einige schöne, doch leider auch belanglose Kompositions-Parts. Dann und wann eingeflochtene, dynamischer aufgebaute Teile wecken den Hörer zwar rechtzeitig auf, machen "Music Of The Spheres" aber dennoch nicht zu einem absolut runden, deutlich überdurchschnittlichen Album.

Nach der Reprise von "Harbinger" leitet "On My Heart" zum zweiten Teil der Platte über. Dieser Titel besticht besonders mit dem klaren, elfenhaften Sopran Hayley Westenras und schmeichelt sich warm und weich in die Ohren. Das ebenfalls mit Gesang unterlegte "Aurora" bietet dem Orchester reichlich Gelegenheit, seine Klasse auszuspielen. Doch im Fortlauf macht sich oft leichte Ermüdung beim Hörer breit, ob des Übermaßes der einlullend die Seele streichelnden Klänge.

Richtige Abwechslung besorgt mit vollem Orchester-Einsatz noch einmal "Empyrean", der Lichthimmel. Bilder aus den (Hollywood)-Glanzzeiten des römischen Imperiums gleiten vor meinem geistigen Auge vorüber. Julius Cäsar lässt die Würfel fallen, und Oldfield seine Glocken klingen. Mit dem gute Momente aufweisenden "Musica Universal" beendet Mike Oldfield den neuesten Ausflug in seine ureigensten musikalischen Sphären.

Fraglos ist "Music of The Spheres" für den Oldfield-Fan und Freunde instrumentalen Wohlklangs eine runde Sache. Für den einen sicher entspannend und wohltuend, für den anderen auf Dauer zu bleiern und gleichförmig. Manch interessante Idee erstickt in althergebrachter Beliebigkeit. Oder am Übermaß von Pomp und Pathos, den das Orchester unter der Leitung des Dirigenten Karl Jenkins allerdings stets hochklassig in der instrumentalen Ausarbeitung inszeniert. Zurück bleibt ein zwiespältiger Gesamteindruck von Chill Out mit Klassik-Attitüde.

Trackliste

  1. 1. Harbinger
  2. 2. Animus
  3. 3. Silhouette
  4. 4. Shabda
  5. 5. Tempest
  6. 6. Harbinger Reprise
  7. 7. On My Heart
  8. 8. Aurora
  9. 9. Prophecy
  10. 10. On My Heart Reprise
  11. 11. Harmonia Mundi
  12. 12. Other Side
  13. 13. Empyrean
  14. 14. Musica Universalis

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LAUT.DE-PORTRÄT Mike Oldfield

"Die Menschen haben es satt, sich Musik anzuhören, die für Plattenfirmen-Sitzungen und Verkaufsstatistiken produziert wird. Sie wollen ihre Anlage einschalten …

27 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Wenn der Herr Stoppok seit Jahrzehnten das selbe macht, ist es positiv und wird besser bewertet, wenn der andere ein ganz wenig nach Tubular Bells klingt, ist es negativ. Soviel zum Thema Objektivität ... ;-)

    "Wo Mike Oldfield draufsteht, ist auch 2008 Mike Oldfield drin - etwas anderes würde man auch nicht erwarten. Spannender die Frage, in welcher Form und Verfassung der Künstler sein aktuelles Album präsentiert. Denn allzu oft in der Vergangenheit langweilte Oldfield mit uninspirierten und austauschbaren Wiederholungen früherer Erfolgsformeln."

    "Auf dem aktuellen Album "Sensationsstrom" bleibt sich Stefan Stoppok treu in der Wahl seiner Mittel. Seit rund einem Vierteljahrhundert serviert er erdige Rock-Kost, garniert mit direkten Texten. Deutschrock der alten Schule - doch mit viel Verve, Fingerfertigkeit und hörbarem Spaß an der Sache angepackt."

  • Vor 10 Jahren

    @Applemac (« Wenn der Herr Stoppok seit Jahrzehnten das selbe macht, ist es positiv und wird besser bewertet, wenn der andere ein ganz wenig nach Tubular Bells klingt, ist es negativ. Soviel zum Thema Objektivität ... ;-) »):

    Es kommt immer drauf an, wie man's macht: Beim Einen erstarrt es oft in Langeweile-Ritualen, der andere setzt ordentlich Kohlensäure zu zum Sprudeln... ;)

    Zitat (« (Stoppok)(...) mit viel Verve, Fingerfertigkeit und hörbarem Spaß an der Sache angepackt." »):

    Er ist, rein vom Kern betrachtet, frischer im Gesamteindruck, und "alte" Geschichten werden viel lebendiger angepackt. Absolut korrekt & objektiv beurteilt das Ganze also, wie immer.

  • Vor 10 Jahren

    1:0 Herr Andrack ;)
    3 Balken scheint mir -nach dem ziemlich unsäglichen Light + Shade- eine fast schon sensationelle Wertung zu sein.
    Dennoch und damit man nicht ständig auf Amazon zu "Kulturnews.de" klicken muss:

    [color=blue:2686c9124d]"Ist es klassische Musik?, fragt sich Mike Oldfield, der 1973 mit "Tubular Bells" das bisher kommerziell erfolgreichste Instrumentalalbum eines Solokünstlers aufnahm. "Ich finde schon", antwortet er selbst, "jedenfalls, wenn es nach mir geht." Es ging nach ihm: Die Idee des neuen Albums überträgt das Konzept von "Tubular Bells" - allerdings weit entfernt von Oldfields Gitarren, Synthesizern und Mehrspurbasteleien - mit Hilfe eines Profiarrangeurs aufs große Sinfonieorchester. So wird alles lecker Klassik. Dabei assistieren Ausnahmepianist Lang Lang, der unterbeschäftigt ist und deshalb etüdenhafte Floskeln à la Rachmaninow für Arme zum Besten gibt, und als wortlose Sängerin Hayley Westenraa mit wolkig verblasener Piepsstimme. Das ergibt eine Klangtapete, die sich gut macht als Klassikmuckefuck für den musikalischen Wohlfühlbackground von Cafés, Bahnhofshallen, Supermärkten - und Psychotherapeutenpraxen. (jn)" [/color:2686c9124d]

    Ich weiß nicht, ob "jn" eine Art von Mike Oldfield-Trauma hat, aber dieser Verriss ist jedenfalls Grund genug, mir das Album -auch in Zusammenhang mit deiner Rezension- komplett anzuhören.