laut.de-Kritik

Der Wendler-Humanoid läutet das Ende der Menschheit ein.

Review von

Was meint der selbst ernannte Schlager-König Deutschlands, derzeit im Exil in den USA, nun genau mit "Next Level"? Die nächste Stufe des Alkoholpegels vielleicht? Ich würde gerne dazu weitere Probanden und Wendler-Erfahrene fragen, aber die wollen oder können darüber nicht mehr weiter reden.

Schade, denn das hier ist meine erste Rezension zu einem Michael Wendler-Album und hoffentlich müssen nachfolgende Generationen an unbescholtenen Autoren, die doch wirklich nie jemand was getan haben, dieses Leid nicht mehr erfahren. Alles in einem sträubt sich schon bei dem unsäglichen Cover-Artwork. Das Gesicht des Wendlers, der sich als Mischwesen aus Humanoid und Roboter präsentiert. Sehr schön! Wer auch immer den Sci-Fi-Kultfilm "Tron" oder "Random Access Memories" von Daft Punk in seinem Regal stehen hat, wird nun immer an den Pott-Poeten erinnert werden.

Oder ist er doch ein trauriger Roboter wie in der TV-Serie "Westworld", gebaut um das Ende der Menschheit einzuläuten? Die erste Single heißt "Feuermelder" und impliziert schon bedrohliche Alarmsignale. Zeilen wie "Du wirst sehen, der ganze Himmel reißt auf" lassen eine Katastrophe biblischen Ausmaßes erahnen. Doch nicht genug der hitzigen Metaphorik. "Brennende Geigen" sieht bestimmt jeder, der die Hölle auf Erden erleben muss. Das Schlager-Template aus einer anscheinend sehr alten Logic Pro-Version dudelt dazu traurig vor sich und möchte bitte nur noch gelöscht werden.

Je länger das Album dauert, desto klarer die Not-Signale, die uns der Wendler in seinen Botschaften senden möchte. "Es ist einfach passiert. Ich glaube mein Kopf explodiert", klagt er in "Wildfremde" an. Was hat dich nur so ruiniert und wie können wir dir helfen, Michael?

"Jetzt hör schon auf" fleht er sogar ein paar Songtitel weiter panisch. Könnte ich doch nur einen Suchtrupp organisieren, der dich aus aus der Folterkammer des Schreckens befreit. "Weißt du warum ich so neben mir steh und ich Raum keine Andere seh'?" skizziert noch einmal den Horror im Versuchs-Labor und dann ist wirklich Schluss mit lustig, wenn er noch sein eigenes Ende besingt: "Ich geh' dabei noch drauf!"

Was sind das nur für Menschen, die einem arglosen Schlager-Sänger nur solche Gräuel antun. Wer auch immer die konspirative Macht hinter diesem Akustik-Terror ist: Eurer mieses Spiel ist aufgeflogen und fast hätte sich euer Opfer befreien können und die Welt aufklären können. "Flucht nach Vorn" hieß das letzte Album. Es hat ihm nichts genützt. Dabei war er doch noch im "Baumhaus" glücklich und wähnte sich bestimmt in Sicherheit. "Meine Rettung ist ein Ort ohne Gefahr". Sie haben ihn trotzdem wieder eingefangen und lassen ihn auf "Next Level" weiterhin 00er-Jahre-Kirmestechno einsingen.

Wer auch immer dort hingeht: Wenn Frankensteins Roboter demnächst auf der Bühne hampelt, dann ist es unsere menschliche Pflicht, ihm zu helfen Die Folter endet nie, sangen schon Tocotronic. Hoffentlich findet der Wendler seine Ruhe und muss nicht neue Level der Pein aushalten. Hoffnung darauf besteht, denn die alte Schlager-Baureihe wird ja so langsam ein neues Modell ersetzt.

Trackliste

  1. 1. Feuermelder
  2. 2. Nichts Ist Leichter
  3. 3. Wir Mal'n Die Welt An
  4. 4. Einmal Noch
  5. 5. Brennende Geigen
  6. 6. Höhenrausch
  7. 7. Baumhaus
  8. 8. Flieger
  9. 9. Was Man Liebt, Gibt Man Frei
  10. 10. Wildfremde
  11. 11. Nichts Im Kino
  12. 12. Jetzt Hör Schon Auf
  13. 13. Irgendwas Dazwischen
  14. 14. Wir Mal'n Die Welt An
  15. 15. Ich Sehe Ihre Narben
  16. 16. Next Level Hitmix

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