laut.de-Kritik

Ein DJ für die Ewigkeit.

Review von

Elektronische Musik ist ein schnelllebiges Geschäft. Jede Woche erscheinen ungezählte neue Releases. Sich aus der Masse der Veröffentlichungen abzuheben, kommt beinahe schon einem Kunststück gleich. Wie man es geschickt umgeht, allzu schnell der Vergessenheit anheim zu fallen, zeigt der Kölner DJ und Produzent Michael Mayer einmal mehr auf eindrückliche Art und Weise. "Immer 3" ist genau das, was der Titel verspricht: der nunmehr dritte für die Ewigkeit bestimmte Mix des Kompakt-Gründers.

Das neue DJ-Set markiert zugleich das Ende von Mayers veröffentlichungsloser Zeit. Seit 2007 hat sich der Kölner mit eigenen Produktionen und Mix-Alben zurückgehalten. Sein letztes Release war die Zusammenarbeit mit Superpitcher unter dem Projektnamen Supermayer, sein letzter Mix eine Compilation verschiedener Tracks des Kompakt-Sublabels Speicher. Trotz der langen Veröffentlichungspause gelingt es Mayer nahtlos, an das hohe Niveau der beiden Vorgänger "Immer" aus dem Jahr 2002 und des vier Jahre später veröffentlichte "Immer 2" anzuknüpfen.

Das Erfolgsrezept bleibt auch bei "Immer 3" das gleiche. Unabhängig von Trends und Moden verlässt sich Michael Mayer einzig auf seinen Geschmack. "Die Stücke sind mehrheitlich langjährige Weggefährten und Geheimwaffen, denen ich blind vertraue. Auch nach tausendmaligem Hören haben sie nichts an Zauber verloren", sagt der wohl meistgebuchte Discjockey aus dem Hause Kompakt selbst über seinen Mix.

Zum Zauber, den die elf Stücke ohne Zweifel versprühen, trägt Mayers Vorliebe für Melodien maßgeblich bei. Während des gesamten Sets spielt er mit poppigen Elementen. Am deutlichsten machen das Namen wie Massive Attack und Charlotte Gainsbourg in der Tracklist. Diese kombiniert Mayer mit einem entspannten Groove, der es nicht nötig hat, große Euphoriestürme zu entfachen. Die überzeugende Qualität von "Immer 3" liegt in seiner stillen Erhabenheit der Stücke und der daraus entwachsenden Selbstsicherheit.

Das zeigt kein Track besser als die vorletzte Nummer "The Bright Forest" des südafrikanischen Produzenten Culoe De Song. Elegante Rhythmus-Arrangements, schwelgende Streichersätze und eine vornehme Zurückhaltung, was den Druck auf die Tanzfläche angeht, addieren sich zu einer Sexyness, die man nur selten in einem DJ-Set findet. Seinen Platz in direkter Nachbarschaft zu Laurent Garniers "Excess Lugguage"-Compilations hat Michael Mayer mit "Immer 3" sicher.

Trackliste

  1. 1. Cortney Tidwell – Don’t Let Stars Keep Us Tangled Up (Ewan Pearson’s All This Has Happened Before Version)
  2. 2. Closer Musik – Departures
  3. 3. Ben Watt – Guinea Pig (Vocal Variation with Julia Biel) (DJ Koze Remix)
  4. 4. Tim Paris – Edges of Corrosion
  5. 5. Smith n Hack – Falling Stars
  6. 6. Raudive – Slave
  7. 7. Massive Attack – Paradise Circus (feat. Hope Sandoval) (Gui Boratto Remix)
  8. 8. Popnoname – Hello Gorgeous (Terranova Remix)
  9. 9. Charlotte Gainsbourg – The Operation (Superpitcher Remix)
  10. 10. Culoe de Song – The Bright Forest
  11. 11. Kinky Justice – New Day

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