laut.de-Kritik

Die Fledermaus ist abgestürzt.

Review von

Die Hölle ist wieder da, aber die Fledermaus fehlt. Kein gutes Zeichen. Auf dem Cover dreht sich eine Erdkugel aus lauter Totenschädeln. Trotz düsterer Artwork-Gestaltung leben Meat-Alben jedoch vom stets siegreichen Kampf des Lichts über das Dunkel. Was diesmal nicht gelingt - die Mission schmiert ab in finsterste Abgründe. Meat Loaf und seine neuen Songs gleich mit.

Das Promo-Blabla passt sich dem Alben-Niveau an: "Es ist mein bislang persönlichste Album, ich will darauf zeigen, wie die Welt meiner Ansicht nach den Bach runter geht. Es ist tatsächlich die erste Platte, auf der ich sage, was ich über das Leben denke und darüber, was derzeit geschieht." Immerhin: den Bach runter gehts tatsächlich.

"All Of Me", die erste Single-Auskopplung, beginnt bräsig und sucht im weiteren Verlauf nach wirklich packenden Höhepunkten. Piano-Parts taumeln gleichermaßen aufdringlich wie uninspiriert umher. Die E-Gitarre quietscht und quengelt, doch kommt die Nummer nicht über bloße Aneinanderreihung von längst überalterten Bombastrock-Versatzstücken hinaus. Der Versuch, wie eine Steinman-Komposition zu klingen, endet irgendwo im Hinterhof von Bon Jovi.

"Fall From Grace" arbeitet mit knallig ausgespielten Schlagzeug-Verschleppungen, kommt aber ebenfalls nicht richtig in die Hufe. Meat Loaf verzichtet auf seine sonst oft zum Stilmittel gehörenden Überlängen. Gut so, denn es gibt hier auch nichts, was sich künstlerisch gewinnbringend strecken ließe. Wer Meat-Songs einlegt, will ätherische Engels-Chöre, will Pathos, will Dampf, will große Oper. Doch "Hell In A Handbasket" taugt nicht mal für die Provinzbühne.

Geglückt startet das Cover des Tom Cochrane-Titels "Mad Mad World", hier zu "Mad Mad World / Good God Is A Woman And She Don't" aufgepimpt. Als vermeintliches Leckerli gibt Gaststar Chuck D einen Rap-Auftritt, der jedoch im Höllen-Kontext ebenfalls reichlich deplatziert rüberkommt.

Die "Party Of One" macht zwar mächtig Lärm, doch passend zum Titel möchte hier niemand wirklich mitfeiern. Die Frage "Live Or Die" beantwortet sich durch ungeniert zur Schau gestellte musikalische Lieblosigkeit von selbst. Die "40 Days" bieten ein ermüdendes, nicht enden wollendes Progrock-Gniedelgitarren-Solo.

Seinen Tiefpunkt erreicht das Album mit der überflüssigen Verhunzung des Klassikers "California Dreamin'". Meat wandelt den gefühlvollen Flower-Power-Hit in einen überflüssigen Pseudo-Rocker inklusive nervig herumtrötendem Saxophon. Pfui! Da nützt auch die Unterstützung einer altbekannten Weggefährtin wenig: Patti Russo versucht nicht, zu retten, was zu retten ist, sondern trägt selbst kräftig bei zum Komplett-Desaster. Später bleiben beide trotz Einsatz von "Our Love And Our Souls" erneut auf der Strecke.

Künstlerisch schaut es düster aus im einstigen Meat-Wunderland. Den Zauberstab hat Song-Gandalf Jim Steinman längst irgendwohin mitgenommen. Einsatz und Energie von Meat in allen Ehren - doch es fehlen einfach wirklich überdurchschnittliche, große Songs. Von der einst so vitalen, dunklen Fledermaus liegen Ende 2011 nur traurig stimmende, verbleichende Knochen in der Landschaft herum.

Trackliste

  1. 1. All Of Me
  2. 2. Fall From Grace
  3. 3. The Giving Tree
  4. 4. Mad Mad World / Good God Is A Woman And She Don't
  5. 5. Party Of One
  6. 6. Live Or Die
  7. 7. California Dreamin'
  8. 8. Another Day
  9. 9. 40 Days
  10. 10. Our Love And Our Souls
  11. 11. Stand In The Storm
  12. 12. Blue Sky

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