laut.de-Kritik

Anbiederei an den Soul mit Falsett und Liebesgedudel.

Review von

Wer Mayer Hawthorne nicht kenne, solle sich schleunigst schlau machen, ließ Justin Timberlake die Öffentlichkeit wissen. Er wisse nicht genau, was er da gehört habe, alten oder neuen Sound, aber es sei "fucking good", formulierte Mark Ronson selbige Ekstase.

Etwa ein dreiviertel Jahr sind diese Begeisterungsstürme alt, die Mayer Hawthornes auf 1000 Originale limitierte Single "Just Ain't Gonna Work Out" in Windeseile aus den Ladentheken fegten. Peanut Butter Wolf musste schleunigst neue Pressungen des roten, herzförmigen Zehnzöllers in Auftrag geben.

Eben dieser übertriebene Kitsch hat das Souldebüt des DJs einer höchstens in Headskreisen bekannten Hip Hop-Kapelle namens Now On so stark gemacht. Mit einem zwinkernden Auge rechts, das stolz auf den riesigen Schalk im Nacken des Sängers verweist, und einem verschüchterten Augenaufschlag links, der offensichtlich mit Isaac Hayes, Smokey Robinson und Curtis Mayfield flirtet, verschaffte sich der Wahlkalifornier aus der Nähe der Motown-Hochburg Detroit Airplay in allen einschlägigen Radiosendungen rund um den Erdball.

Selbstverständlich ist die Single auch auf "A Strange Arrangement" vertreten, allerdings reicht sie kaum aus, um dem kompletten Debüt die beschriebene Janusgesichtigkeit zuzuschreiben. Der Geist der Hommage und der liebevollen Parodie ist verflogen, eine Art Anbiederung ersetzt die unverbindliche Schäkerei, der Schalk ähnelt eher einer Halskrause.

Denn Hawthorne ist gefangen im Korsett der Rückwärtsgewandtheit, an deren fehlender Originalität "A Strange Arrangement" scheiterte, würden "Your Easy Lovin' Ain't Pleasin' Nothin'" oder "Green Eyed Love" nicht wenigstens im Ansatz aufzeigen, wieso sich Mayer Hawthorne trotz allem als Alternative zu besagten Klassikern eignet.

Gerade wenn er die ausgetretenen Pfade der Kopie verlässt und mehr wagt als Falsett und Liebesgedudel vor einfach strukturierten Grooves und Instrumentals, zeigt sich die tiefe Verbundenheit mit dem Soul, mit der er zu Werke geht. Dann, wenn die Titel ihren konstruiert alten Klang ablegen und sich eine gewisse Besonderheit und Unterscheidbarkeit zu seinen Einflüssen herausschält.

Dabei wäre es falsch, "A Strange Arrangement" als schlechte Arbeit zu bezeichnen, es ist nur die Gesamtkomposition, die keineswegs zwischen Ronsons propagierten alt und neu pendelt, sondern kontinuierlich Richtung alt ausschlägt. So gut sein neuer alter Sound auch sein mag, so verzichtbar wirkt er im Vergleich mit den alten Koryphäen. Nach "Just Ain't Gonna Work Out" hatte er das Zeug zum Künstler des Jahres, nach dem Debüt bleibt immerhin noch eine der Topsingles 2009.

Trackliste

  1. 1. Prelude
  2. 2. A Strange Arrangement
  3. 3. Just Ain't Gonna Work Out
  4. 4. Maybe So, Maybe No
  5. 5. Your Easy Lovin' Ain't Pleasin' Nothin'
  6. 6. I Wish It Would Rain
  7. 7. Make Her Mind
  8. 8. One Track Mind
  9. 9. The Ills
  10. 10. Shiny & New
  11. 11. Let Me Know
  12. 12. Green Eyed Love

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