16. Februar 2012

"Gute Musik ist wie Wasser"

Interview geführt von

Keine Frage, Max Prosa profitiert deutlich vom Singer/Songwriter-Fieber, das derzeit in der deutschen Popkultur um sich greift. Dennoch lässt sich der junge Berliner nur ungern mit Kollegen in einen Topf werfen. Im Interview philosophiert er über sein Debütalbum, die deutsche Musiklandschaft und abgebrochene Studiengänge.Ende Januar brachte Max Prosa seinen lang erwarteten Erstling "Die Phantasie Wird Siegen" auf den Markt. Nachdem der junge Künstlersamt Band die gleichnamige Tournee mit vier ausverkauften Gigs eröffnet haben, spielen sie in der kleinen Zürcher Hafenkneipe.

Zwar passen die fünf Musiker kaum auf die kleine Bühne und mussten nach eigenen Angaben die Hälfte der Instrumente im Tourbus zurücklassen. Doch ihr ergreifendes und kontrastreiches Set taucht die düstere, rappelvolle Hafenkneipe in eine eigentümliche Atmosphäre.

Nachdem der Berliner die euphorisierten Fans am Merchstand mit Autogrammen und Fotos versorgt hat, setzen wir uns im Keller des Gebäudes zusammen. "Wir haben einen großartigen Backstage-Bereich", kündigt Tourmanager Valentin ironisch an, ehe er uns ins winzige Untergeschoss hinab führt. "Immerhin darf man hier rauchen", stellt Max erfreut fest und macht es sich gemütlich.

Ihr habt gleich zu Beginn der Tour fünf ausverkaufte Shows in Folge gespielt. Fühlt sich das mittlerweile schon deutlich anders an oder geht man da genau gleich ran wie früher?

Max: Nee, also gestern habe ich das zum ersten Mal realisiert. Da waren 250 Leute im Publikum, so viele Zuschauer hatten wir allein noch nie auf einem Konzert. Das war schon krass. Morgen sind es glaube ich 400. Man merkt also schon, dass das alles eine andere Dimension bekommt.

Für uns ist es aber im Prinzip immer noch das Gleiche. Wir sind halt dieses Grüppchen, das sich immer wieder versammelt. Wir haben schon vor drei, vier Jahren in Berlin gespielt und irgendwelche Jazzabende eröffnet. Jetzt ist natürlich unheimlich viel dazugekommen. Wir versuchen aber, den Kern des Ganzen, also die Musik, gleich zu halten. Und das funktioniert eigentlich ganz gut.

Mit deinem Debüt "Die Phantasie Wird Siegen" bist du kürzlich auf Platz 20 der Charts gelandet. Eine Überraschung?

Ja, ich war schon überrascht. Vor allem, weil ich im Vorhinein immer probiert hab, bei allen Leuten die Erwartungen klein zu halten. Das Album ist ja rein aus dem Impuls entstanden, mit dieser Gruppe von Leuten eine Platte aufzunehmen. Es war eigentlich keinesfalls dafür ausgelegt. Da war es schon überraschend genug, dass Sony Music es genommen hat. War ja keine Radio-Single oder so drauf.

Letztendlich bestehen die Charts aber nur aus Nummern. Wir sind froh, wenn Leute sich in der Musik wiederfinden und zum Konzert kommen. Aber so ein Chartplatz ist total abstrakt. Das kriegt man so am Rande mit und freut sich. Weil es ja auch bedeutet, dass es sich für all die Leute ausgezahlt hat, die so viel Geld, Zeit und vor allem Energie investiert haben. Außerdem bedeutet es, dass man weitermachen kann. Das ist eigentlich das Tollste daran.

Du nennst als Einflüsse vor allem Leonard Cohen und Bob Dylan. Was fasziniert dich so sehr an den beiden?

Wahrscheinlich einfach die Art, wie sie ihre Songs schreiben und dabei Geschichten erzählen. Dieses Symbolische, das bisher in deutschen Liedern kaum vorgekommen ist. Ich habe in der deutschsprachigen Musik kaum Derartiges gesehen und fand immer, dass da noch total viel Platz ist. Das ist auf deutsch auch nicht so einfach, muss man sagen. Es ist einfach etwas ganz anderes. Aber bei deren Songs schwingt unheimlich viel mit. Wenn man Englisch nicht als Muttersprache hat, kann man das gar nicht alles erfassen. Aber das, was ich schon erfassen konnte, hat mich sehr fasziniert.

Gerade Dylan geht so kunstvoll mit der Nachhaltigkeit von Sprache um. Das ist großartig. Ich will nicht sagen, dass ich mich daran orientiere, aber ich finde es gut. Das ist ein Puzzleteil von meinem Kosmos, den ich aus fremden Einflüssen zusammensetze, und aus dem dann wieder etwas Neues entsteht. Ich habe als Werkzeug eben die deutsche Sprache, die irgendwie anders ist, und schaue mal, wo ich damit lande.

Auch die Medien vergleichen dich mit besagten Altmeistern. Der Focus titelte gar: 'Der deutsche Dylan?' Fühlst du dich da geehrt? Und hältst du das für realistisch?

Man weiß halt nie, worauf diese Vergleiche beruhen. Die Zeit hat getitelt: 'Sieben Lockenköpfe im Test' - da ist das dann schon klar. Okay, die haben auch einen anderen, sehr tollen Artikel geschrieben. Aber man kann zumindest sagen, dass solche Vergleiche oft oberflächlich sind. Wenn ich jemanden mit Mundharmonika-Gestell sehe, denke ich sofort an Bob Dylan - so ist das bei vielen Leuten. Damit hatte ich die ganze Zeit zu kämpfen, schon seit ich angefangen habe. Denn ich habe eben immer Mundharmonika gespielt.

Aber Leute brauchen eben Vergleiche, um das irgendwie einzuordnen und zu kommunizieren. Klar, wenn jetzt jemand von Max Prosa spricht und jemand anders fragt, was der denn für Musik macht, dann musst du halt irgendwas sagen. Das bedeutet für mich aber nicht, dass ich da irgendwie heranreiche und dass das in einen direkten Vergleich gestellt werden kann. Den kann es bei Kunst generell sowieso nicht geben.

Hörst du eigentlich auch Musik von jüngeren Leuten oder prinzipiell eher ältere Sachen?

Es ist schon so, dass ich viel älteres Zeug höre. Da hab ich eben mal angefangen und bin dann vom einen zum anderen gekommen. Etwas neuer sind beispielsweise die Waterboys, wobei die ja auch aus den Nineties sind. Als wirklich modernen Musiker finde ich Beck großartig. Oder natürlich auch Radiohead, obwohl die was ganz anderes machen. Ich hör schon auch viel neues Zeug, aber eigentlich macht es für mich keinen Unterschied. Wenn Musik irgendwas besonderes hat, dann hör ich sie.

Es gibt in Deutschland derzeit eine sehr aktive Singer-Songwriter-Szene. Fühlst du dich da zugehörig? Oder nimmst du diese Sonderrolle, die dir oftmals auferlegt wird, gerne an?

Das ist halt auch wieder eine Art Vergleich. Wenn man aber mal dazukommt, worum es eigentlich geht, erkennt man schon Unterschiede. Beispielsweise zwischen Tim Bendzko und mir - ohne das jetzt irgendwie positiv oder negativ bewerten zu wollen. Aber das ist was komplett anderes.

Und diese Vergleiche beruhen oftmals eben wirklich nur auf diesem oberflächlichen Impuls: Ein junger Mann hat Locken und singt auf deutsch und schon ist es einer der 'Sieben Lockenköpfe im Test'. Dabei wird sich überhaupt nicht damit beschäftigt, was er eigentlich macht. Das ist schon krass, so was ärgert mich. Da freut es mich auch, wenn die Leute mir diese Sonderrolle zugestehen. Das bedeutet ja nicht, dass diese Rolle irgendwie besser ist. Aber wenigstens wird anerkannt, dass meine Musik eben anders ist.

Dass das aber ein Zeitgeist-Phänomen ist, lässt sich nicht leugnen. Im Moment gibt es wieder viel Musik mit deutschen Texten, was auch cool ist und wovon ich gerne Teil bin, gerade was TV Noir betrifft. Das ist einerseits wirklich eine Art Rückkehr zu handgemachter Musik, andererseits aber auch ein Extrem. Das eine Extrem geht in Richtung Nicht-Authentizität der Casting-Shows und elektronische Musik. Dann muss es auch ein Extrem geben, das in die andere Richtung geht. Und da bin auf jeden Fall gerne dabei.

Wen würdest du denn aus all den Singer-Songwritern als Favoriten herauspicken?

Das ist natürlich ganz schwierig, es gibt ja unheimlich viele. Tim Neuhaus hat ja auf dem Album auch Schlagzeug gespielt, zu dem habe ich natürlich eine ganz andere Verbindung. Da kenne ich die Sachen besser, stecke drin und finde es großartig. Ansonsten ist es einfach schwierig, da auszusieben und objektiv zu bleiben.

Aber Gisbert zu Knyphausen ist auch toll. Den kenne ich z.B. nicht persönlich, finde aber in seinen Texten total viel. Dennoch sehe ich die Grenze zwischen ihm und mir ganz deutlich, weil das eine ganz andere Art Ästhetik ist. Trotzdem schätze ich ihn sehr.

In Clueso finde ich natürlich auch sehr viel. Ich kann mich da aber nur ganz schwer festlegen. Ach ja, Cäthe. Das ist auch eine sehr gute Freundin von mir, das Album finde ich super. Das wird am Ende auch alles Bestand haben. Denn gute Musik ist wie Wasser, sie findet immer ihren Weg.

"Clueso ist ein inspirierender Freund"


Stichwort Clueso: Der Schweizer TV-Sender joiz, bei dem du heute Nachmittag zu Gast warst, bezeichnete dich als 'Cluesos Zögling'. Nimmst du das so hin? Bei genauerer Betrachtung hat eure Musik ja wenig miteinander zu tun.

Ich mein, Clueso hab ich total viel zu verdanken. Auch ganz abgesehen davon, dass er mich mit auf Tour genommen hat. Sondern vor allem in Sachen künstlerisches Wachstum. Ich lernte ihn kennen, verbrachte viel Zeit mit ihm und sah, wie er seine Sachen macht. Ich konnte das natürlich nicht übernehmen, denn er kommt aus einem ganz anderen Sektor. Aber ich schätze ihn total, als Mensch und als Künstler.

Trotzdem hat meine Geschichte ganz andere Wurzeln und begann lange vorher. Ich kenne ihn ja erst seit anderthalb Jahren. Deswegen würde ich mich nicht als sein Zögling bezeichnen. Ich weiß nicht, ob man das irgendwie anders plakatieren kann. Er ist jedenfalls ein inspirierender und sehr guter Freund.

Du machst - anders als z.B. Philipp Poisel oder Clueso - sehr polarisierende Musik, die sicherlich nicht jeden auf Anhieb anspricht. Trifft es dich, wenn es im Netz zu abfälligen Kommentare kommt?

Nee, ich habe da den totalen Schutzpanzer bzw. eine dicke Haut entwickelt. Das kann man einfach nicht alles persönlich nehmen, sonst macht man sich kaputt. Mir ist das total klar, deswegen sind wir auch auf der Clueso-Tour eine sehr extreme Linie gefahren. Wir haben halt Songs gespielt wie "23. Juli", bei dem ich aus diesem Buch vorlese. Weil wir einfach wollten, dass die Leute sich eine Meinung bilden. Das wird wahrscheinlich mehr als fünfzig Prozent nicht gefallen haben. Aber für diejenigen, die dabei bleiben und da was drin sehen, ist es cool.

Und in der Rolle sehe ich mich und meine ganze Band. Wir machen etwas, auf das man sich einfach einlassen muss. Obwohl wir in einer Zeit leben, in der vieles über schnelle Informationen per iPhone usw. passiert. Für die Musik muss man einen Teil von sich hergeben, kann aber auch total viel zurückkriegen. Das ist eben anders als ein Schnellaustausch, den man gleich wieder vergisst.

Du hast mit deinem Debüt auch im Feuilleton große Aufmerksamkeit erreicht. Nimmst du es dir zu Herzen, was derzeit alles über dein Album geschrieben wird? Und fühlst du dich von den Medien verstanden?

Man muss schon sagen, dass ein großes Interesse besteht. Gerade dank dieser Sonderrolle, wie du schon sagtest. Jetzt kommt noch ein deutscher Singer-Songwriter. 'Aber was für einer', stand in der Zeit. Das sehen die meisten so, und da fühl ich mich total geehrt. Das ist einfach toll. Denn diese Gruppe, die das Album bis zum Master hin gemacht hat, besteht komplett aus Leuten aus meinem Umfeld. Und sie hat von Anfang an so autark gearbeitet und es sich total verdient.

Es gibt natürlich immer wieder andere Stimmen, gerade im Internet. Klar wird man immer wieder in die Welle von Songwritern gesteckt. Und dann heißt es noch, ich hätte den besonderen Anspruch, wie die Alten zu klingen. Diese Position kann man meinetwegen vertreten. Aber ich glaube, wenn sich die Leute eingehend damit auseinandersetzen, müssen sie das zwar noch lange nicht gut finden. Sie erkennen dann aber wenigstens, dass es etwas anderes ist.

Sehr oft wird dir attestiert, dass du für dein junges Alter extrem erfahren klingst. Kannst du dir erklären, woran das liegt? Hast du einfach mehr erlebt?

Nee, das würde ich nicht unbedingt sagen. Ich denke, ich habe so viel erlebt, wie jeder andere, nur vielleicht ein paar andere Sachen. Aber diese Texte bilden nicht unbedingt meine eigenen Erfahrungen, sondern immer eine Struktur ab. Ein bisschen, wie eine Holzpuppe, die man erschafft. Dann hören die Leute das, werfen ihr Tuch drüber und daraus ergibt sich dann ihr Bild. Ihr Geschichte spiegelt sich dann darin wieder.

Bei dem Lied "Mein Kind" gibt es z.B. total viele Eltern, die mich fragen, ob ich denn schon Kinder hab. Ich habe keine Kinder und der Song handelt auch überhaupt nicht davon. Aber er beschreibt eben die Struktur einer Art von Beziehung, die jeder kennt.

Was ich mache, hat viel mit Sehnsucht zu tun. Gerade auf "Die Phantasie Wird Siegen" geht es vorrangig darum. Das ist ein Thema, das man immer wieder erlebt. Es geht mir darum, eine Art Struktur darin zu finden und diese abzubilden. Und dann kann jeder, mit seinem wahrscheinlich schon viel erfahrerernen Leben noch viel mehr darin finden als ich. Das finde ich sehr interessant. Wenn man ein Lied schreibt, und es dann eine Zeit lang singt, erkennt man möglicherweise irgendwann etwas ganz anderes darin. Es passt dann wieder zu einer ganz neuen Situation.

Wie du gerade angesprochen hast, handelt es sich bei deinem Erstling um ein sehr melancholisches Album. Dennoch würdest du vermutlich widersprechen, wenn man die Inhalte der Platte als durchweg negativ bezeichnet. Welche Songs stellen für dich persönlich Lichtblicke dar?

Es ist jedenfalls kein Album, das emotional glückliche und traurige Songs enthält. Man kann sie alle verschieden interpretieren. Gerade "Schöner Tag" wäre ja das Paradebeispiel. Da steckt aber immer die Frage dahinter, ob das überhaupt ein positiver Song ist. 'Ich lieb' dich, so lang ich dich seh.' Ist es das? Das ist halt dieses den Moment erleben.

So ist halt das Leben, manchmal ist es total positiv, und irgendwann wird es einem zur Last. Ich denke, dass man diese beiden Seiten immer drin behalten muss, um glaubwürdig und real zu erscheinen.

"Der selbstbestimmte Weg durch Berlin hat mir gut getan."


Vor deiner Hauptbeschäftigung als Musiker hast du u.a. ein Physik-Studium angefangen und schnell wieder verworfen. Wie kamst du überhaupt zur Physik?

Ich hatte sehr früh Abi, schon mit 17. Ich bin in Charlottenburg aufgewachsen, dort war es überhaupt nicht selbstverständlich, dass man Musiker wird. Ich habe zwar immer Musik gemacht, hatte während der Schule auch eine Band. Aber das wurde immer nur als kulturelle Nebenbeschäftigung akzeptiert und hatte nichts damit zu tun, was man eigentlich im Leben macht.

Als ich dann mit der Schule fertig war, habe ich mich gefragt: 'Okay, und was mach ich jetzt?' Und ich hatte eben zu dem Zeitpunkt noch nicht das Selbstvertrauen, das durchzuziehen. Ich habe mich dann z.B. auch an der Mannheimer Popakademie beworben, weil ich dachte, da gibt es dann wenigstens eine Legitimation für das Musiker-Dasein. So habe ich ein bisschen nach diesem Weg gesucht, wurde aber dann abgelehnt. Die haben mich gar nicht erst eingeladen, was aber letztendlich total gut für mich war. Dann habe ich eben Physik studiert.

Und wann und warum hast du es wieder abgebrochen?

Nach zwei Semestern. Also das erste Semester lang habe ich noch richtig studiert. Dann war ich auf dieser Irland-Reise, das war auf jeden Fall ein Scheidepunkt. Da habe ich viel musiziert, und es wurde immer klarer für mich.

Es hat halt gedauert, bis ich genug Selbstbewusstsein hatte, um in Charlottenburg alles hinzuwerfen, nach Neukölln zu ziehen und mein Ding zu machen. Das hat sich während des Physikstudiums dann rauskristallisiert. Dann musste ich mir diesen eigenen und selbstbestimmten Weg durch Berlin suchen, der mir total gut getan hat. Anschließend habe ich Philosophie studiert, denn da musste ich wenigstens nicht mehr an zwei Fronten kämpfen. Das hat ja auch relativ viel mit Texten zu tun und war auch Inspirationsquelle.

Aber nach zwei Semestern hatte ich auch eine Abscheu entwickelt. Gegenüber diesen Leuten, die zwar Künstler sind, aber nebenher auch noch studieren, weil das mit der Kunst ja alles nicht so sicher ist. Damit wollte ich einfach nichts mehr zu tun haben und alles auf eine Karte setzen. Ich war mir auch überhaupt nicht sicher, dass das so klappt wie jetzt. Aber ich dachte, dass ich dann zumindest irgendwie auf die Füße falle und vielleicht irgendetwas anderes mache.

Was hättest du denn gemacht, wenn es nicht geklappt hätte?

Ich hätte auf jeden Fall auch was mit Wort und Text gemacht, weil mir diese Art, mit Sprache umzugehen, einfach total liegt. Vielleicht hätte ich dann noch mehr geschrieben und das eher ohne Musik durchgezogen. Oder das Ganze zumindest nebenbei weitergemacht.

Aber dann bin ichüber ein paar Umwege zum Zughafen gekommen. Und die haben mir dann ermöglicht, das voll zu machen. Klar, ich konnte in kein teures Studio gehen, aber ich konnte bei ihnen aufnehmen und habe andere Musiker kennengelernt. Und daraus ist praktisch das Album entstanden.

Willst du später mal wieder studieren? Oder hast du damit abgeschlossen?

Ich bin da total offen. Ich weiß nicht, wohin es mich treibt. Jetzt grade bin ich sehr froh, dass es weitergeht. Und total gespannt, was passiert, und wie die ganzen Leute sich entwickeln, die bei dem Projekt mitmachen. Das ist eben ein großer Strang, an dem wir alle ziehen, und alle mögen sich irgendwie. Das ist eine tolle Community. Und wo diese und jeder einzelne davon hinwandert, interessiert mich einfach erst mal.

Deswegen kann ich mir jetzt gerade nichts anderes vorstellen, was aber nicht heißt, dass es in zehn Jahren nicht anders aussehen könnte. Vielleicht kriege ich ja plötzlich total Bock, Politikwissenschaft zu studieren. Weiß nicht, kann sein.

Wie und wann bist du eigentlich auf den Künstlernamen Max Prosa gekommen? Er bringt ja schon eine gewisse Erwartungshaltung an deine Texte mit sich.

Ich habe den Namen schon sehr lange. Als ich damit angefangen hab, waren meine Texte noch gar nicht so weit entwickelt. Ich hatte irgendwie den Mut, mich so zu nennen, obwohl das noch nicht so hundertprozentig Bestand hatte. Die Texte haben sich dann weiterentwickelt. Aber schlussendlich habe ich den Namen nur ausgesucht, weil mir der Klang gut gefallen hat.

Mittlerweile wird da natürlich total viel reininterpretiert, und es heißt, meine Texte seien pathetisch und anspruchsvoll. Wenn das zutrifft – cool. Aber eigentlich war es nicht so gedacht. Ich habe jedoch wirklich ein paar Prosa-Lieder, bei denen es gar keine Reime gibt. Die sind nicht auf dem Album, wir spielen sie bisher nur live. Vielleicht ist das beim nächsten Album anders, keine Ahnung.

Mit der Veröffentlichung von "Die Phantasie Wird Siegen" hast du jetzt deinen erster großer Schritt gemacht. Was steht 2012 an?

Also die Tour geht noch bis in den März hinein. Dann ist erst mal Pause und sich sammeln angesagt. Das ging ja jetzt alles so schnell, ich war so viel unterwegs und das muss sich alles mal setzen. Anschließend geht es mit den Festivals los. Im Spätjahr haben wir dann ein cooles Projekt vor, vor allen Dingen werden wir auch das nächste Album aufnehmen.

Aber insgesamt werden wir auch viel mit anderen Künstlern zusammenarbeiten, die ich im Laufe der Zeit kennen und schätzen gelernt hab. Da wollen wir auf jeden Fall etwas an den Start bringen. Im Moment gibt es schon ein paar Pläne bzw. Hirngespinste, vielleicht arbeiten wir sogar mit TV Noir zusamen. Mal gucken, es wird auf jeden Fall was passieren, wenn das alles so klappt. Wenn nicht, kommt eben erst mal das nächste Album.

Bis zur nächsten Platte muss man sich also keine fünf Jahre gedulden?

Nein, die ist auf jeden Fall auf dem Weg. Wir spielen ja jetzt schon viele neue Songs. Die müssen wir auch immer einschränken, weil wir schon sieben oder acht davon haben. Aber so wissen wir bei der Produktion dann schon mal, worum es musikalisch geht.

Der Erfolg des ersten Albums birgt sicherlich eine große Erwartungshaltung. Wie gehst du damit um?

Ich habe da glücklicherweise überhaupt keine Bedenken. Denn das ist alles in einem Kreis von Leuten entstanden, die miteinander gewachsen sind. Und wir sind auf keine spezielle Person angewiesen. Es gibt keinen Pop-Produzenten, der das eine Lied zum Radio-Hit macht, wodurch sich dann das Album 100.000 Mal verkauft. Sondern das ist eben eine stille Kraft, die da am Werk ist. Und die bringt dann auch das nächste Album auf den Weg.

Wahrscheinlich wird sich dann schon etwas ändern. Aber ich bin mir total sicher, dass jeder, der in dem ersten Album etwas findet, auch das nächste mögen wird. Es ist auch ein gutes Zeichen, dass die Platte so homogen ist und kein Song heraussticht. Wir hatten auch die ganze Zeit Probleme, uns für eine Single zu entscheiden. Denn im Prinzip gibt es keine. Ich bin mir eigentlich relativ sicher, dass beim nächsten Mal wieder alles so gut geht.

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