laut.de-Kritik

Poesie in Pop übersetzt: Masha Qrella vertont den David Bowie der deutschen Lyrik.

Review von

Masha Qrella wird 1975 als Marianna Kurella in Ost-Berlin geboren, als der damals 30-jährige Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur Thomas Brasch kurz davor ist, einen Ausreiseantrag zu stellen und mit seiner damaligen Freundin Katharina Thalbach in die BRD auszuwandern. Jahrzehnte später fällt Qrella der Roman "Ab jetzt ist Ruhe" in die Hände, den Braschs Schwester Marion posthum veröffentlichte.

Doch Ruhe lassen die Texte des DDR-Autors nicht in Qrella aufkommen. Denn sie verbindet sie so sehr mit ihrer eigenen Geschichte und Perspektive, dass sie beschließt, aus den Gedichten Popsongs zu machen.

Das Ergebnis ist das erste deutschsprachige Werk Qrellas, das hier vorliegende Doppel-Album "Woanders", das bewusst am 19.02.2021 erscheint: An diesem Tag wäre Thomas Brasch 76 Jahre alt geworden, gestorben ist er vor 20 Jahren an Herzversagen.

Die Songs, die zwischen Indie-Pop, New Wave, Electronica und Postrock schweben, sind Geschenk und Vermächtnis zugleich: Brasch, den Qrella als den "David Bowie der deutschen Lyrik" bezeichnet, hatte sich nämlich zeitlebens gewünscht, dass seine Lyrik vertont wird. Die "Übersetzung" in Lyrics ist kongenial von Masha Qrella umgesetzt, ihr unverkennbar klarer Gesang verkündet die darin enthaltenen Utopien und Tristessen.

Unterstützt wird sie dabei von vielen Gaststars wie Tocotronics Dirk Von Lowtzow, der mit ihr im Duett das Stück "Meer" singt. Mit dabei ist auch Ja, Panik-Sänger Andreas Spechtl auf "Maschinen", und Marion Barsch hat einen Spoken-Word-Auftritt im Lied "Märchen".

Eine Art Märchenwelt hatte auch Brasch für sich zeitlebens imaginiert, einen Ort, der Außen und Innen miteinander verbindet – "unter und über den Märchen". Die Frage, wo ist man Woanders und wo ist man anders, wird hier (ein-)dringlich verhandelt, aber auch verspielt mit der Verknüpfung von Poesie und Pop.

Trackliste

  1. 1. Lied
  2. 2. Bleiben
  3. 3. Meer (Feat. Dirk Von Lowtzow)
  4. 4. Blaudunkel
  5. 5. Geister
  6. 6. Woanders
  7. 7. Maschinen (Feat. Andreas Spechtl)
  8. 8. 27 September
  9. 9. Wind
  10. 10. Haut (Feat. Tarwater)
  11. 11. Märchen (Feat. Marion Barsch)
  12. 12. Hure
  13. 13. Straßen
  14. 14. Strand
  15. 15. Ratten
  16. 16. Tür
  17. 17. Nacht (Feat. Chris Imler)

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