laut.de-Kritik

Wenn Pop und Reggae eine Einheit ergeben.

Review von

Gentlemans "Bredda" Martin Jondo veröffentlicht mit "Pink Flowers" sein mittlerweile fünftes Studioalbum. Noch immer versprüht er gute Laune, wo er nur kann. Noch immer geht seine Stimme direkt ins Ohr, bleibt dort hängen, windet sich durch die Gehörgänge direkt ins Lustzentrum des Gehirns und sorgt dort für latente Ohrwurm-Gefahr. Noch immer zählt Martin Jondo einfach zu den großen Namen der deutschen Reggae-Landschaft.

So scheint das leichte Kopfnicken angesichts des Openers "My Days" unumgänglich, bereits nach wenigen Sekunden groovt man sich auf den richtigen Vibe ein. "Knock knock knock, are you there?", will der "Rainbow Warrior" wissen. Aber sowas von!

"Get It On" und "Here I Am" setzen noch einen oben drauf. Während ersteres dank kickender Drums und einprägsamer Hook zum Fanliebling avancieren könnte, beginnt der Deutsch-Koreaner "Here I Am" in alter "Pure"-Tradition: nur mit der Akustikgitarre. So klingt er am besten, so hat seine Musik Zukunft. Das weiß auch Jondo selbst: "Oh yes my friend. I will stay. So here I am."

Wer mit "Pink Flowers" ein reines Reggae-Album erwartet, wird enttäuscht. Martin Jondo zeigt sich auf seiner neuen Platte ungewohnt poppig. Der Titeltrack "Pink Flowers" könnte genau so von Milky Chance stammen und passte hervorragend auf "Sadnecessary". Ebenso klingt "You Don't Know Me" überraschend glatt und kantenlos. Beide Tracks geraten keineswegs schlecht, nur werden sie eben nicht den Erwartungen gerecht, die man an einen Künstler stellt, der seit 2002 Musik macht.

Zum Glück bleiben sie die Ausnahme, insbesondere "Underwater Life" und "Higher" merzen diese Scharte im Handumdrehen aus. "Underwater Life" ist als halb-instrumenteller und sehr elektronischer Synthie-Song komponiert, der wie Nebel aus den Lautsprechern zu wabern scheint und beinahe sedativ auf den Hörer wirkt. Einschläfernd - aber in großartiger Weise.

"Higher" gerät zum zweiten musikalischen Experiment auf "Pink Flowers". Angesichts der leicht verzerrten Stimme fühlt man sich irgendwie an Bonaparte erinnert. Nur dass Martin Jondo einem dann in feinster Rap-Manier den Text um die Ohren knallt. Er flowt dabei besser als so mancher dahergelaufene Straßenrapper.

Zu guter Letzt kehrt Jondo auf der LP aber doch noch zu seinen Wurzeln zurück. Hypnotisierend zeigt er mit "Soon" die Schattenseiten des Lebens auf, die auch nicht vor der vor positiver Energie strotzenden Reggae-Kultur Halt machen: "It is the first time that love turns into hate. You shot my heart with the bullet of pain and grey. Soon I am runnin' out of reasons to love you baby. Soon I will make you cry."

Darauf antwortet die Kampfansage "Break Free". Der Song drückt den unbändigen Willen des Rainbow Warriors aus, sich dieser Hoffnungslosigkeit eben nicht einfach so hinzugeben. "I'm gonna break free", wieder und wieder wiederholt Jondo diesen Satz, der angesichts der weltweit omnipräsenten Unterdrückung verschiedenster Volks- oder Glaubensgruppen nicht oft genug in die Masse hinausgebrüllt werden kann.

Mit "Pink Flowers" liefert Martin Jondo eine leider nur zehn Lieder umfassende LP, die musikalisch ausgereift, vielseitig und sicherlich auch radiotauglich daherkommt. Die gelegentliche inhaltliche Schmalheit überdeckt die neue musikalische Experimentierfreude, die sich zumindest auf diesem Album absolut bewährt.

"I just want you to know that i will always be there if you are in trouble", lässt uns Jondo noch abschließend wissen. Er zumindest geht mit gutem Beispiel voran. Manchmal kann es so einfach sein. Es müssten nur alle mitmachen.

Trackliste

  1. 1. My Days
  2. 2. Underwater Life
  3. 3. Pink Flowers
  4. 4. Get It On
  5. 5. Here I Am
  6. 6. You Don't Know Me
  7. 7. Soon
  8. 8. Higher
  9. 9. Break Free
  10. 10. I Just Want You To Know

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