laut.de-Kritik

Trotz Sex Pistols-Zitat: Null Anarchie im Konzertsaal.

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Im Nachgang zum letztjährigen Studioalbum legen Marillion nun die dazu gehörigen Live-Aufnahmen der "anoraknophobia tour 2001" vor. Die Band machte im letzten Jahr dadurch auf sich aufmerksam, dass sie bei den Aufnahmen die vorliegenden Plattenverträge kurzerhand in die Tonne trat und die Fans übers Internet fragte, ob sie nicht Lust hätten, das noch nicht existierende Album bereits vor Erscheinen zu ordern. So ließ sich ein Teil der Produktionskosten von den Fans vorab finanzieren.

Diese im Musikgeschäft mit großer Aufmerksamkeit beobachtete Maßnahme brachte Marillion nach einigen Jahren wieder aus der Versenkung hervor, so dass eine ausgiebige und überwiegend gut besuchte Tour folgte. Wer nach einem guten Grund für die Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt sucht, wird enttäuscht. Eigenen Angaben der Band zu Folge war es lediglich mal wieder an der Zeit, einen Konzertmitschnitt zu veröffentlichen und die eigene Spielfreude zu dokumentieren, womit eigentlich auch schon alles gesagt ist. Wie so häufig bei Live-Alben, gibt es auch hier keine neuen Erkenntnisse im direkten Vergleich mit den Studioaufnahmen.

Die meisten Live Alben sind bekannterweise so überflüssig wie ein Kropf. Wer live Musik hören will, soll sein Geld in ein Konzertticket investieren und basta! Dazu fehlt es Marillion auch noch an wirklich substanziellen Songs, die man im Rahmen einer Konzertaufnahme schließlich mal in einem anderen Gewand vorstellen könnte. Diese Kunst scheinen nach wie vor nur ganz wenige Musiker zu beherrschen, so dass der Kauf dieses Albums der Kategorie der zweifelhaften Geldausgaben zuzuordnen ist. Zudem verzichtet die Band auch noch darauf, bei Auftritten ihre einigermaßen bekannten Hits aus der Vergangenheit zu spielen. Wer der Band, die ihre künstlerische Freiheit immer wieder betont, hierhin folgen soll, werden sich Marillion und die noch verbliebenen Fans selbst fragen müssen.

Anarchisch ist an dem Konzertmitschnitt nämlich - wie das Sex Pistols-Zitat im Titel aus dem Jahr 1977 vermuten lassen könnte - rein gar nichts. Aber das war wohl auch nicht die erklärte Absicht. So bleibt nur noch die hermeneutische Annäherung an das Phänomen des Anoraks, um auch die Nichtwissenden aufzuklären. Der Engländer versteht unter einem Anorak eine Spezies, die sich dem Betreiben besonders ungewöhnlicher Hobbys widmet. Anscheinend nutzte man den Begriff auf der Insel zunächst für Trainspotters, die der Kälte im Freien beim Aufschreiben der Zugnummern mit dem bekannten Kleidungsstück trotzen.

Marillion-Fans werden laut Steve Hogarth in England ebenfalls als Anoraks bezeichnet, so dass sich die Band schützend vor sie stellte und per Albumtitel kurzerhand mitteilte, dass man keine Angst vor Anoraks haben müsse. Oha! Ob Marillion Fans beim Gang zu den Konzerten ebenfalls Anoraks tragen, ist nicht bekannt, würde mich aber nicht wundern.

Trackliste

  1. 1. Seperated Out
  2. 2. Quartz
  3. 3. Map Of The World
  4. 4. Out Of This World
  5. 5. Between You And Me
  6. 6. The Great Escape
  7. 7. King
  8. 8. If My Heart Were A Ball It Would Roll Uphill
  9. 9. Waiting To Happen
  10. 10. Easter

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