laut.de-Kritik

Der Rapper hat seinen Zenit (leider) schon überschritten.

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Als Plattenlabel hatte man bei Manuellsen nicht immer den leichtesten Stand: Eko Freshs German Dream Entertainment verließ der gebürtige Berliner ohne jegliches Release, gleich nach Erscheinen seines Debüts "The Hoodalbum" stieg er bei Shrazy Records aus - und bei Deluxe Records unter Namensgeber Samy Deluxe ein. Nach jahrelangem Hin und Her folgte im Frühjahr 2011 dann der logische Schritt: Ein eigenes Label musste her: Pottweiler Evolutions. Kommerzieller Erfolg wollte sich aber auch unter eigener Fahne nicht so richtig einstellen. Was macht Manuellsen also? Anfang 2015 wird einfach die nächste eigene Plattenfirma gegründet. Dieses Mal trägt sie den Namen König im Schatten, und Manuellsen gibt sich gleich höchstselbst die Ehre, eine neue LP über das neue, eigene Label zu veröffentlichen.

Das "Intro" des Silberlings beginnt jedoch keineswegs neu und innovativ, sondern mit sehr altmodischen Pianoklängen. Genau so angestaubt setzt sich die LP leider fort. Man fühlt sich irgendwie in das Jahr 2007 zurückversetzt, als Azad "Blockschrift" veröffentlichte und die Frankfurter Straßenrap-Szene noch richtig Laune machte. Mister FFM himself sorgt als Feature-Gast auf "Friedhof Der Kuscheltiere" auch für den einzigen richtigen Höhepunkt der Platte. In einer wunderbar düster klingenden Anlehnung an Stephen Kings gleichnamigen Roman ballern Manuellsen und Azad feinste Punches unter dem Soundgewand von GEE Futuristic in die Welt: "Keiner, den ich nicht am Mic einfach so mal weggefickt hab. Nicht zu fassen, dieser Chaba ist wie Jack The Ripper. Bleib hart - der Eiserne, dein' Part Zerreißende. Schlachte sie wie Jason, in Freitag der Dreizehnte."

Nach diesem Höhepunkt bietet "Killemall" zwar noch den ein oder anderen vernünftigen Track - wie beispielsweise die treffende Abrechnung mit der Szene in "Gerüchte 2.0" oder die beiden Feature-Tracks "Ich Repräsentier" mit Hannybal und "Geboren Und Gestorben Hier" mit Credibil - aber letztendlich kocht Manuellsen auf seiner neuen LP einen finsteren Einheitsbrei weitestgehend langweiliger Songs, serviert an immer gleich klingenden Synthie-Beats.

Insbesondere dort, wo sich M. Bilal am Zeitgeist versucht, geht die Platte gehörig schief: "Hardline" schlägt mit nervenaufreibender Hintergrundbeschallung aus der Dose furchtbar aufs Gemüt, und die Female Vocals in "Paranoia" klingen wie bei einem Gesangswettbewerb einer dritten Klasse aufgenommen. In "Wenn Ich" gerät Manuellsen ob der trappigen Hi-Hat sogar ein wenig aus dem Takt - generell wird man während der über einer Stunde dauernden Spielzeit das Gefühl nicht los, dass der in Mülheim an der Ruhr ansässige MC dem Tempo seiner Songs meistens etwas hinterherhechelt. Lediglich in "Elysium" gelingt der Versuch, Manuellsens tiefe Stimme und Gesangsqualitäten mit einem zeitgemäßen Soundgerüst zu verbinden.

Musikalisches Talent besitzt Emanuel Awere Twellmann durchaus, ein fähiger Rapper ist er ebenfalls. Aber er hat seinen künstlerischen Zenit (leider) schon überschritten. Ende der 2000er Jahre hätte Manuellsen mit "Nachtschicht 3.0", "König Im Schatten" oder "Tödliches Versprechen" sicher Aufsehen erregt, anno 2015 aber will er mit seiner Musik nicht mehr so richtig in die hiesige Rap-Landschaft passen.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Gerüchte 2.0
  3. 3. Killemall
  4. 4. Elysium
  5. 5. Friedhof Der Kuscheltiere
  6. 6. Hardline
  7. 7. Ich Repräsentier
  8. 8. König Im Schatten
  9. 9. Paranoia
  10. 10. Tunnelblick
  11. 11. Wenn Ich
  12. 12. Geboren Und Gestorben Hier
  13. 13. Menace To Society
  14. 14. Nachtschicht 3.0
  15. 15. Licht
  16. 16. Tödliches Versprechen
  17. 17. Marmor, Stein Und Eisen
  18. 18. Wo Wart Ihr?

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11 Kommentare mit 10 Antworten

  • Vor 4 Jahren

    Manuellsen kriegt es wohl nie mehr gebacken, eine gute Platte auf den Markt zu bringen. Der Typ hat viel auf'm Kasten und eine Menge Potential gehabt, immerhin haben das auch Eko und Samy (!) erkannt. Allerdings bringt er warum auch immer nur halbgare oder schlechte Platten raus, wo man an jeder Stelle merkt, dass da viel mehr gegangen wäre. Zu Snaga & Pillath und DLX Zeiten habe ich den echt gerne gehört mit seinem aggressiven Flow, diesem Deutsch/Englisch-Mischmasch und stilsicheren Texten. Aber er will halt immer viel mehr sein als das, was er ist: Ein Straßenrapper. Er soll auf die Fresse hauen mit plumpen Lyrics und nicht die große Liebe oder so besingen.

  • Vor 4 Jahren

    Wie immer bei Manuel... der eine Track ist solide bis gut, der nächste ein unhörbarer Totalausfall. Auf Albenlänge absolut untragbar, für einen Featurepart oder einen vereinzelten guten Song brauchbar.
    Dafür dass er von seinen Singsang so überzeugt ist, finde ich diesen gar nicht mal so gut und stellenweise sogar ziemlich schief und unangenehm. An anderer Stelle wiederum geht er gut ins Ohr. Wie gesagt; unausgegoren.
    Dann lieber Teesy...

  • Vor 4 Jahren

    Einige hooks ('Menace To Society', 'Elysium') habe ich jetzt zwar noch im Ohr, das Album aber aktuell nicht mehr in iTunes. Es gibt fuer mich wenig zu kritisieren, aber auch wenig hervorzuheben. Finde ihn singend am besten, die alten 'Nachtschicht'-Teile sind Gaensehaut. Ein ganzes Album mit suizidalem R'n'B waere traumhaft.

    Ist NRW inzwischen wieder geoeffnet? :D

    • Vor 4 Jahren

      Ja, so richtig gepackt hat mich das Teil auch nach 4, 5 Durchgängen nicht und jetzt belasse ich's auch erstmal dabei. Schlecht gemacht ist es nicht, aber irgendwie wollte es dann zum Release doch nicht so richtig zünden. Potentiell aber ein Album für die dunklere Jahreshälfte. Hab's daher noch nicht endgültig als Enttäuschung verbucht. ;)

      Ein suizidales R&B-Album wäre echt mal was. Bin mir aber nicht sicher, ob er das alleine so konsequent hinkriegen würde...

      Ich denke mal schon, die Promophase wurde ja erfolgreich abgeschlossen. :D