9. April 2013

"Den Leuten nach dem Mund zu reden, ist Nazi-Propaganda"

Interview geführt von

"Eine gute Show besteht darin, das Publikum zu schocken." Das ist David Pe bei seinem jüngsten Auftritt im Backstage in München definitiv gelungen. Es ist ja auch verdammt lange her, seit er gemeinsam mit seinem Produzenten Glamericious und DJ Explizit 1990 als einer der ersten Rapper mit deutschen Texten auf die Bühne kam. David Pe spricht mit uns über die wohltuende Wirkung der Irritation, Freestyle und die Quintessenz von Hip Hop.Ich stand schon lange nicht mehr so weit vorn. Zweite Reihe. Diese Erfahrung hat mir ein sehr intensives, aber auch verstörendes Konzerterlebnis beschert. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nämlich gar nicht bewusst, dass die Teenager auch heute noch mit Zahnspangen gequält werden. "Brills.", dacht ich immer, wenn was aufblitzte. Dachte eigentlich, da gibt's bestimmt schon irgend'ne App für und die wird's schon richten. Neben meinem Ausflug in die vergangenen, erniedrigenden Zeiten einer Zahnspangenträgerin, machte sich zudem die verblüffende Erkenntnis breit, dass die Zahnspangen zwar noch die gleiche Form haben wie vor zwanzig Jahren, der Hirninhalt der Teenies aber nicht mehr unbedingt.

Keiner in den ersten Reihen kennt da noch die Pioniere Main Concept, denn alle sind nur wegen einem hier: den Orsons. Keiner kennt mehr David Pe, der erstmal die Geschichte von einem Mullah erzählt und im Laufe des Auftritts sogar - Oh Schreck! Oh Graus! - ein echtes Buch zückt, aus dem er ein Gedicht! rezitiert.

Die Girls in der ersten Reihe wenden sich gelangweilt ab, kucken in ihr Handy, kauen an ihren frisch gegeelten Nägeln rum und motzen: "Ey, was labert der? Was für 'n Buch???? Oh Maaaann, wann kommen denn endlich die Orsons???? Die sind soooo süüüüß!" Die Orsons süß? Alles klar, mir ging das mit Kurt Cobain damals auch so. Schon okay. Aber ein Buch ist ein rechteckiges, gutes Ding, das nicht "tick tack" macht. Und auch nicht "klingeling". Für was das dann da ist? Was die Quintessenz von Hip Hop ist? Was überhaupt echten Freestyle ausmacht? Und warum David Pe euch doch noch irgendwie gekriegt hat? Das erzählt er uns in einem entspannten Interview nach der Show:

Ihr seid noch am Leben???

Ja, so alt sind wir ja nun auch wieder nicht!

Man hat schon so lang nichts mehr von euch gehört.

Ja, mag sein, da wir jetzt medial nicht großartig unterwegs sind. Das lohnt sich auch nicht und hab ich auch kein Interesse dran. Aber wir sind schon aktiv, aber nicht so wahnsinnig öffentlich. Wenn man uns kennt, kriegt man das schon mit, wenn nicht, könnt's schwierig werden.

Beschränkt sich der Kontakt zur Außenwelt denn inzwischen eher aufs Regionale?

Nee nee, wir sind schon auch in ganz Deutschland unterwegs. Wir waren im letzten Jahr vor allem in Norddeutschland unterwegs, in der Schweiz und in Österreich. So wie früher - also letztlich wie in den letzten zwanzig Jahren - aber in einer viel geringeren Frequenz. Als ich z.B. noch studiert hab, so vor zehn Jahren, waren wir jedes Wochenende irgendwo. Jetzt sind wir so alle paar Monate mal irgendwo, aber wir treten regelmäßig auf. Allerdings bin ich in einer Position und in einem Alter, wo für mich der Auftritt ein Kurzurlaub sein muss.

Keine langen Touren mehr?

Nee. Das mach ich nicht mehr. Das kann ich mir auch nicht leisten - zeitmäßig.

Was machst du denn beruflich?

Ich bin Arzt. Ich hab 'ne eigene Praxis als Allgemeinmediziner, also Hausarzt. Ich war ein Jahr im Klinikum, hab als Angestellter in 'ner Praxis gearbeitet und jetzt hab ich meine eigene Praxis.

Und die anderen beiden - wie ernähren die sich?

Der Explizit ist DJ von Beruf. Der macht viel, hat ja in München regelmäßige Veranstaltungen im "Rausch und Töchter" und im "Corleone" usw. Der fährt viel rum. Als DJ geht das auch, denn man ist nicht so bühnenpräsent wie als Rapper. Der Glam, der hat sein Studio, macht verschiedene Projekte, macht mal hier 'ne Platte, macht mal dort 'ne Platte. Z.B. Boshi San, der heute mit Roger Reckless hier als Team Makasi aufgetreten ist, hat seine letzte LP bei Glam im Studio aufgenommen und die nächste LP auch. Glam ist also Produzent von Beruf und der DJ ist DJ von Beruf und ich bin NICHT Rapper von Beruf.

Aber das war eine bewusste Entscheidung. Als Rapper zeigst du als Person permanent dein Gesicht. Als DJ oder Produzent bist du eher im Hintergrund aktiv. Da ist deine Bühnenpräsenz nicht so wichtig, wobei: der DJ Explizit, mein DJ, ist der beste DJ der Welt! Explizit ist der Chef! Und wenn der auflegt, dann tanzen alle. Ich hab genug DJs gesehen, da tanzt gar keiner, wenn die auflegen. Er hat halt diese Gabe und die hat er optimal genutzt. Der Glam als Produzent auch. Ich als Rapper hab auch eine gewisse Gabe, aber bin als Rapper - das hat man heute ja wieder gesehen (lacht) - abhängig von meinem Alter und davon, ob ich Lust hab meine Fresse permanent in irgendwelchen Medien zu zeigen. Als DJ bist du auch wichtig als Person wegen deinem Können, aber der DJ lebt nicht so sehr davon, dass er der oder der Typ ist, sondern davon, wie er auflegt.

Als ich so 25 war und Medizin studiert hab, stand ich irgendwann vor der bewussten Entscheidung: 'Werd ich jetzt Rapper von Beruf oder studier ich fertig?' Ich hab dann auch 'ne Pause gemacht mit dem Studium und hab nur noch gerappt, aber hab irgendwann gemerkt: da fehlt mir der intellektuelle Input. Da hängste nur mit Rappern rum, die labern immer denselben Scheiß, diese Konzerte, dieser Backstage-Smalltalk - das hat mich erschöpft. Diese Interviews, die man vor allem fürs Fernsehen macht, sind immer derselbe Scheiß und letztendlich transportierst du da nicht wirklich was. Also hab ich fertig studiert und bin Arzt geworden. Arzt in Deutschland zu sein ist sehr mühsam und man schlägt sich mit Sachen rum, die mit Medizin überhaupt nichts zu tun haben - was in anderen Ländern nicht so ist - aber letztendlich ist es ein cooler Beruf.

Allerdings bist du eben Arzt oder du bist kein Arzt. So ein bisschen Medizin machen und hauptsächlich rappen, geht halt einfach nicht. Wir als Main Concept befinden uns nach den 23 Jahren, die es uns inzwischen gibt, in einer sehr glücklichen Position: wir haben keinen Druck, müssen kein Geld verdienen mit unseren Platten, d.h. wir können machen, was wir wollen und haben keinen Stress. So hab ich mir das immer vorgestellt. Denn wenn du Druck hast, weißt, du musst 'ne Platte machen, die charten muss: das ist mir schon wieder zu anstrengend. Da hab ich gar keinen Bock drauf. Das ist ja fast schon wieder Arbeit! So rapp ich halt so vor mich hin, mach das quasi zu meiner eigenen Psychohygiene und zur Psychohygiene des Publikums (lacht) und bin ein zufriedener Mann.

Insofern bereue ich's im Nachhinein nicht, dass ich diesen Weg gewählt habe. Denn wenn ich diesen Erfolgsweg im Rap gewählt hätte - also charten und ein Lied mit 'ner tollen Hook machen - dann wär ich auch nur zwei Jahre erfolgreich gewesen oder so. Man darf sich nicht blenden lassen von der Eitelkeit. Das ist schon was, was im Künstler- und speziell im Musikbusiness ein Problem ist. Die Leute haben einen kurzfristigen Erfolg und nach drei Jahren läuft nichts mehr und du hast dir am Ende nur selbst geschadet. Deshalb bin ich sehr dankbar - dem allmächtigen Tao - dass mein Leben so gelaufen ist, wie es ist. Wär ich nur normaler Arzt, wär es auch langweilig. So bin ich quasi über Hip Hop sozialisiert worden und das hat mir für meinen Beruf, vor allem was die Kommunikation betrifft (denn das ist die Essenz des Arztes: die Kommunikation und nicht die Tabletten, die du verschreibst) sehr viel gebracht.

Arbeitest du denn dann auch viel mit Placebos?

Sagen wir mal so: ich arbeite nicht viel, aber hin und wieder mal mit Placebos, aber ich arbeite mit Suggestionen. Es kommt darauf an, wie du gewisse Dinge "verkaufst", wie du sie kommunizierst. Ich rappe seit ich zwölf bin und meine Hip Hop-Sozialisation hab ich erfahren mit vierzehn / fünfzehn. Damals war Rap ein Ding, das in Neuaubing im Freizeitheim und in der Blumenau passiert ist. Da kannst du dir vorstellen, was da für Leute waren. Die waren kritisch bis aggressiv und du musstest sehr aufpassen, was du sagst. Das war eine Zeit, in der ich Kommunikation gelernt habe. Du kannst nicht mit jedem gleich reden, das geht einfach nicht. Das lief damals auf unbewusster Basis. Ich hab halt als Rapper kapiert, wo ich welche Sprüche bringen kann. Im Arztberuf ist es vom Prinzip her dasselbe, nur dass die Themen halt andere sind. Insofern hab ich sehr profitiert davon und gelernt, vernünftig zu kommunizieren und die Schwingung zu catchen. Insofern danke ich jeden Tag dem allmächtigen Tao, dass ich diese Chance und die Möglichkeit und auch das Glück hatte, irgendwie auf Rap zu kommen und damit groß zu werden. Im Nachhinein ist es ein Vorteil für mich - im gesamten Leben. Deshalb bin ich auch cool - andere Ärzte sind nicht cool!

Gelächter.

Wobei ich sagen muss, dass unter den Ärzten – klar gibt's Schnösel und so - 90 Prozent coole Leute sind, mit denen es lustig ist. Man hat Spaß, kann Sprüche klopfen, sich Geschichten erzählen und es sind Leute, die kritisch denken. Als ich angefangen habe zu studieren, kam ich ja als MC da rein. Ich war achtzehn oder so, da kam gerade die "Münchmop" raus, unsere zweite Platte, und die "Genesis Exodus" war in Arbeit. Ich war nie an der Uni, ich war dauernd unterwegs - klar hab ich mir damals gedacht: die sind alle Scheiße hier, alles Spießer. Aber zum Glück hab ich die dann näher kennen lernen können. Das sind coole Leute, die halt nicht denselben Background haben wie ich. Es zu erkennen, dass die Sprache trotz des verschiedenen Vokabulars dieselbe ist, dafür bin ich wirklich dankbar. Das hat mir in meinem Leben viel gebracht.

Was war das vorhin bei euerm Auftritt dann für ein Gefühl, zu merken, dass die in den vorderen Reihen überhaupt nichts verstanden haben von dem, was du gesagt hast? Schon als du zu Beginn die Geschichte vom Mullah erzählt hast, haben die Mädels um mich herum sich nur irritiert angekuckt und gefragt: "Was labert der?"

(David Pe im Teddy Comedy-Slang): Ja was labert der, Alta? Was los mit dem Alta?

Wenn man euch von früher noch kennt, war das wirklich erschreckend zu sehen, wie das so gar nicht mehr angenommen wird. Wie ist das denn für dich? Du warst früher ja schon eine gefeierte Institution in der deutschen Szene.

Also ich muss sagen, ich hatte heute echt einen krassen Tag. Ich hab Freitag Nachmittag die Praxis zu, aber da mach ich meinen ganzen Bürokram - dokumentieren, Befunde schreiben, blablabla. Und nebenbei unterrichte ich seit Jahren an so 'ner Schule für Fußpfleger. Da mach ich Dermatologie für die. Ich hab heut gearbeitet, war schnell dort, bin dann in die Praxis, hab da meinen Datensicherungs-Befundeschreiben-Scheiß gemacht, dann bin ich nach Hause, hab mit der Familie kurz gegessen und bin dann direkt hier her. Ich war total unvorbereitet. Und dann komm ich hier an und kuck, als der Fatoni auftritt, so in die erste Reihe und fühle mich halt wie 1999, als wir mit den Beginnern auf Tour waren. Das war gerade so ihre populäre Zeit, da ging's grad los. Und da waren auch lauter so vierzehnjährige, kleine Mädchen vorne. Ich dacht mir nur: 'Fuck - damit hab ich ja jetzt gar nicht gerechnet!' (Lacht.) Und dann mach ich da meinen Auftritt und ehrlich gesagt mag ich das! Denn die Leute, die es cool finden, finden's eh cool. Da kann man nichts falsch machen. Aber diese kleinen Kinder, die überhaupt keine Ahnung haben, wer ich bin, die sind total unvorbelastet. Dann kitzelt mich das erst so richtig - auch wenn die mich scheiße finden, weil ich so viel laber. (Kippt wieder in den Teddy-Slang:) Was kommt der da mit 'nem Buch, Alta? Normalerweise sind die Leute auf unseren Konzerten zwischen zwanzig und dreißig Jahren und älter. Wenn ich da sage: "Hey, ich hab euch ein Buch mitgebracht. Wollt ihr das hören?", schreien alle: "Jaaa!!!" Und heute echt zum ersten Mal: "Ey was für 'n Buch, Altaaa???"

Gelächter.

"Is der schwul oda was?" Das war für mich voll geil!!! Da hab ich erst recht Bock, ihnen dieses scheiß Buch vorzulesen! Erst dann fordern die mich heraus.

Zumindest haben sie im Laufe des Konzerts ihre Kameras rausgeholt - nach dem Motto: wir haben zwar nix kapiert von dem, was du sagst, aber ein Bild machen wir trotzdem.

Jaja, aber das ist genau der Moment: Es folgt eine Reaktion. Ob die's kapiert haben, ist nicht wichtig, die haben's gespürt! Sonst hätten sie diese Reaktion nicht erbracht. Klar finden die's irgendwie schwul, dass ich mit 'nem Buch ankomm: "Ey, das is ja wie in Schule, Alta! Was labert der hier mit Buch und so?!" Aber das erst macht mir Spaß, denn ich bin ein großer Fan des Lebens und ich bin der Meinung - jenseits von jedem Intellektuellen - wenn du liest, lernst du Perspektiven kennen. Verschiedene Perspektiven einnehmen zu können, ist die Kunst des Lebens. Wenn du in deiner Perspektive gefangen bist, wirst du früher oder später krank. Das weiß ich. Natürlich finden die es erst strange, was ich da mache. Die sind das ja gar nicht gewohnt! Rap läuft heute so ab: da schreit einer "hey", da schreit einer "ho" - das sind Lieder, die man kennt und die wollen die halt mitsingen.

So war das damals bei der Beginnertour auch. Ich kam an, hier ist der David Pe, und dann wurde geflüstert: "Wer ist denn David Pe?", "Hey, du hast ja gar keine Ahnung! Das ist doch Main Concept!", "Ey, ich hab keine Ahnung! Was labert der?" Aber dann komm ich da an mit meinem Spoken-Word-Ding und auch wenn die in diesem Moment nicht reagieren, im Sinne von Jubel, hat es sie auf jeden Fall irritiert. Die Irritation - das ist die Kunst in der Kommunikation. Leute aus ihren Konventionen zu werfen und plötzlich neue Aspekte zu eröffnen. Das wird heute nicht fruchten, das wird morgen nicht fruchten, aber eines Tages werden die ein Erlebnis haben, wo sie sagen: "Das is ja wie diese Mullah-Geschichte, die David Pe erzählt hat. Ich bin wegen euch hier und ihr seid wegen mir hier!" Das wirft Kausalität durcheinander. Das Ursache-Wirkungs-Prinzip ist plötzlich nicht mehr das. Natürlich ist das strange, aber mir ist das egal, ob die mich mögen oder nicht! Die hinteren Reihen fanden's cool. Die Leute, die wissen was ich meine, haben ein gewisses Alter und eine gewisse Lebenserfahrung.

Aber wir waren damals so alt wie die jetzt.

War 'ne andere Zeit.

Trotzdem. Ich fand das geradezu verstörend zu sehen, wie anders! Echt erschreckend.

Ich fühle genau, was du meinst. Ich kann's verstehen. Als ich da raus bin und gesagt habe, ich habe ein Buch von Erich Mühsam dabei, wollt ihr das hören, hab ich das heute wirklich zum ersten Mal erlebt, dass einer schreit: "Nein!" Mein Main Concept-Publikum will das hören und die sind scharf auf diese Info. Das eröffnet wieder was! Du hast da plötzlich: Erich Mühsam - okay, wer ist der Typ? Hast plötzlich ein großes Feld offen, liest seine Bücher, liest seine Biographie, liest über die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, über die Räterepublik in München ... Das eröffnet dir ein Feld! Das ist doch klar, dass den Sechzehnjährigen das kein Feld eröffnet. Als ich klein war, hat mich das auch nicht interessiert. Da wollte ich das hören, was ich mitrappen konnte.

Deswegen bin ich im ersten Moment schon auch kurz verstört, so: "Hä, was is 'n jetzt auf einmal los? Seit wann wollen die das Gedicht denn nich hören?" Aber andererseits sehe ich: okay, jetzt mache ich endlich mal was Sinnvolles! Jetzt erzähle ich nicht Leuten, die eh schon meiner Meinung sind, meine Meinung und bestätige sie dadurch in ihrer Meinung, sondern erreiche plötzlich Leute, die das so noch nie gesehen haben. Und wie gesagt: es wirkt vielleicht nicht heute, aber es wird irgendwann wirken. Von mir aus finden mich von 90 von 100 dieser jungen Leute, die eine andere Art von Rap gewöhnt sind, scheiße, aber zehn werden sagen - und sie werden es vielleicht nicht ihren Freunden sagen - aber sie werden sagen: "Boah, krass. Das hab ich so noch gar nicht gesehen." Diese Leute zu erreichen, ist viel mehr Wert als sich den Jubel des Publikums in Form von Phrasen, zu erkaufen wie: 'Ihr seid alle geil und schreit mal yo und schreit mal hey und Hip Hop is sowieso geil.'

"Was Cro macht, ist ein Produkt seiner Zeit. Er kann nichts dafür."


Eigentlich spricht man ja gerade von einer Öffnung des Hip Hop. Wie beurteilst du die denn als altes Urgestein der Szene? Nach der Reaktion des heutigen Publikums zu urteilen, findet die ja wohl doch nur auf einer gewissen Ebene statt.

Genau. Du erreichst halt einen Teil der Leute und einen Teil eben nicht. Und natürlich kränkt das die eigene Eitelkeit, wenn dir nicht alle zujubeln, aber das hat dann eben diesen Provokationseffekt - da krieg ich erst richtig Lust! (Lacht.) Ich mag die Konfrontation und bin der Meinung: wenn du 'ne gelungene Show machen willst, musst du dein Publikum schocken. Ich seh' das wie die alten Sufis: man muss den Menschen aus seinen Konditionierungen und Schemata werfen. Schemata schränken uns ein und sie schränken unsere Sicht ein. Die Ursache für all den Streit und Zwist, den wir auf dieser Erde haben, ist, dass die Leute gefangen sind in ihren Schemata, in ihren Denkweisen und nur einen bestimmten Röhrenblick haben, in denen sie die Dinge reflektieren. Wenn du die schockst und aus der Bahn wirfst, nehme ich es gerne in Kauf, dass mich von hundert neunzig scheiße finden.

Den Leuten nach dem Mund zu reden ist Nazi-Propaganda. Auf dieser Ebene will ich gar nicht arbeiten. Und ich kann es mir auch erlauben, denn ich bin nicht abhängig davon. Mir ist das scheißegal, ob die Leute meine Platte kaufen oder nicht, aber die, die sie kaufen, können was damit anfangen. Und dafür danke ich Allah im höchsten Maße! Dass meine Biografie so gelaufen ist, dafür bin ich wirklich dankbar. Ich bin nicht abhängig vom Geschmack der Leute. Wenn sie mich scheiße finden, finden sie mich scheiße. Aber ich schwör dir: die finden mich nur scheiße, weil ihre Freunde daneben stehen! Ich bin mir sicher: irgendeinen Punkt hab ich bei ihnen erwischt, denn ich hab sie geschockt, ich hab sie aus der Bahn geworfen. Nicht im Sinne von irgendwelchen krassen Aussagen, sondern dadurch, dass ich etwas getan habe, was sie so nicht erwartet haben.

Noch mal kurz zurück zur momentanen Entwicklung von Hip Hop in Deutschland. Siehst du diese Öffnung überhaupt, die alle Welt gerade feiert?

Ich muss sagen, ich kümmer mich selber wenig um neue Informationen. Mir ist das scheißegal. Ich geh aber davon aus, dass das allmächtige Tao mich lenkt und ich das, was gut für mich ist oder mich inspiriert, schon irgendwie mitkriege. Ich muss dem nicht hinterherlaufen. Die Dinge finden mich. Die aktuelle Entwicklung ist prinzipiell positiv zu bewerten, weil sie weg von diesem menschenverachtenden, aggressiven, diskriminierenden Hip Hop führt - wieder hin zu einer offenen Form. Das zeigt sich letztendlich dadurch, dass die jungen Hip Hop Gruppen, die jetzt Erfolg haben, wie Die Orsons, der Cro, der Casper und wen es sonst noch so alles gibt, in ihrer Musikauswahl viel breiter sind. Die kombinieren Hip Hop mit Pop und Gesang und nur so kann man erfolgreich sein. Auf die Weise wie Samy damals seinen großen Erfolg hatte: das war Rap pur! Mit gerappten Refrains und ein bisschen Reggaeeinflüssen ... So was läuft halt heute einfach nicht mehr. Wenn du heute Erfolg haben willst, musst du poppige Einflüsse einbringen. Und da muss man wissen, was man will. Will man als Musiker erfolgreich sein und davon leben oder halt nicht. Und deswegen nehme ich das auch keinem übel, wenn er sich von Pop beeinflussen lässt. Hip Hop ist jetzt weg von diesem Gangster-Ding und poppiger geworden. So im Fettes-Brot-Stil. Kann man sich drüber streiten, ob das jetzt überhaupt noch Hip Hop ist. Aber die Attitüde ist Hip Hop, die Herangehensweise.

Du hast mal gesagt, dass Hip Hop immer auch was Destruktives hat, weil er immer den Zeitgeist widerspiegelt und der ist nun mal destruktiv. Fällt da auch der Hedonismus drunter, den beispielsweise ein Cro transportiert? Ist der dann das destruktive Element oder ist das Ganze dann eigentlich schon nicht mehr Hip Hop, wie du ihn früher verstanden hast?

Also ich muss sagen: als ich damals durch Hip Hop sozialisiert wurde - und das ist jetzt über zwanzig Jahre her - war die Attitüde 'ne andere, die Haltung war 'ne andere. Hip Hop war: each one teach one, es war politisch, es war Wissen transportieren. Heute ist es eher ein Lebensgefühl transportieren. Was Cro macht, ist ein Produkt seiner Zeit. Er kann nichts dafür. Es kann nicht anders sein. Wir leben in einer Zeit von I-Phones und I-Pads und Infos und Freunden und yeah und geile Geräte! Deshalb kann man das gar nicht ver- und schon gar nicht be-urteilen. Die Dinge sind weder gut noch schlecht, wie Epiktet sagte, denn nur unsere Meinung von den Dingen kann gut oder schlecht sein. Das habe ich über meinen Job gelernt und auch durch meine langjährige Hip Hop-Erfahrung: mein Job ist es nicht, zu urteilen. Ich kann höchstens be-urteilen und das auch nur, was meinen Geschmack anbelangt. Natürlich finde ich schon, dass diese poppige Art von Hip Hop, wo man nicht wirklich irgendetwas aussagt, sondern nur ein Lebensgefühl transportiert, sehr seicht ist. Uninteressant. Aber das ist halt mein Gefühl. Wenn da jetzt so ein Sechzehnjähriger genau fühlt, was der Cro sagt: vielleicht macht er was Gutes draus. Die Hälfte wird was Gutes draus machen, die andere Hälfte wird gar nichts draus machen. Die eine Hälfte inspiriert das, die andere nicht. Deswegen kann ich es nicht beurteilen, ich würde es nur so nicht machen. Aber das liegt an mir und nicht an ihm.

Du hast ja schon auch zu denen gehört, die die Entwicklung um Aggro und den ganzen Streetrap damals sehr kritisch beäugt haben - insbesondere in Bezug auf die Battlekomponente.

Das mag ich halt nicht!

Gibt es denn deiner Meinung nach überhaupt noch Battle im deutschen Hip Hop, von dem du sagst, dass er zur Weiterentwicklung beiträgt und nicht nur reiner Schwanzvergleich ist?

Nein nein! Letztendlich ist ein Battle, im Sinne einer Schlacht, ein Machtvergleich - symbolisch gesehen also Schwanzvergleich, wie du sagst. Ich bin halt der geilere Typ und ich zeig dir, wo's lang geht. Ich bin ja eher der Verfechter der Competition, der inspirierenden Konkurrenz. Es geht nicht darum, dass der eine Rapper besser ist und mich damit beleidigt, sondern er ist besser und stachelt mich damit an, selber besser zu werden. Dieses Konkurrenzprinzip halte ich für äußerst fruchtbar im Hip Hop. Wenn es aber dann irgendwann darum geht, nicht an seinen eigenen Fähigkeiten zu arbeiten, sondern nur die Liebe des Publikums zu ergattern, dann ist es erbärmlich. Das sind Leute, die sich selber nicht lieben und daher die Liebe von anderen brauchen. Der, der sich selber liebt, bedarf nicht der Liebe in Form von gestreichelter Eitelkeit, sondern nur der ehrlichen Liebe anderer.

Du hattest früher ja den Ruf neben MC Rene zu den besten Freestylern Deutschlands zu gehören ...

Und Spax! Und Samy!

... gibt es da jemanden, denn du auf diesem Gebiet im Moment für herausragend hältst?

Jetzt freestylt ja keiner mehr. Bleib ja nur noch ich! (Lacht.) Roger Reckless. Der kommt auf die Bühne, rappt drauf los und irgendwo zwischendrin kommt auf einmal 'n Lacher, 'ne Pointe. Beim Freestyle geht es nicht darum, die kompliziertesten Reime zu machen, das ist eher für einen selber. Aber für das Publikum ist es wichtig, die Pointen zu bringen. Das ist das, was Freestyle am Ende ausmacht. Freestyle ist nur dann cool, wenn du es am Ende auf den Punkt gebracht hast. Ich freestyle oft genug um den heißen Brei rum und komm nicht auf den Punkt. Ich find's scheiße und das Publikum findet's cool, weil sie's anders rezipieren als ich. Aber Roger Reckless ist für mich ein Typ, der kommt raus und bringt es irgendwie immer auf die Reihe, die Leute auf seine Seite zu bringen - durch 'n Lacher, durch 'n coolen Reim, durch Reime, die quasi so konsequent in sich sind und so natürlich daher geflossen kommen, dass es dann Weisheiten sind.

Und für mich die Top-Freestyler in Deutschland sind für mich sowieso die Blumentopf-Jungs. Das ist der Wahnsinn! Und ich kenn die wirklich schon sehr lange. Wenn ich die nicht kennen würde, wäre ich viel uninspirierter als ich es heut bin. Der Wunder, der Schuster, auch der Cajus und Roger (also der Blumentopf-Roger) - die kommen an und bringen immer wieder so Freestyle-Dinger, wo ich halt nie drauf kommen würde! Alles, was für mich vorhersehbar ist, finde ich langweilig. Alles, was unvorhersehbar ist, kickt mich. Das ist das, was ich mir gemerkt habe, wenn ich nach Hause gehe. Daher: Roger Reckless ist von den Leuten, die jünger sind als ich, der Beste. Von den Leuten aus meiner Altersstufe sind es Blumentopf und Samy. Mit Samy bin ich leider schon lange nicht mehr aufgetreten.

Wolltet ihr nicht sogar noch mal 'ne Freestyle-Tour zusammen machen?

Ja, aber wir sind alle beschäftigt. Ich kann nicht zwei Wochen auf Tour gehen. Das geht einfach nicht.

Und noch mal 'n Album in die Richtung?

Nee. Das hatte sich damals so ergeben. Wir hatten damals nur Freestyles, also haben wir ein Freestyle-Album gemacht.

Glam kommt aus dem Off und setzt sich noch dazu.

Es gibt viele Leute, die mich inspirieren und von denen ich immer wieder beglückt bin. Ich war im Dezember 2011 auf einem Samy Deluxe-Konzert in der Muffathalle: es war der Wahnsinn. Der Typ hat's halt einfach drauf. Der verblüfft mich jedes Mal wieder aufs Neue. Er hat es einfach raus, was zu machen, was ich vorher so noch nicht gekannt habe.

Was sagst du denn dann zu dem Herr Sorge-Projekt, das er gerade macht?

Glam: Das kennt der David gar nicht.

David Pe: Das kenn ich nicht.

"Hip Hop ist meine Schablone, in der ich die Welt sehe."


München hat ja eigentlich von Beginn an immer gute Leute am Start gehabt. Warum, denkt ihr, war und ist München Hip-Hop-Landkarten-technisch trotzdem in der öffentlichen Wahrnehmung so unauffällig?

Ich denke, das liegt daran, dass München als Hauptstadt von Bayern in Restdeutschland so einen gewissen Status im Sinne von Vorurteilen hat. Wir sind recht früh rumgekommen. Wir sind 1992 das erste Mal außerhalb von München in Karlsruhe aufgetreten und seitdem immer wieder. Und jedes Mal, wenn wir wohin kommen, heißt es: "Wie is das so in Bayern? Da geht doch nich richtig was, oder?" Polizeistaat! Was mit Sicherheit auch so ist. Aber dadurch, dass Bayern ja das Kosovo von Deutschland ist, haben die Leute halt gewisse Vorurteile dagegen. Und natürlich kann München nie so cool sein wie Berlin oder Hamburg, Ghetto und hin und her, sondern: München, das sind doch eh nur alles verwöhnte Söhnchen - was wollen die uns denn erzählen? ABER: wir sind halt süffisant! Und wir haben den Esprit, den andere nicht haben! Ganz einfach. Und das ist das, was uns ausmacht. Und mir ist es scheißegal, ob irgendwelche Typen in Berlin Wedding das jetzt cool finden oder nicht. Einer findet's immer cool und die restlichen zehn finden's halt scheiße. Das ist das Standing von München.

Zu dieser Zeit, als dieses Städte-Ding aufkam von wegen: 'Yeah, wir sind alle Stuttgart!', 'Und wir sind alle Hamburg!', und irgendwann auch: 'Wir sind alle Berlin!', haben wir das so nie vermarktet. Aber: Ali von Square One, die dann zehn Jahre nach uns auch deutschlandweit und in Österreich und der Schweiz unterwegs waren, hat damals erzählt, dass jeder nach Main Concept gefragt hat - und zwar auch im Sinne von: 'Ey, die kommen doch auch aus München!' Oder du hast auch Blumentopf. Wir sind nie so eine Einheit gewesen im Sinne von: 'Yeah, jetzt kommen die Münchner!', sondern es gab eben die eine Gruppe aus München und die andere Gruppe aus München. Die Hamburger kamen damals halt als Einheit daher und dann waren das alles berühmte Leute: der Sam und der Eisfeld und der Dendemann und der Ferris usw. Aber - jetzt mal unter uns - auch die Zeiten sind vorbei. Das gibt es nicht mehr. Wir haben das nie so vermarktet, weil es sich einfach nicht so ergeben hat. Wir Münchner sind Bohemians! Uns geht es um die Kunst und nicht um die Vermarktung.

Gelächter.

Deshalb München? Oder warum kam für euch nie eine andere Stadt als Lebensmittelpunkt in Frage?

Ich war in wirklich jeder einzelnen Stadt in Deutschland, in jeder Groß- und fast jeder Kleinstadt, und es gibt für mich keine einzige Stadt, in der ich leben möchte außer München. Ich fühl mich hier zuhause, ich hasse und mag aber auch dieses Bayrische, diese Arroganz, dieses Münchner-Elitäre, was die Hamburger allerdings auch haben.

Zustimmung von Glam

Anders aber.

Auf 'ne andere Art und Weise, ja. Wenn's um Arroganz geht macht uns keiner was vor, denn wir sind die Münchner! Und wem's nicht gefällt: Auf Wiedersehen! Ich leb gerne hier. Das Wetter ist gut, die Stadt ist schön, ich hab 'ne gute Lebensqualität. Die einzige Stadt, die für mich in Frage käme, falls ich doch mal umziehen müsste, wäre Hamburg. Aber was mich daran hindert, ist das Wetter. Da regnet's die ganze Zeit! Das langweilt mich. München im Sommer: da fährst du abends um eins mim Fahrrad nach Hause, es ist noch warm, du bist im T-Shirt, du bist an der Isar, gehst grillen, machst was mit den Kindern draußen - es ist so cool einfach! Das möchte ich nich tauschen. Berlin ist von mir aus hip und es ist geil und da kennt man den und den, aber ich war schon so oft in Berlin, trete dort gerne auf, aber bin auch froh, wenn ich wieder nach Hause kann. Ach! Und ich mag die Münchner Sprache, die Wiesn, die Biergärten! Das ist einfach mein Ding! Ich sag immer: wenn ich umziehen muss, dann zieh ich in ein anderes Land, nämlich nach Südfrankreich.

Warum?

Weil das mein Lebensstil ist. Ich bin ein mediterraner Typ! Meine Eltern sind damals beide aus Serbien hier her gezogen. Das liegt zwar nicht am Meer, aber ich bin hier fehl am Platz. Ich bin ein mediterraner Mensch. Ich brauch 'n Olivenbaum, ich brauch Meer! Da ich das aber nicht leben kann, lebe ich in München. Und ehrlich gesagt war's auch hiphopmäßig für uns gut, hier in München zu sein. Hier hatten wir nicht diese Konkurrenz und dieses Aggressive. Das liegt mir einfach nicht. Ich bin ein Gewalt verabscheuender Mensch.

Glam nickt: Wir konnten hier was Eigenes machen.

David Pe: Ja, wir konnten was Eigenes finden. Das war hier auch nicht einfach. Damals, als wir angefangen haben, war ich einer der ersten, die hier auf Deutsch gerappt haben. Die haben mich ausgepfiffen und ausgebuht! Aber nichtsdestotrotz haben wir es geschafft, uns hier zu situieren. Das Schicksal hat es gut mit uns gemeint und dafür sind wir dankbar.

Hat Hip Hop denn für euch immer noch denselben Stellenwert wie früher?

Hip Hop ist meine Schablone, in der ich die Welt sehe. Was ich durch Hip Hop gelernt habe, sind zwei Grundprinzipien: es geht nicht darum, wer du bist, woher du kommst und was deine Hintergründe sind, sondern nur darum, was du machst. Wenn du gut rappen kannst, kannst du gut rappen, wenn du coole Beats machen kannst, machst du coole Beats usw. Im Hip Hop zählt die Leistung, dein Talent und dein Können. Das ist die Quintessenz von Hip Hop: It's not where you're from, it's where you act. Und dann kam plötzlich die Zeit, in der es wichtig war, einen Gefängnis- oder Ghettohintergrund zu haben, aber das ist nicht die Essenz von Hip Hop, das ist Masche. Darum geht es nicht. Es geht darum, was du kannst und was du machst. Deshalb ist Hip Hop ein ideales Lebenskonzept.

Du musst dir immer Mühe geben, gut zu sein, dich zu verbessern und dich weiterzuentwickeln und letztendlich mit dem zu überzeugen, was du machst und nicht mit dem, was du bist. Deshalb waren das damals, als es losging - früher hat man gesagt: "Ausländer", heute sind es "die Leute mit Migrationshintergrund". Es war egal, ob du ein Türke bist oder ein Jugo oder sonst was. Wenn du's draufgehabt hast - sprühen, rappen, breaken, auflegen - war es egal, was du bist, ein Reicher oder ein Armer. Das, was du gemacht hast, hat gezählt.

Irgendwann hat leider die Maskerade überhand genommen und das ist aber halt auch das, was sich verkauft. Hip Hop ist nicht so erfolgreich geworden, weil Rap so cool ist, sondern weil die Lebensgeschichten dahinter erfolgreich sind. Uhhh: Drogendealer, zerrüttete Kindheit und trotzdem zu was gebracht! Vorallem halt in den USA und das hat dann hier rüber geschwappt. In den letzten sieben bis zehn Jahren, war es nicht wichtig, wie du gerappt hast, sondern dein Background und deine Biographie waren interessant. Das ist für den Arsch. Das ist ja total uninteressant. Das ist Masche, Maskerade, das sind Konditionierungen. Das, was du machst, ist das, was relevant ist. DAS ist die Quintessenz von Hip Hop und DESWEGEN ist Hip Hop cool.

Glam, möchtest du dazu auch noch was sagen?

Glam: Wenn ich irgendwo anders hinziehen müsste, wäre es glaub ich Köln, weil ich die Leute da irgendwie mag. Das ist 'ne sehr weltoffene Stadt ...

(Gelächter.)

Laut eurer Homepage ist für dieses Jahr noch ein Album geplant?

David Pe: Jaaaaa! Naja ... Wir arbeiten dran. Wir haben Tracks fertig, aber es sind wenige und es ist noch nicht so weit, dass wir schon ein Album rausbringen könnten. Ich muss zur Verteidigung meiner beiden Bandkollegen sagen, dass ich der einzig limitierende Faktor in dieser Albumgeschichte bin.

(Glam lacht.)

Der Markus (Glam) hat genug Beats, der DJ is sowieso always ready, nur ich hab halt die Texte nich. Ich bin einfach keine fünfzehn Jahre mehr alt. Ich bin damals von der Schule gekommen und hab "Coole Scheiße" in zehn Minuten runtergeschrieben. Das kann ich heute nicht mehr. Ich hab vieles schon gesagt, ich will mich nicht wiederholen und weiß: Worte sind Pfeile mit Widerhaken. Alles, was gesagt ist, hat Wirkung. Früher hab ich viel intuitiver getextet. Jetzt überleg ich mir sehr genau, was ich sagt, überleg mir: 'Hab ich das so schon gesagt?', 'Kann man das so überhaupt sagen?' Dadurch ist die Schreiberei für mich viel schwieriger geworden. Freestylen kann ich immer - das ist Sport, das ist ein netter Zeitvertreib und gut fürs Ego. Aber die geschriebenen Texte, das sind die Texte, die zählen.

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