7. September 2009

"Andy wird dir alle Clubs zeigen!"

Interview geführt von

Seit der Jahrtausendwende zeigt Kanada, was es außer der Nordhälfte der Niagara-Fälle vorweisen kann. Elektronisch nämlich eine ganze Menge.Ganz vorne dabei sind MSTRKRFT mit Al-P alias Al Puodziukas und JFK alias Jesse Frederick Keeler aus Toronto. Mit ihrem nun erscheinenden zweiten Album "Fist Of God" stehen die beiden solide im internationalen Rave-Business da und touren um den Planeten. In Berlin kriegen wir Al-P für ein kurzes Gespräch über das Touren, Studioarbeiten, Hip Hop und Kanada ans Telefon.

Hallo Al, wie geht's?

Ganz gut, danke.

Ihr habt das Wochenende in Österreich gespielt, seid morgen in Ibizas Eden und heute nur zur Promotion in Berlin?

Genau.

Bist du alleine hier oder was treibt JFK?

Er gibt gerade parallel ein anderes Interview.

Ach so. Ihr tourt gerade durch Europa. Sieht man sich den DJ-Kalender von MSTRKRFT an, so habt ihr ständig ein ausgebuchtes Programm. Seit "Fist Of God" hat sich das nochmals verstärkt. Könnt ihr euch am Touren überhaupt noch erfreuen?

Hmm. Ich muss sagen wir sind in der Hinsicht sehr professionell geworden. Wir sehen Touren eben nicht mehr als Reisen an, wie sich das viele vorstellen, sondern eben als Teil des Jobs. Wir sind jetzt schon eine ganze Weile im Business, da lernt man richtig damit umzugehen. Gleichzeitig werden die Strapazen eben auch regelmäßig belohnt. Wenn man in einer Location spielt, wo gerade 10.000 Leute ausflippen, und das wegen dir, dann ist das immer ein magischer Moment. Wir lieben wirklich jeden Auftritt und sind stolz, diese Magie zu wecken und erleben zu dürfen. Insgesamt muss ich aber auch sagen, dass das Touren wirklich müde macht. Es ist auch so, dass ich nach zwei oder drei Tagen mein Studio vermisse. Dort Zeit zu verbringen, Sound zu machen, meine Lieblingslieder hören usw. Ich vermisse es einfach schnell.

Wann siehst du es denn wieder?

In sieben Tagen sind wir wieder zuhause.

Gibt es einen Lieblingsort auf der Welt, den ihr empfehlen könnt bzw. auf den ihr euch immer freut?

Das ist eine schwierige Frage. Das kann man so nicht sagen, weil wirklich immer etwas anders ist. Manchmal ist die Crowd perfekt, manchmal der Sound im Club, manchmal der Club selbst. Es ist schwer sich für einen Ort zu entscheiden. Wenn ich mich jetzt aber für einen entscheiden muss, wäre meine Antwort wohl Lux in Lissabon. Wir haben immer eine gute Zeit dort. Da stimmt wirklich alles. Das ist immer ein Garant. Der Club ist super, die Anlage fantastisch, als DJ hat man guten Sound hinterm Pult, die Partys sind immer super. Er ist einer unserer Favoriten. Ihn als Liebling zu benennen, wäre allerdings unfair gegenüber den anderen tollen Orten, an denen wir auch spielen.

Wie spielt ihr denn? DJ-Sets oder auch live?

Wir spielen ausschließlich als DJs. Wir könnten das alles auch live machen, aber es passt nicht zu uns. Wie wir feiern passt einfach besser in ein DJ Set. So können wir auch andere gute Sachen spielen, die nicht von uns sind. Außerdem produzieren wir unsere Tracks schon so, dass man live nichts mehr anders machen sollte. Sie sind vom Aufbau und der Dramaturgie fertig, wir wollen da live gar nicht mehr dran rumfeilen. Es wäre möglich, alles live zu machen, sogar als Band, schließlich beherrschen wir beide alle nötigen Instrumente dazu, aber wir fühlen uns hinter dem Plattenteller einfach wohler. Es fühlt sich einfach besser an, aufzulegen.

"Alles eine Frage des Mixing!"


Was machen MSTRKRFT, wenn sie nicht im Studio oder auf Tour sind?

(Lacht) Ganz ehrlich: Ausruhen. Obwohl das auch immer schwieriger wird. Ich habe jetzt schon über ein halbes Jahr keinen einzigen freien Tag mehr gehabt. Das einzige was in die Richtung kam, war die Hochzeit meiner Schwester, für die ich mir extra frei nehmen musste.

Klingt aber auch nach einer Art Arbeit

Ja, eben. Es war schön, aber familiäre Pflichten und Entspannung haben nicht viel gemeinsam. Wir werden wohl nach der Tour ein paar Tage frei nehmen, da wir schon wieder ein neues Album planen und daher in den kommenden Monaten wohl nicht allzu viel Freizeit in Sicht ist.

Ok, habt ihr schon so viel neues Material?

Eigentlich noch gar nichts (lacht). Aber wir wollen das in Angriff nehmen und dafür im Herbst viel Zeit im Studio verbringen. Die Vorbereitungen des Labels dauern ab fertigem Album mindestens sechs Monate, daher sollten wir im Winter fertig werden, dass wir nächstes Jahr ein weiteres Album nachlegen können. Es ist etwas frustrierend für uns, dass es so lange dauert, aber so ist es leider.

In Deutschland wurde das "Fist Of God" Album immer noch nicht veröffentlicht. Es scheint wie eine Ewigkeit, weil die Tracks bereits seit mehr als einem halben Jahr gespielt werden.

Ganz genau. Das ist leider die Zeitspanne für die Arbeit des Labels. Wir hatten alle Tracks bereits September 2008 fertig gemastered. Jetzt erscheint das Album. Also kann man immer von einem gesamten Jahr ausgehen, bis ein Album schließlich erscheint. Es dauert wirklich lange, aber so ist es nun mal.

Könnt ihr die Tracks auf der Promo-Tour dann überhaupt noch hören? Die Leute wollen sie schließlich hören, aber für euch sind sie schon alt.

Ja, klar, wir spielen ja auch noch Songs aus unserem ersten Album. Das ist das Schöne am Auflegen. Man kann immer mit Tracks, egal wie alt sie sind, ein freshes Set zaubern. Alles eine Frage des Mixing und Aufbaus.

In den letzten Jahren hat Kanada unglaublichen Output an freshem, innovativen Sound. Neben euch eroberten Tiga, Chromeo, A-Trak oder Chrystal Castles die Welt. War dieser Output schon immer da, und die Welt hat es nicht bemerkt, oder hat sich da in den letzten Jahren etwas Besonderes getan?

Ganz genau. Es stimmt schon, dass vor allem in den letzten Jahren etwas Besonderes passiert ist und ein Drang nach neuem Output da war, besonders von den Künstlern, die du eben genannt hast. Als wir anfingen, fühlten wir uns wie die nordamerikanischen Botschafter dieses neuen, harten Elektro-Sounds, also so ca. 2005-06.

Zur Zeit von dem "The Look"-Album

Ja, zu der Zeit als wir dieses Zeug spielten ... weißt du ... ich denke in vielerlei Hinsicht haben wir damit besonders vielen jungen Typen den Weg geöffnet. Ein Künstler, den du nicht genannt hast, ist Felix Cartal aus Vancouver, ein großartiges, neues, junges Talent. Er hat jetzt sogar ein eigenes Album herausgebracht, das in den Staaten wohl bald erscheint.

Auch auf Dim Mak?

Ja, es kommt auf Dim Mak raus. Da wir gerade von Dim Mak sprechen. Dim Mak hat in den letzten Jahren viele elektronische Künstler gesigned und viel mit elektronischen Künstlern gearbeitet. Eigentlich waren sie hauptsächlich auf Indie und Punk fokussiert. Sie spürten, wie viele andere, dass sich der Indie Sound auch ganz gut in die Clubs tragen lässt. Von der Konzertbühne in die Nachtclubs. Momentan passiert wirklich einiges in Nordamerika.

War es daher euer Anliegen, ein eher lokales Label zu wählen?

Ich denke, dort sind gute Künstler, und Dim Mak macht eine hervorragende Arbeit in dem Sound, den wir machen. Sie sind einfach bemüht neue, gute Künstler zu fördern und zu präsentieren.

"Wir bekamen wirklich viele Absagen!"


Ihr habt ganz schön viele Hip Hop-Features auf dem neuen Album. Besitzt ihr beide Hip Hop Einflüsse oder musste sich einer durchsetzen?

Also Jessy war schon immer im Hip Hop und bleibt es wahrscheinlich auch für immer. Ich habe eine Zeitlang in New York gearbeitet, also mit ein paar Hip Hop-Künstlern an deren Alben.

Es heißt ja, du seist der Studio-Zauberer des Hip Hop

(Lacht) Das ist eine witzige Geschichte, die mir da passiert ist, weil ich in New York als Toningenieur gearbeitet habe. Alles was ich je wollte, war als Toningenieur zu arbeiten. Zu der Zeit war es aber so, dass die einzigen großen Studios, die Geld und Arbeit hatten, Studios waren, die eben Hip Hop machten. Ich mag Hip Hop, aber für mich war das Umfeld dann irgendwann zu hektisch und die Arbeit nicht mehr ganz das, was ich wollte. In New York zu leben, bedeutet auch eine Menge Stress. Also, war es mir nach einer gewissen Zeit genug, dass ich wieder nach Toronto gezogen bin. So bin ich da reingerutscht

Seit wann konntest du dann von der eigenen Musik leben?

Hmm, das war dann auch ungefähr zum Zeitpunkt von meinem Umzug zurück nach Toronto. Dort habe ich mit Jessy zusammengearbeitet. Ich habe Death From Above 1979 produziert. Nach deren Auflösung konnte ich ab unserem ersten gemeinsamen Album dann bald vom eigenen Output leben.

War es schwer, für "Fist Of God" Hip Hop-MCs zu gewinnen?

Oh ja. Es war sehr schwer und wir bekamen wirklich viele Absagen. Wir haben viele Künstler gefragt, die hatten aber keine Lust darauf. Es war sehr kompliziert, ihnen zu erklären was wir genau machen wollten. Es gab kaum Leute, die zuvor Rapper auf harten Elektro setzten. Wir waren da schon weiter vorne dabei. Unsere Beschreibung, von dem was wir vorhatten, hat dann viele nicht wirklich begeistert. N.O.R.E. von Capone & Noreaga war sofort dabei, als wir ihm den Beat zeigten. Er hat für "Bounce" sämtliche Lyrics geschrieben, sogar inklusive der weiblichen Vocal-Parts, die wir dann übernahmen und gern für ihn arrangierten. Seit diesem Track ist vieles einfacher. Er ist eine Art Renommee, das uns viele Türen öffnete. Seitdem ist es einfacher, große MCs zu überzeugen oder zu gewinnen.

Stimmt es eigentlich, dass du mit einem defekten Prophet 600 Synthesizer arbeitest und dieser für den typischen MSTRKRFT-Sound mitverantwortlich ist?

Ja, stimmt, das Ding ist super. Das macht immer etwas Eigenwilliges und Überraschendes (lacht). Man weiß nie genau, was herauskommt, wenn man an ihm rumschraubt, aber die zufälligen Ergebnisse sind auf jeden Fall cool. Momentan arbeiten wir nicht mehr so viel mit ihm, ich muss ihn reparieren lassen, dass er wieder mehr zum Einsatz kommen kann. Auf jeden Fall ein Gerät, dass ich nicht missen will.

Auf eurer Myspace Seite steht in der Kontaktliste unter Management und Booking die Info: "Für eine gute Zeit in Toronto: andy@mstrkrft". Was genau passiert, wenn ich Andy kontaktiere?

(Lacht) Andy ist ein guter Freund von uns. Er liebt es, rumzuhängen, was trinken zu gehen und zu feiern. Er wird dir wortwörtlich die Stadt zeigen, wenn du dich bei ihm meldest.

Auch mir? Oder kommt er nur zu Mädels?

Ja, er kommt und zeigt dir die Stadt. Es ist ihm wirklich egal, wem er sie tatsächlich zeigt, ihm macht das Spaß und er ist ein super Typ. Also, er hat immer viel Spaß dabei und liebt Toronto. Er wird dir alle guten Spots zeigen, von Bars bis Clubs, alles was in Toronto gut ist.

Ok, dann melde ich mich bei Andy, sollte ich bald mal in Toronto sein. Vielen Dank für das Gespräch!

Kein Problem, Danke auch.

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