laut.de-Kritik

Statussymbole zählen mit dem Ex-Bushido-Zögling.

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Was für ein Gefühl muss das wohl sein, wenn der Rap-Traum genauso schnell vorbei ist, wie er begonnen hat. Erst war M.O.030 noch Bushidos neuester heißer Scheiß, inklusive Feature auf "Black Friday", und schon drei Monate später lässt Bubu ihn fallen wie eine heiße Kartoffel.

2017 war das. Kaum zwei Jahre später hat sich M.O.030 erholt und haut mit "Mozone" sein erstes Album in Eigenregie raus. Trap iz da, Autotune auch und den Statussymbolen wird hinterhergejagt wie Rüden einer läufigen Hündin. Deutschrap-Alltag eben. Die Beats auf "Mozone" fallen nicht unbedingt durch Komplexität auf, es regiert ausschließlich Trap, mal mit etwas dunkleren, sphärischen Momenten, mal mit angesagtem tropischen Flair. Allesamt so hörbar wie austauschbar. Kaum ein Tune bleibt wirklich im Ohr.

Ähnlich dünn sieht es auf textlicher Ebene aus. M.O.030 bedient die klassischen Themen des Träumers, der auf der Straße im Block aufgewachsen ist. So beginnt bereits der Opener "Heile Welt" mit der Abgrenzung von allen anderen im Game: "Ich will mit euch nichts zu tun haben, deswegen nenn ich das nicht Deutschrap". "Haze-Rap" soll es dann eigentlich sein, ganz im Stile der Vorbilder von Drake oder A$ap Rocky. So richtigen Haze-Rap macht M.O.030 dann aber nicht. Wo etwa der Plusmacher aufs Ganze geht und dem Hörer nicht nur verschiedene Vertriebswege, sondern gleich noch einen Konsumierungskurs für Fortgeschrittene um die Ohren haut, ergattern die tatsächlichen Blüten hier maximal eine Komparsenrolle.

Viel stärker scheint das Interesse an den Papier-Blüten, die gegen Autos, Alkohol und sonstigen materiellen Besitz eingetauscht werden. So zum Beispiel in "Alles Was Ich Will": Die Bescheidenheit, die der Titel suggeriert, gleicht eher einer Wunschliste für den Weihnachtsmann: "Alles was ich will ist Mama lachen sehen / Alles was ich will ist ein S-Coupé, ja als AMG / Alles was ich will ist mit dreißig, Dicka, in Rente geh'n." Eigentlich will uns M.O.030 sagen, dass er all diese Statussymbole bereits erreicht habe. Klassischer Lifestyle-Trap eben.

Allerdings verkauft er seine Figur nicht hundertprozentig glaubwürdig. Haben die 187ers zum Beispiel das Marken-Namedropping perfektioniert, sind die Konsumgüter bei dem Berliner noch eher allgemein gehalten: "Mein Leben wie ein Film bei Star Trek / Trage deinen Jahreslohn in mei'm Jacket / Hab Schampus und Haze im Privatjet / Trinke aus der Flasche und schmeiß das Glas weg / kaufe mir ein' Pelz, auch wenn mir noch nicht kalt ist."

Das Namedropping übernimmt Feature-Gast Fler. Etwas behäbig stolpert Mr. Maskulin über den Beat und lästert gegen Capital Bra. Seinen gesamten Part widmet Fler dem Bratan, der zugegebenermaßen den Autotune-Flow besser drauf hat. Auch die anderen Featuregäste sind keine unbedingte Bereicherung. MoTrip krächzt dasselbe wie immer, Jalil und Micel O wirken zwar lässig, gehen aber auch eher am Hörer vorüber.

Etwas schräg wirkt Olexeshs Part auf "Ich Hab Geträumt": "Ich hab gedacht ich hätt 'n dicken Benz vorm Block / Ich hab geträumt mein Mantel lebt und der Fuchs ist doch nicht tot / Ich hab gedacht, dass Tiere eigentlich gar nicht sprechen könn' / Ich hab geträumt ein Papagei redet mit mir Französisch." Wow.

"Mozone" ist hörbar, beeindruckt aber weder textlich noch soundtechnisch. Dazu kommt, dass die Songs teilweise sehr unsauber ausproduziert sind und eher nach Smartphone-Aufnahme als nach fetter Studiozeit klingen. Etwas mehr Leidenschaft wäre beim nächsten Mal schon wünschenswert.

Trackliste

  1. 1. Heile Welt
  2. 2. Alles Was Ich Will
  3. 3. Ich Hab Geträumt (Feat. Olexesh)
  4. 4. Kein Limit
  5. 5. Die Eine (Feat. MoTrip)
  6. 6. Liga (Feat. Jalil)
  7. 7. Energie (Feat. Fler)
  8. 8. Mamacita
  9. 9. Engel (Feat. Nico Nuevo, Micel O)
  10. 10. Siedlung
  11. 11. Pech Und Schwefel
  12. 12. Seemann

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4 Kommentare

  • Vor 7 Monaten

    "Ich hab gedacht ich hätt 'n dicken Benz vorm Block / Ich hab geträumt mein Mantel lebt und der Fuchs ist doch nicht tot / Ich hab gedacht, dass Tiere eigentlich gar nicht sprechen könn' / Ich hab geträumt ein Papagei redet mit mir Französisch."

    OL lässt sich die Texte schreiben von den Wortvorschlägen seiner Smartphone-Tastatur.

  • Vor 7 Monaten

    glaube nicht das bubu ihn hat "fallen lassen". denke mal hinter den kulissen war es schon lange am gären und ein mo war dann halt der erste mehr oder weniger freiwillig verduften konnte...soll doch froh sein das seine rechte nicht auch noch auf abc übergegangen sind. musikalisch ist das album okay, aber wenn man so einen sound mag gibts halt besseres. mb4 review wäre ebenfalls sinnvoller gewesen

  • Vor 7 Monaten

    Cover wack, Titel ultrawack. Typ hat mäßig Potential, für ein okayes Album könnte es denke ich reichen. Aber nur mit kompetentem Umfeld, das auch in ihn investiert.

  • Vor 7 Monaten

    Fler-Part ist gut, der Rest interessiert mich nicht.