laut.de-Kritik

Der Riverside-Chef agiert mutlos im Eindimensionalen.

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Mariusz Duda verdient seinen Platz in der Prog-Elite zweifellos. Mit seiner Band Riverside schuf er essenzielle Werke des modernen Progressive Rock, sein Soloprojekt Lunatic Soul schätzen einige sogar noch mehr. Dass aber auch Großmeister nicht unfehlbar sind, beweist der Pole mit "Under The Fragmented Sky". Seine kompositorische Qualität kommt zwar in Ansätzen durch, trotzdem ist das Album vor allem ein Fest der Langeweile.

In erster Linie liegt das daran, dass Duda zwar gewohnt gute Patterns auftischt, aber diesmal versäumt, Songs daraus zu schmieden. "Under The Fragmented Sky" ist im Grunde nur eine aufgebauschte Ideensammlung, die Tracks kaum mehr als ausproduzierte Skizzen. "He av en" zum Beispiel kreist um ein zentrales Loop, auf dem Duda wie ein mit Bauklötzchen spielendes (begabtes) Kind aufbaut. Ein neues Element dorthin, eins dorthin, das dort drüben nehmen wir wieder weg... Vier Minuten lang wartet man auf eine echte Klimax, dann endet das Stück ohne eine solche.

Im nachfolgenden "Trials" wechselt Duda immerhin im letzten Part das Thema, agiert aber sonst ebenfalls überraschungsarm, alles fügt sich reibungslos unspektakulär aneinander. Einzig der folkige Titeltrack reißt ein kleines Loch in den sonst von behäbiger Elektronik geprägten Einheitsbrei und weist gewisse dynamische Steigerung auf. Die überflüssig und scheinbar ohne musikalischen Zusammenhang angeklebte Reprise zum "He av en" reißt den Track aber ratzfatz wieder in den Unterdurchschnitt.

Das Schlimmste an "Under The Fragmented Sky" ist, dass es wirklich nicht mehr als das zu sagen gibt. Duda macht diesmal den Fehler, gar nicht erst zu versuchen, mehr zu erzielen.

Eine große Angst beim Songwriting ist, dass Strahlkraft eines Songelements abnimmt, weil nachträglich geschriebene Teile im Vergleich qualitativ abfallen. Um seine Gebilde nur ja nicht zu zerstören, scheut Duda Experimente und versinkt in Eintönigkeit. Es gibt hier nichts zu entdecken, alles ist Oberfläche. Mehr Durchläufe untermalen nur, wie müde, eindimensional das sechste Lunatic Soul-Album ausfällt. Der Bassgroove von "Shadows" und das filigrane Cluster "Rinsing The Night" können noch so stark sein, ohne hinreichenden Kontext schaffen auch sehr gute Fragmente keine Spannung – erst recht nicht minutenlang ausgewalzt.

Hoffen wir, dass die kreative Brache Dudas nicht bis zum für die zweite Jahreshälfte angekündigte neue Riverside-Album "Waste7and" anhält.

Trackliste

  1. 1. He av en
  2. 2. Trials
  3. 3. Sorrow
  4. 4. Under The Fragmented Sky
  5. 5. Shadows
  6. 6. Rinsing The Night
  7. 7. The Art Of Repairing
  8. 8. Untamed

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LAUT.DE-PORTRÄT Lunatic Soul

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3 Kommentare

  • Vor 7 Tagen

    Kann des Bergers Kritik schon irgendwo nachvollziehen, ist nicht so gut durchkomponiert wie gewohnt. Mein subjektiver Eindruck ist allerdings überhaupt nicht so. Ich mag auch die Collagen-artigen Sachen von Duda - das zweite Lunatic Soul Album war doch ähnlich, hatte insgesamt sogar noch weniger Struktur und war trotzdem geil. Und ist das Album hier nicht sogar nur quasi als additiver, zweiter Teil von "Fractured" zu sehen? Ich meine, das hatte ich auf seinem Facebookaccount mal gelesen... Find die Songs auch trotzdem cool, sowohl aktiv gehört, als auch nebenbei zum lesen. Nicht so gut wie das sonstige Niveau, aber für Zusatzsongs zu Fractured trotzdem sehr angenehm. 4/5

  • Vor 7 Tagen

    Ich finde es ziemlich gelungen, ne 4/5 würde ich auf jeden Fall geben. Ich finde dass das ALbum etwas 'back-to-the-roots' ist und als als Beiwerk zu 'Fractured' sehr gut funktioniert.

  • Vor 6 Tagen

    Besser als befürchtet. Von mir ne 3/5