laut.de-Kritik

Experimentelle Popmusik für gute Nerven oder besondere Stimmungen.

Review von

Viel Licht, aber auch eine Menge Schatten liefern Lunascape mit den zwölf Stücken ihres Debutalbums ab. Die Extreme zwischen faszinierenden Verschmelzungen verschiedener Musikstile auf der einen, und aufwühlend-schaurigen Nervensägen auf der anderen Seite liegen dabei sehr nahe beieinander. Augenblicke inspirierenden Lauschens wechseln sich schlagartig ab mit Momenten uneingeschränkter Gemütsattacken.

Wer auf experimentelle Popmusik steht, wird in "Reflecting Seyelence" ein reizvolles neoexpressionistisches Musikwerk finden. Jede Sequenz ist bis in den letzten Winkel hinein durchkonzipiert und sitzt an der ihr schicksalhaft zugefallenen Stelle. Das Gesamtbild sieht chaotisch aus, strahlt jedoch ein ungreifbares Muster ab. Ich kann mir gut vorstellen, wie Produzent und Musiker bei einem ayuverdischen Mango-Jadetee über Halbtondissonanzen und Oktavensprünge diskutiert haben. Dabei sind viele faszinierende Kompositionen entstanden; auf der Strecke blieb jedoch häufig die Seele der Musik. Dem entgeht auch nicht die faszinierende Stimme von Kyoko Baertsoen. Meist trifft sie die passende Stimmung und lässt die Sterne zum leuchtenden Mond erstrahlen, bisweilen hängt aber so manche Melodie an einem dünnen seidenen Faden, der gelegentlich bricht und alles um sich mit hinunter reißt.

Lunascape klingen auf "Reflecting Seyelence" wie eine zerbrechliche weiße Porzellankanne, in der eine dickflüssige neblige Flüssigkeit wabert. Auf dem Gefäß steht ein Satz: "Lovin' you feared me" – wir finden das immer wiederkehrende Motiv von Liebesangst, Enttäuschung und Verwirrung. Der Blick auf den Inhalt erschreckt und fasziniert zugleich, denn bunte und aufwühlende Formationen wechseln mit klaren Bildern, die sich irgendwo tief in einem selbst widerspiegeln.

Angenehm laufen die Musikstücke dahin, wenn es ärmer an Schnörkeln und Ausmalungen wird. Stücke wie "Lane Navachi", "Love Leather" und "Your Shadow" sind eine Klasse für sich, und das entspannende "Mourning Star" besitzt das Potenzial zu einem hitmäßigen Volltreffer. Der Rest der CD ist nur etwas für gute Nerven oder besondere Stimmungen - und für Hörer, die Freude an diesem eigensinnigen und experimentellen Stil aus asiatischen und europäischen Independentelementen haben.

Trackliste

  1. 1. Your Shadow
  2. 2. Tears from the moon
  3. 3. My 2nd Skin
  4. 4. Love = Creepy
  5. 5. Lane Navachi
  6. 6. Sin for me
  7. 7. Love leather
  8. 8. Sequoia
  9. 9. Yairo
  10. 10. Inferno
  11. 11. Mourning Star
  12. 12. Dream Scenario

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