laut.de-Kritik

Mit traumwandlerischer Sicherheit die Grenzen ausloten.

Review von

Schlicht und einfach haben es die Herren und die Dame von Lorenzo mit der Auswahl der bisherigen Plattentitel gehalten. Von "Ism" über "Esque" hin zu "Phon". Das ist erst einmal schön. Schön auch, dass auch noch zwei Jahre nach Veröffentlichung von "Esque", ebendieses immer noch verdammt cool und funky klingt. Da will die werte Hörerschaft auch Anno 2003 wieder mit locker luftig beschwingtem House bedient werden. Dieser fährt auch auf "Phon" fern der stupiden Ballerschiene ein Coolness-Programm der anderen Art. Weit davon entfernt, aufgesetzt zu klingen, pumpern Yoshino, Tim Bernhardt und Lisa Mathews den soften Beat auf Silberling, der stets gediegen daher kommt, aber immer mit einem Ohr am Dancefloor lauscht.

Im Gegensatz zu früher, besteht der größte Teil auf "Phon" aus Vocal-Tracks. Bei manch einer Nummer kommt das eher störend hinzu, denn normalerweise funktionieren Lorenzo auch stimmlos hervorragend. Nach einem kurzen gesprochenen Intro auf polnisch legen sich im ersten Track softe Beats über sphärische Keyboard-Flächen. Darrin Huss singsangt was von "Soo Good", während simple Tonfolgen eine Melodie andeuten. Rhythmisch stark und soundtechnisch nicht zu überladen, zeigen Lorenzo, weshalb Monotonie nicht immer Langeweile bedeuten muss.

Aus dem Text "You could be so good for me" streicht der Clubber den Konjunktiv und begibt sich zum unkontrollierten Zucken auf die Tanzfläche. Dort bleibt er auch bei "Picture Perfect" kleben und kert erst wieder mit "Again And Again" für einen Driink an die Bar zurück. "I Tried" bringt im gebremsten Tempo und mit sehnsuchtsvollem Gesang etwas Weite mit ins Spiel. An dieser Stelle verlässte der gerade noch trinkende Nachtmensch die Bar, tritt auf die Terrasse und schaut in die Ferne, um eventuell den Sonnenaufgang mitzuerleben; sehr stimmungsvoll.

Egal, was sie anfassen, Lorenzo zeigen auch auf "Phon", dass sie traumwandlerischer Sicherheit die Grenzen elektronischer Tanzmusik ausloten, ohne ausgelutscht und langweilig zu wirken. Schlicht und einfach schön.

Trackliste

  1. 1. Przedstawienie Feat. Maciej Dabrowski
  2. 2. So Good Feat. Darrin Huss
  3. 3. Picture Perfect
  4. 4. No Longer
  5. 5. Again And Again
  6. 6. I Tried
  7. 7. 3Funk
  8. 8. Popstar
  9. 9. Gran Final Feat.Maria Vidal
  10. 10. Mayfair
  11. 11. Get You On Feat. Darrin Huss
  12. 12. Chromatic
  13. 13. All Night Long
  14. 14. The DJ Blues

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