laut.de-Kritik

Nach fulminantem Start fährt der Karren an die Wand.

Review von

Eigentlich hatte man Limp Bizkit längst abgeschrieben. Vor sechs Jahren gab es das letzte musikalische Lebenszeichen - das taugte nichts. Dazu kam noch der ewige Clinch zwischen den arroganten Streithähnen Wes Borland und Fred Durst. Doch als die ersten Reunion-Auftritte über die Bühnen gegangen waren, wurde man doch wieder spitzhöriger.

Ein neues Album. Hört, hört. Zwar ein Cover-Artwork, für das dem Zeichner die Finger gebrochen gehörten, aber dafür mit dem Line-Up, das den Nu Metal-Meilenstein "Chocolate Starfish And The Hot Dog Flavored Water" in die Regale der Fans brachte. Man schürte große Erwartungen.

Und tatsächlich: Die Mannen rund um Redcap zielen wieder in die richtige Richtung. Nach dem überflüssigen quietschenden "Introbra" macht "Bring It Back" richtig Spaß. Die Riffs passen, das Schlagzeug sorgt für Dampf. Aber so richtig zünden will der Song noch nicht. Man hat ständig das Gefühl, dass Fred jetzt demnächst einen Tobsuchtsanfall bekommt. Der bleibt noch aus.

Allerdings schlängelt sich dann die "Gold Cobra" mit den gewohnt aggressiven Raps und einem wummernden Bass in die Gehörgänge. "Shark Attack" beißt ähnlich zu. Geil! Back to the old days. Das ist besser, als man erwartete.

Der ersehnte Wutanfall kommt allerdings erst mit "Get A Life": Nach der Strophe "B-Boy with a taste for the metal / A taste for the fine rhyme and I ain't gonna settle / If you don't like it then you can scratch up on these nuts bitch / Polar bear ain't a cracker you should fuck with" schreit Mr. Angry in Richtung der Hater: "Get a life! Get a motherfucking life". Boom!

Mich hält es sowieso schon kaum mehr in meinem Sessel. Meine Praktikanten-Stabilos werden zu Drum-Sticks umfunktioniert, ich würde am liebsten mitrappen und mein Kopf trifft beim Headbangen schier die Tastatur. Doch wenn die ersten Riffs von "Shotgun" aus den Boxen braten, komme ich Dursts Aufforderung "Everybody jumps from the sound of the shotgun" erschreckend nahe. Album-Höhepunkt!

Wer hätte gedacht, dass die Nummer ähnlich rockt wie einst ein "My Generation"? Hell yeah! Genau das war der Grund, warum um die Jahrtausendwende Limp Bizkit zur Speerspitze des Nu Metal gehörten.

"Douche Bag" versucht ganz offensichtlich, die 46 Fucks aus "Hot Dog" zu toppen, macht aber noch einmal richtig Laune, bevor mit "Walking Away" ein krasser Schnitt eingeleitet wird. Die Nummer beginnt sehr ruhig, Fred singt. Passt eigentlich nicht wirklich zusammen, es funktioniert trotzdem erstaunlich gut. Gegen Ende schreit er fast schon verzweifelt. Cooles Ding, auch wenn es mit dem geliebten Bizkit-Sound so gar nichts zu tun hat.

Was man dann zu hören bekommt, ist im Vergleich zu den ersten fetten Tracks kaum zu fassen. Wo ist die Aggressivität hin? Wo die geilen Gitarren? Wo das bolzende Schlagzeug? Meinte man, mit aller Gewalt ein "Significant Other" mit "The Unquestionable Truth (Part 1)" mixen zu müssen? Was soll dieses Rumgejammere, dass Fred ein "Loser" ist, oder das vor Autotune tropfende "Autotunage"? Dazu unterirdische Lyrics à la "We gonna light this place up / Light it up like a fire in the sky, yeah" und powernervige "oh yeahs", die einem Gänsehaut bescheren - vor Ekel!

Von "Why Try" abgesehen, das noch einmal die Massen zum Ausrasten bringen wird, ist die zweite Hälfte der Platte einfach völlig verkorkst. Wie kann man nach einem so fulminanten Start den Karren noch so an die Wand fahren? Zumindest machen die Jungs aus Florida keine halben Sachen: Entweder sie hauen in die Vollen oder total daneben. Das Ding hätte fett werden können, aber das Ende versaut es. Leider.

Trackliste

  1. 1. Introbra
  2. 2. Bring It Back
  3. 3. Gold Cobra
  4. 4. Shark Attack
  5. 5. Get A Life
  6. 6. Shotgun
  7. 7. Douche Bag
  8. 8. Walking Away
  9. 9. Loser
  10. 10. Autotunage
  11. 11. 90.2.10
  12. 12. Why Try
  13. 13. Killer In You

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105 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 9 Jahren

    wie kacke is denn bitte diese review? abgesehen davon, dass am ende fast gar nichts an die wand gefahren wird, schießt diese kritik mit subjektivität in alle richtungen, egal ob positiv oder negativ.

  • Vor 9 Jahren

    Die Review ist echt grottig.
    Ob man Limp Bizkit nun mag oder nicht, aber bei Sprüchen wie "Wo ist die Aggressivität hin? Wo die geilen Gitarren?" frage ich mich ob der Alexander sich das Album über 15?-PC-Boxen angehört hat.
    Für mich ist das vielleicht aggresivste Limp Bizkit Album, noch dazu die vielleicht krasseste Gitarren-Arbeit überhaupt von Mr. Borland (ganz speziell die Tremolo-Riffs).

    Die "truen" Leute sollten die Finger davon lassen, Limp Bizkit ist immer noch Limp Bizkit. Alle anderen werden sicherlich ihren Spass mit dieser Scheibe haben!
    :)

  • Vor 9 Jahren

    Da kann wohl jemand nix mit ruhigen Songs anfangen. Bemitleidenswert.

  • Vor 5 Jahren

    ja die Rezession kannst echt knicken... Gold Cobra fickt die Welt! Das Album kann ich jedem Fan nur empfehlen

    aber wie sagt Fred so passend "Haters gonna hate and i love to be hated"

  • Vor 4 Monaten

    Echt gutes Album! Auch wenn man als Limp Bizkit-Sympathisant stets Niveaulosigkeitsvorwürfen ausgesetzt ist, ist dieses Album doch echt rund und abwechslungsreich.

    "Loser" finde ich im Übrigen recht smart gelöst und dass Fred "rumjammert" kennt man ja bereits von "Boiler", "It`ll be OK", "Faith", "The One", "Re-arranged", um mal alle Nicht-RMV-Songs zu nennen. Alles kein Grund die Panik zu kriegen.

    Nahe an der 5er Grenze, weil das Album leider zum Ende hin etwas schnauft. "Killer in You" ist ein super Geschenk für alle, die dem Rap etwas näher stehen, wäre in der Mitte der Platte auch ganz nett gewesen. Der Bonustrack "Angels" ist wärmstens zu empfehlen. Verbessert das Album nochmal deutlich.

    Dann noch etwas anderes, mit dem Risiko als Spaßverderber zu gelten, ein für alle mal an dieser Stelle
    (Olsen hat es ja auch bereits an anderer Stelle etwas zynisch angedeutet):

    Rezension = Kritik des Albums

    Rezession = Konjunkturphase (Abschwung)

    Bitte verbreiten!