laut.de-Kritik

Na, Jungs? Das hat ja gut gecläppt!

Review von

Alexander Gerlach und Kai Paul gehören mittlerweile zu den dienstältesten Paaren im deutschen Techno-Zirkus: Von Milchbubis bei Low Spirit unter Onkel Westbams Fittichen haben sie sich zu autarken Künstlern mit eigenem Label gemausert. Seit 1999 haben sich da so einige Klassiker angesammelt. Gassenhauer, wenn man so will.

Als DJ möchte man ja eigentlich am liebsten nur neue Produktionen testen und spielen, aber Lexy und K. Paul waren mehr oder weniger zwangsverpflichtet, bei Live-Acts ihre ollen Kamellen zum Besten zu geben. Klar, dass so mancher Raver die erste Party, Liebe oder Pille mit zeitlosen Preziosen à la "Freak" in Verbindung bringt und sich mittels des Tracks wiederum auf die Suche nach der verlorenen Zeit begeben mag.

Nun, Lexy und Kai tragen diesen Sehnsüchten Rechnung, und zwar auf doppelte Weise. Zunächst gibt es zehn ihrer beliebtesten Tracks auf einer CD, und zwar frisch gemastert und im fetten Klangkleid. Dazu haben sich die beiden ins Studio begeben und zeitgemäße Reworks und Edits ihrer eigenen Stücke produziert.

Brandgefährlich, das. Die meisten haben sich eben so auf den Original-Sound ihrer Lieblingstitel der Berliner Mädchenschwärme eingeschworen, dass die Neufassungen a priori fast schon keine Chance haben.

Trotzdem bieten die Reworks Alternativen an. Klar, den rohen Bratzsound wie etwa beim Original von "Let's Play" erreicht dessen Interpretation nicht. Da richtet auch die leicht bekleidet kiffende Dame im neuen Video nichts aus. Vielmehr lassen sich die Feinheiten und die künstlerische Entwicklung von Lexy und K. Paul über die mehr als 15 Jahre hinweg erkennen. Der im Original so trashig daherkommende "Fernsehturm" wird etwa im neuen Gewand um eine deepere, melancholische Facette erweitert, die ihm gut zu Ohr steht.

Mit Würde erwachsen werden: Die Lexy und Paul von damals waren jung und bartlos, analoge Fiepkisten, Damenvocals, 80er Samples. Heute bieten sie ein weitaus größeres Spektrum aus den Sparten Techno und House, angerührt mit den Skills erfahrener Produzenten. Natürlich geht da ein wenig der Punk der frühen Jahre verloren, aber das liegt in der Natur der Sache.

Fast vergessene Buden wie "Love To Feel", das an die kurze Breakbeat-Phase der beiden erinnert, sind ebenfalls vertreten und bekommen einen neuen Stellenwert. "Gassenhauer" bietet eine retrofuturistische Synthese, klassische Musik und ihre moderne Interpretation. Oder wie Das Bo sagen würde: "Na, Jungs, das hat ja gut gecläppt!"

Trackliste

Reworks 2015

  1. 1. The Greatest DJ
  2. 2. Freak
  3. 3. Love Me Babe
  4. 4. You're The One
  5. 5. Let's Play
  6. 6. Vicious Love
  7. 7. Love To Feel
  8. 8. Dancing
  9. 9. Girls Get It First
  10. 10. Der Fernsehturm

Originale

  1. 1. The Greatest DJ
  2. 2. Freak
  3. 3. Love Me Babe
  4. 4. You're The One
  5. 5. Let's Play
  6. 6. Vicious Love
  7. 7. Love To Feel
  8. 8. Dancing
  9. 9. Girls Get It First
  10. 10. Der Fernsehturm

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