laut.de-Kritik

Die Basken haben den Thrash Metal nicht übel drauf.

Review von

Legen Beltza aus dem Baskenland wollen langsam aber sicher auch in unsere Breiten vorstoßen. Warum ich das glaube? Nun, der letzte Release "Insanity" vor drei Jahren wurde nicht mehr in der baskischen Muttersprache, sondern auf Englisch veröffentlicht. An den Studioreglern saß damals Jeff Waters (Annihilator), was wohl alles andere als negative Promotion ist. Man suchte ein Label, das nicht nur den US-amerikanischen, sondern auch den europäischen Raum bedient. Das Problem wurde mit Mausoleum Records gelöst. Rein formell steht dem Durchbruch in der europäischen Metalszene also nichts mehr im Wege.

Vorwarnend sei gesagt, dass man nicht an der grafischen Aufmachung des Booklets Anstoß nehmen sollte. Klar, man hat vermutlich schon Besseres gesehen. Aber so lange es musikalisch passt, sei das verziehen. Das tut es auch. Im Opener "Cannibalistic Revolution" legen sie die Marschrichtung vor: direkt vorpreschender Thrash Metal. Klingt der erste Song wie ein wahrer Orkan an Wut und Aggression, bewegt sich "Meet Me In The Dark" mehr im Midtempo-Bereich. Die Melodie kommt sehr gut, lediglich die Soli im Mittelteil sind für meinen Geschmack etwas zu dick aufgetragen. Grundstäzlich liefern Legen Beltza Thrash-Keulen, die sehr old-schoolig daher kommen.

Großteils sind diese mit guten Melodien versehen, zu denen Xanti am Mikro tobt. Stakkatoriffs und hier und da ein Schuss Power Metal ergänzen dieses Konzept. Bei "Fucking Dawn Of Dead" tun sich am Mikro fast Vergleiche mit Mille auf. Nach den thrashigen Riffs zu Beginn von "When The Moon Falls" schlägt der Song mehr in die Power Metal-Kerbe. Xantis Gekreische weicht hier einer druckvollen Singstimme zu einer maidenesk anmutenden Melodie.

Der Titeltrack "Dimension Of Pain" weist ebenfalls Power Metal-Einflüsse auf. Der Song klingt ziemlich abgedreht, Xantis Stimme springt zwischen Höhen und Tiefen hin und her, die vertrackte Gitarrenarbeit tut ihr Übriges. Ähnlich abgefahren geht es bei "Calling The Black Storm" zu. Blastbeats und heftiges Geschredder duellieren sich hier. Bei Legen Beltza finden sich einige Querverweise zu Annihilator und Kreator. Mit "Ilunpean Dituzu" findet sich ein Song in der in der Muttersprache von Legen Beltza auf dem Album, bevor sie zum Abschluss ein Aufgebot an Gastmusikern präsentieren, das sich gewaschen hat. In den beiden nicht nur wegen ihrer Länge epischen Songs "War Of Wars 1" und "War Of Wars 2 (Hope Without Hope)" wirken unter anderem John Liiva (Ex-Arch Enemy), Freddy Persson (Nostradameus), Patrick Savelkoul (Callenish Circle), Johan Lindstrand (Ex-The Crown, One Man Army And The Undead Quartet) und Alex Hagenauer (Soul Demise) mit.

Es brauchte zwar eine Eingewöhnungszeit, bis ich mit "Dimension Of Pain" warm wurde, was auch an den teilweise recht durchgeknallten Songs lag. Hierin liegt jedoch auch Legen Beltzas Stärke. Technisch sattelfest, liefern sie vertrackte Riffs, Soli und einige progressive Momente, ohne vom Ziel abzukommen, deftig reindrückende Thrash-Metal-Songs zu fabrizieren. Also: Wer oben genannten Bands etwas abgewinnt, kann ruhigen Gewissens mal reinhören. Die Basken haben den Thrash Metal nicht übel drauf.

Trackliste

  1. 1. Cannibalistic Revolution
  2. 2. Meet Me In The Dark
  3. 3. Fucking Dawn Of The Dead
  4. 4. When The Moon Falls
  5. 5. Dimension Of Pain
  6. 6. Calling The Black Storm
  7. 7. Satanic Neighbourhood
  8. 8. Ilunpean Dituzu
  9. 9. War Of Wars 1
  10. 10. War Of Wars 2 (Hope Without Hope)

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