laut.de-Kritik

Großer Post-Rock mit Blick nach vorne.

Review von

Die Uhren sind am Schmelzen, die Röhren der Analogverstärker anständig am Glühen. "Time is a fiction / We're living in Salvadors dream" singen Lausch im Opener ihres neuen Albums "Glass Bones". Natürlich dreht es sich bei besungenem Salvador um den 1989 verstorbenen spanischen Surrealisten Salvador Dalí. Und weil alles, was wir Zeit nennen, sowieso ein Missverständnis ist, können wir gleich mal dezent aufs Schuhwerk verzichten und durch die Straßen tanzen. Dem Soundtrack zu dieser (auch im Opener vorkommenden) Aufforderung kommt die Band auf dem neun Songs umfassenden Longplayer nach. Wobei, Tanzmusik ist "Glass Bones" dann doch nicht wirklich.

Wenn es um seine Vorstellung von progressiver Rockmusik geht, ist Band-Chef Alex Lausch ein sturer Hund. Diese fast schon stoische Konsequenz macht sich musikalisch bezahlt. Nach durchwegs geglückten Alben wie "Friend Of The Captain" und "Canada Is Falling" ist "Glass Bones" das bis dato beste Werk der Band - und das zugänglichste.

Zu den zahlreichen rhythmischen Weggabelungen, den Stakatto-Riffgewichten und der strukturellen Geschäftigkeit gesellt sich auf "Glass Bones" mehr denn je eine melodische Verspieltheit. Auf Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Bridge-Refrain-Popsongs hat das österreichische Trio nach wie vor keine Lust, Lausch bleiben in den Songstrukturen durchaus verschachtelt und verwachsen, bleiben dabei aber auf ganzer Strecke eingängig.

"Second Rule" braucht nur ein paar Basstöne, um auf den Punkt zu kommen und sich zu einem Midtempo-Stampfer zu entwickeln, gegen Chorus hin gibt's dann ordentlich Riff-Gewicht. Überhaupt scheint die Band gerne die Spielräume des mittleren Tempos für sich auszuloten - siehe auch das atmosphärische "Here I Stand". "A Game Of Fools" könnte dann in puncto Chorus fast schon auf einer Foo-Fighters-Platte (der mittleren Grohl-Schaffensphase wohlgemerkt) sein. Bei "Tortoise" drückt die Band mal beherzt aufs Gaspedal, die Riffs sind streckenweise schwerer Funk, und in den Instrumentalpassagen wirkt die Sache mittelfristig beinahe so, als hätte hier jemand auf seine Art die Stadion-Jams der Frusciante-Ära bei den Red Hot Chili Peppers kanalisiert.

"Glass Bones" kommt auf den Punkt - in Sachen Songwriting, Instrumentierung, Songlänge und auch Albumumfang. Neun Songs, auf den Punkt und auf die Zwölf.

Irgendwo im vorwärtsgewandten Post-Rock haben Lausch ihren Platz gefunden. Einen Platz zwischen Heavyness, Vertracktheit und zwar nicht gänzlich neuer, aber doch deutlich ausgebauter Eingängigkeit. Zwischen tonnenschweren Hooks und sonnig-heiseren Refrains, zwischen klanglicher Dichte und Reduktion. Ziemlich grandiose Sache.

Trackliste

  1. 1. Salvador's Pain
  2. 2. Second Rule
  3. 3. A Game Of Fools
  4. 4. Glass Bones
  5. 5. Here I Stand
  6. 6. Ignition
  7. 7. Tortoise
  8. 8. Twenty Seconds
  9. 9. Tide

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