laut.de-Kritik

Große Worte, kleine Taten.

Review von

"Mit "Dark Adrenaline" haben wir die Messlatte extrem hoch gelegt und es war nicht einfach, unseren Sound auf das nächste Level zu heben", sagt Lacuna Coil-Sänger Andrea Ferro. Ein Satz, der Spannung schürt, sich jedoch bereits nach dem ersten Durchlauf des neuen Schaffens der Italiener als eine standardisierte Marketing-Floskel entpuppt, die heutzutage scheinbar auf jedem zweiten Pressezettel verewigt werden muss.

Sicher, die Band präsentiert in punkto Sound und Technik kaum Angriffsflächen. Jedes Instrument wummert oberligareif durch die Boxen und keiner der Beteiligten outet sich innerhalb der dreiviertelstündigen Präsentation als Grobmotoriker. Von welchem "nächsten Level" ist hier allerdings die Rede?

Abermals treffen voluminös arrangierte Paradise Lost-meets-Evanescence-Strukturen auf cineastische Soundscapes. Ein Mix, den die Italiener nicht erst seit ihrem letzten Album ins Herz geschlossen haben. So geht es also eher um die Suche nach den berühmten Nadeln im Heuhaufen.

Fündig wird man auch nach mehreren Durchläufen lediglich an drei Stellen – und die lassen auch nicht lange auf sich warten. Da wäre zum einen der Opener "Nothing Stands In Our Way", der so ziemlich alles auffährt, was es braucht, um ein nach melodischen Nu Metal-Klängen dürstendes Festival-Publikum ordentlich in Wallung zu bringen. Dynamische Strophenführung, akzentuierte Gitarren-Einschübe und ein opulenter Ohrwurm-Refrain: Hier passt alles.

Auch das anschließende "Zombies" überzeugt – zumindest phasenweise. Abgesehen vom uninspiriert und leblos eingeträllerten Vers-Part, bei dem Sänger Andrea Ferro um jeden Harmonie-Anflug einen großen Bogen macht, greift auch hier wieder ein Rädchen ins andere. Knapp vier Minuten später erreicht das Album mit dem groovenden Bulldozer "Hostage To The Light" bereits seinen Höhepunkt. Ein Hit, keine Frage.

Danach geht's allerdings kontinuierlich bergab, denn keiner der folgenden acht Songs erreicht auch nur annähernd das Qualitätslevel des eröffnenden Trios. Cristina Scabbias verzweifelte Suche nach weiteren Ohrwurm-Melodien ("Cybersleep") verläuft genauso im Sande wie des Frontmanns Versuch, den Hörer noch das eine oder andere Mal vom Nährwert blutleer dahingerotzter monotoner Gesänge zu überzeugen ("Die & Rise", "In The End I Feel Alive").

Und so zieht der Hörer am Ende - trotz eines begeisternden Auftakts - gelangweilt und frustriert die Augenbrauen zusammen und archiviert den eingangs zitierten Satz in der Schatulle mit der Aufschrift: Große Worte, kleine Taten.

Trackliste

  1. 1. Nothing Stands In Our Way
  2. 2. Zombies
  3. 3. Hostage To The Light
  4. 4. Victims
  5. 5. Die & Rise
  6. 6. I Forgive (But I Won't Forget Your Name)
  7. 7. Cybersleep
  8. 8. Infection
  9. 9. I Burn In You
  10. 10. In The End I Feel Alive
  11. 11. One Cold Day

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4 Kommentare mit 11 Antworten

  • Vor 6 Jahren

    Dieser Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die Hausordnung durch einen laut.de-Moderator entfernt.

  • Vor 6 Jahren

    Och, ne ziemlich harsche Kritik. Klar sind LC nicht mehr wie früher und diese moderne Ausrichtung mag ich auch nicht sooooo sehr, aber ich finde das Album um Welten besser als Karmacode, Shallow Life oder Adrenaline.

  • Vor 6 Jahren

    Für mich nicht nachvollziehbar.
    'Cybersleep' eines der Highlights des Albums, weil der Refrain sehr stark an Comalies Zeiten erinnert, genauso 'One Cold Day'..
    'Infection' das bessere 'The Army Inside' ist und insgesamt ein klar balancierteres Album als "Dark Adrenaline".
    Der Bass und die Streicher tun der Scheibe gut. Man hat sehr viel an der Symbiose der Vocals gearbeitet und man merkt, wohin die Band mit den jeweiligen Songs hinwollen.
    Ich mag die Band, weil sie ein gutes Gespür für Vocallines haben, was sie hier aber m.M.n ein wenig ausschlachten, was dazu führt, dass mancher Chorus ein wenig nach 08/15 klingt.
    Außerdem vermisse ich an dem Album diese Melodie- und Zupfelemente, die die Songs in die Breite hin öffnen und ihnen den nötigen Freiraum geben ---> 'Falling'
    Stellenweise klingen die Songs nämlich mit Riffs überladen und runtergebrochen, weil kein Kontrast vom Chorus zum Rest.
    Das Album ist für mich trotzdem klar besser, als die beiden Letzteren, weil durchdachter und viel mehr Momente, die an die alten Tage erinnern.
    Wäre interssant, wie das Album klingen würde, wäre es 2002 rausgekommen.

  • Vor 6 Jahren

    Da muss Herr Butterweck aber einen schlechten Tag erwischt haben. Natürlich wird hier nix neu erfunden. Allerdings ist die Platte deutlich härter als die Vorgänger, ansonsten gute LC Kost. Wer auf LC bisher stand, wir auch die Platte mögen.