laut.de-Kritik

Boy, diese Hooks!

Review von

LGoony is back! Naja, so richtig weg war er ja nie. Aber da sein letztes richtiges Album bereits über zwei Jahre auf dem Buckel hat, ist der Begriff Comeback nicht mal weit hergeholt. Auf "Lightcore" serviert der Kölner mit dem Gesicht eines Zwölfjährigen einen heißkalten Zucker-Overload, der es in sich hat.

Cloudrap heißt das allerdings nicht mehr. LGoony lässt das Genre, das er nach Meinung vieler begründet hat, hinter sich und lehnt sich ein bisschen über den Tellerrand. Der Sound von "Lightcore" lässt sich schwer beschreiben und bewegt sich irgendwo zwischen Trap, dem Girlie-R'n'B der Neunziger und der Anfangs-2000er-Trash-Attitüde.

Während die Producer, unter anderem Asadjohn, DJ Heroin und Gee Futuristic, ein Brett nach dem anderen raushauen, slidet Goonie Louie mit eisiger Lässigkeit drüber. Bounct er im Opener "Start Over" noch zwischen den Tönen hin und her, singt er seine Hooks mit einer honigsüßen Souveränität wie eigentlich nur TLC. Und zwischendurch wird geflext was das Zeug hält.

Der Ehrlichkeit halber muss festgehalten werden: Thematisch bewegt sich LGoony auf sehr eingeschränktem Feld. Die Texte klopfen grob die Eckpfeiler Geld, Knarren, Coolness und Verweise in die 2000er ab. Ein Song wie "Paradise Bay" könnte in seiner Erzählung (wie Goony dir dein Girl ausspannt) stringenter sein, verliert sich aber in Beschreibungssätzen wie "Meine Jacke ist so weiß wie die Berge." Ebenso "Nacht", das seine Lichtgang als nachtaktive Dämonen-Crew zeichnet und ein wenig an Haiytis "Gothic Girl" auf "Follow Mich Nicht" erinnert. Die Idee kommt rüber, hätte aber noch weit mehr Raum bekommen können.

Überhaupt kommt der Gedanke an Haiyti öfter auf. Die Pop-Reminiszenzen, die Attitüde, all das ähnelt dem Habitus des Hamburger City Girls. LGoony imitiert allerdings nicht, sondern fährt einfach einen ähnlichen Film. Und zwar verdammt gut.

Boy, diese Hooks! Nicht ein Refrain auf "Lightcore", der nicht sofort ins Ohr rast und von da aus den Booty befehligt. Der Kölner besitzt ein unfassbares Gespür für Melodien und schafft dadurch eine großartige, eisig brennende Atmosphäre. Seine Hooks fließen dahin wie geschmolzene Karamell-Bonbons. Will man jedoch zubeißen, zerbricht man sich die zarten Zähnchen an den gefrorenen Kugeln, die er darin versteckt. "Ich mach Musik mit der Cannon und seh zu wie sie dancen."

Und so träufeln die Hits dahin. "Zeit" ist ein absoluter Überhit - "Supernova" quasi. Asadjohn zieht die Synthies durch den U-Bahnschacht und lässt es klimpern. In "Eiskalter Sommer" baut der Feature-Gast Yung Isvvc einen astreinen Baby Bash-Beat und wer danach nicht "Shades on - undercover / Pokerface - Lady Gaga"-brüllend durch seine Wohnung läuft, hat den Song nicht gehört. Ähnlich "Check". Oder "All Star Game". Oder "Droptop Music".

Einzige Ausnahme auf "Lightcore" bildet "Neu Geboren". Hier droppt Goony Boy noch ein paar Sentiments zum Schluss und schwört auf alles was er hat, und dass er immer er selbst bleiben wird: "Lichtgang, meine Squad bis zum Tod / Immer noch Anti-Hype, Anti-Industrie, ich mach alles allein / bleib in Köln und ich chill auf der Westside, definier mich nicht durch Likes / ich mach das alles noch als Hobby, du siehst keine Stars in meiner Story." Na, wenn das mal nicht sympathisch ist.

Trackliste

  1. 1. Start Over
  2. 2. Zeit
  3. 3. Eiskalter Sommer
  4. 4. Grün Weiße Scheine
  5. 5. Steve Austin
  6. 6. Paradise Bay
  7. 7. Hobby
  8. 8. Oh Mein Gott
  9. 9. Nacht
  10. 10. Check
  11. 11. Sicher
  12. 12. All Star Game
  13. 13. Droptop Music
  14. 14. Neu Geboren

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"Deutscher Rap, ich bin empört. Alles hab' ich schon vierzig Mal gehört. Bevor ich mir eure Tracks auch nur zieh', höre ich lieber nie wieder Musik." …

12 Kommentare mit 10 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Albumname und Cover passen hervorragend. Sorgen für die richtige, wohlige Grundstimmung hier bewährte Goonyqualität aus melodischen Hooks, vielfältig treibenden Beats und einer im vermehrt generischen Deutschrapbrei hervorstechenden Performance zu erleben

    Nach dem Genuss des Albums bleibt da aber nicht viel übrig..eher der Eindruck einer Mogelpackung

    Boy, diese Hooks...

    Das ist das Problem. Die sind nämlich bei weitem nicht so melodisch, greifbar oder prägnant wie auf den erfrischenden Tapes. Die Beats? Abgemeldet..bis auf den wirklichen Brecher "Steve Austin" und dem Trademarksong "Zeit" bleibt da wenig in Erinnerung. Alles dümpelt gelangweilt und verkocht vor sich hin, sampelt sich in seiner Ödnis mit müdem Gebimmel sogar bisweilen selbst

    Cloudrap..ja das ist es wirklich nicht mehr. Auch ein Goony ist im Deutschrapalltag angekommen und tauscht sphärische Höhenflüge gegen biederen Trap von der Stange. Da helfen dann auch so manch gewohnt gute Lines nicht wirklich viel

  • Vor einem Jahr

    Hab Goony immer so als, naja, "Lyricist" unter den Cloudopfern wahrgenommen...also quasi der Einäugige unter den Blinden.

    • Vor einem Jahr

      Kenner wissen, das L in LGoony steht für "Lyricist"!
      Das "G" steht für seinen Namen "Goony", den ihm seine Eltern gaben. das "o", noch ein "o", das kleine"n" und das allseits beliebte "y" stehen für den Rest seines Namens, da er ja Goony heisst, was eine Koseform von Günther ist.

  • Vor einem Jahr

    Leider verdammt catchy und unterhaltsam. Mir taugts gut. 4/5