laut.de-Kritik

Der Tod als Szeneklischee - eher lahm als L'Âme.

Review von

L'Âme Immortelle läuten auf "Hinter Dem Horizont" das Ende aller Tage ein. Wohlgemerkt nicht für die Band, sondern als Auseinandersetzung mit dem Tod als einzige Gewissheit im Leben eines jeden Individuums. Das birgt die Chance zur künstlerisch hochwertigen Auseinandersetzung. In den Händen des Duos verkommt Gevatter Sensenmann jedoch zum flachen Szeneklischee; mehr lahm als L'Âme.

Todbringende Konzeptalben, die wirklich etwas zu sagen haben, gäbe es als Vorbilder durchaus. Im deutschsprachigen Raum boten E.W.I.G. zuletzt mit "Na(c)htodreise" eine überwiegend gelungene Vorstellung. Das Album aller Alben, wenn es um Verarbeitung von Sterblichkeit und Verlust geht, hat Lou Reed bereits vor einem guten Vierteljahrhundert mit "Magic And Loss" veröffentlicht. Nicht nur der Vergleich zu Letzterem zeigt die unfassbare Dimension des Scheiterns von "Hinter Dem Horizont".

Bereits die exemplarische Eröffnung "Unsterblich" macht in beeindruckender Konsequenz alles falsch, das man als Musiker verkehrt machen kann. Schon die billigen Blechbüchsen-Streicher adeln Krischan J. E. Wesenbergs (Rotersand) Produktion nicht gerade. Das wird im Verlauf der Scheibe nicht besser. Sängerin Sonja Kraushofer ergeht sich dazu in schwer erträglichem Overacting wie eine Drittbesetzung der örtlichen "Phantom Der Oper"-Schulaufführung. Zwar trifft sie die Töne, verfügt aber über keinerlei entfernt individuelle Ausstrahlung oder gar das Talent, dem konstant melodramatischen Bleifuß auch nur einen Hauch notwendigen Spannungsbogens einzuimpfen. Hast du den Mut, vom höchsten Turm zu springen?" Nach dem Genuss dieses Vortrags mehr als vorher; Kompliment.

Nach Hinzunahme eines ebenso preiswerten Allerweltsbeats aus der Grabbelkiste of Goth röchelt sich Thomas Rainer mit komplett unerträglichen Vocals ins Rampenlicht. Die groteske Mischung beider Stimmen schlägt dem ästhetischen Fass den Boden spätestens dann komplett aus, wenn Kraushofer in die pseudo-evil Maskulinität ihres Duett-Partners ein audiophob gedehntes "Wir sind unendlich" hinein quengelt.

An diesem Punkt hängt der unbedarfte Hörer längst in den Seilen und hat doch erst eines von zehn Liedern dieser Sorte hinter sich. Das Fehlen jeglicher auch nur halbwegs brauchbarer Melodien und Zeilen degradiert die allgegenwärtige Pathos-Keule besonders in Kraushofers Vortrag zur unfreiwilligen Narrenkappe ("Letztes Licht", ""Am Ende Aller Tage", "Memories"). Bei Rainer reicht es nicht einmal nehr dafür. "Treiben" etwa ist unter allen handwerklichen Gesichtspunkten gesanglicher Minimalstandards und nicht im Entferntesten als professionell einordenbar.

Freunde elektronischer Musik, die etwas zu lachen haben wollen, sollten "Dein Kuss" nicht verpassen. Zum fischeresken Schlagerdisco-Gedengel gesellt sich eine fast schon niedliche Konservenvariante gängiger Panflöten-Terroristen aus der Fußgängerzone. Im Finale wartet dann das Titelstück als Krone allen Kitsches und verkündet dem Publikum zum Ausklang gleichwohl die erleichternde Wahrheit: "Alle Worte sind gesprochen. (...) Der letzte Schmerz empfunden, während alles von mir geht."

Trackliste

  1. 1. Unendlich
  2. 2. Letztes Licht
  3. 3. Treiben
  4. 4. Am Ende Aller Tage
  5. 5. Dein Kuss
  6. 6. Memories
  7. 7. Monument
  8. 8. Schwerkraft
  9. 9. Frei
  10. 10. Hinter Dem Horizont

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