laut.de-Kritik

Party, Pogo, Popowackeln mit Niveau.

Review von

Kvelertak klingen auf den ersten beiden Alben wie Betrunkene, die nachts um vier die knarzige Treppe eines Altbaus hochtorkeln und dabei lautstark grölen. Das Sextett wischte sich nach dieser intensiven Zeit, deren Höhepunkt mit "Meir" erreicht war, den Schaum vom Schnauzer und kramte ein wenig in der persönlichen Favoritenkiste.

Das autoritäre Fanlager bedauerte die Abkehr vom Vollgas-Rumpelstil hin zu mehr Abwechslung und Finesse auf "Nattesferd". Und höre da. Ein Song wie "1985" bot gar AOR- und Hardrock-kompatibles Riffing entgegen der üblichen Death'n'Roll-Chose. 2018 kam es gar zu den ersten Rissen im Bandgefüge mit dem Ausstieg von Original-Kreischsäge Erlend Hjelvik. Nach dem Split ist vor dem "Splid" dachte sich der Rest und präsentierte umgehend Ivar Nikolaisen als neuen Vorkrächzer.

Party, Pogo, Popowackeln hat sich das Sextett dennoch auf die Schnapsfahne geschrieben. "Crack Of Doom" zieht den Rotz früher Turbonegro genüsslich bis ins Frontalhirn. Hier gastiert Mastodon-Fronter Troy Sanders, der nicht nur für englische Lyrics verantwortlich zeichnet, sondern mit seiner melodischen Intonation die Limitiertheit von Nikolaisen offenbart.

Bevor jetzt ein Einspruch in Sachen Ausverkauf wegen der Verwendung englischsprachiger Texte ertönt: Der Text ist eigentlich Wumpe, gurgelt der Sänger doch wie mit Rostnägeln und könnte auch Suaheli, Farsi oder Mandarin schmettern. Das zärtlich betitelte "Necrosoft" hämmert mit beiden Fäusten aufs Piano und schreddert Double Bass und Snare in bester Black Metal-Manier. "Uglas Hegemoni" grüßt Gluecifer und die Hellacopters mit einer zünftigen Kopfnuss. New Wave und Punk-Attitüde verleiht "Tevling" eine eigene Richtung.

Produzent Kurt Ballou lebt davon, diverse Stile zu einem stimmigen Ganzen zu destillieren. Dies definiert seine Produktionen von Bands wie Oathbreaker, Chelsea Wolfe, The Dillinger Escape Plan oder seine eigene Combo Converge, in denen Zahnchirugie und stille Umarmungen gleichermaßen zum Tragen kommen.

Musikalisch lautet das Motto kontrollierte Offensive. Die drei Gitarristen gehen für Maiden-Harmonien und ruhige Zwischenparts auch mal vom Gaspedal. "Bråtebrann" spendiert folkige Akkordbrechungen sowie Downstroke-Power-Chords und lässt die Engel im Refrain singen. "El Guitar, come on!" - und ab geht die Luzie in einem solistischen Inferno. Das psychedelische "Delirium Tremens" mit seiner Endsiebziger Indie-Schnoddrigkeit à la "Marquee Moon" (Television) steigert sich als Crescendo in Sachen Wahnsinn und zieht den Hörer in die Schwärze.

AC/DCs "Hells Bells" fügt seiner Influencer-Vita mit dem coolen Anfangsriff von "Fanden Ta Dette Hull!" eine weitere Kerbe hinzu. Auch hier spendiert die Gruppe der Bridge eine Akustik-Gitarre, bevor sich im Refrain die Schleusen in Richtung Hook öffnen. Damit nicht genug stoßen Kvelertak in der zweiten Hälfte des Songs die Tore zur Bay Area weit auf und thrashen munter drauflos, bevor ein an Maidens "The Trooper" angelehntes Riff dieses Monstrum in des Fans Kehle legt. Was überwiegt dabei: Zitat, Plagiat oder eigene Duftnote? Entscheidet selbst.

Trackliste

  1. 1. Rogaland
  2. 2. Crack Of Doom
  3. 3. Necrosoft
  4. 4. Discord
  5. 5. Bråtebrann
  6. 6. Uglas Hegemoni
  7. 7. Fanden Ta Dette Hull!
  8. 8. Tevling
  9. 9. Stevnemøte Med Satan
  10. 10. Delirium Tremens
  11. 11. Ved Bredden Av Nihil

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