Porträt

laut.de-Biographie

Koffee

Ende 2017 erlangt Koffee als eine der jüngsten Reggae-Singer/Songwriterinnen nationale und internationale Bekanntheit. Ihr Künstlername leitet sich von einer überraschenden Kaffee-Bestellung ab. Eines heißen Tages schert sie aus ihrer Crowd aus: Alle anderen bestellen kühles Wasser, nur sie nicht.

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Geboren am 16. Februar 2000, wächst Mikayla Simpson, so Koffees bürgerlicher Name, in Spanish Town im Südosten Jamaikas auf. Ihre Jugend verläuft beschaulich: Ein "mellow vibe" liege über Eltham View, dem District in der Großstadt Spanish Town, in dem sie zu Hause ist. Trotzdem zeigt sie sich der enormen sozialen Herausforderungen Jamaikas ein bisschen bewusst.

So möchte Koffee für ihre Generation als Promi die Verantwortung übernehmen. Sie schreibt sich "Empowerment" auf die Fahnen, fühlt sich als Sprachrohr für alle Jamaikaner ihrer Altersgruppe, in denen Kreativität und künstlerisches Talent steckt. Wenn sie in der Welt bekannt wird, so Koffee, möchte sie ihre Landsleute mitziehen und auch deren Chancen vergrößern.

Tief gläubig, erklärt sie öffentlich, ihre Begabung als "sing jay guitarist" direkt von Gott erhalten zu haben. Aufmerksamkeit erregt sie im Herbst 2017 vor allem dank eines Riddim-Instrumentals der kalifornischen Upsetta Records, dem Ouji Riddim. Die Melodie ihrer ersten Single "Burning" stammt also, wie in der jamaikanischen Musikkultur gute Tradition, gar nicht aus der Feder von Koffee.

Doch der Teenager hat Glück: Unter den Abertausenden von Riddim-Produktionen sticht gerade diese als hochwertig und eingängig heraus und bringt ihre übermütige Stimme gut zum Tragen. Die absolute Newcomerin bekommt als einzige Frau ihre Chance an der Seite so bekannter Namen wie Busy Signal und Luciano. "Burning" entwickelt sich zum Ohrwurm, Dancehall-DJs merken junge Lady schon einmal als Next Big Thing im Hinterkopf vor.

Von dem Erfolg und der Verbreitung per Social Media überrumpelt, entscheidet sich Koffee für ein Image der Bescheidenheit. Als sie im Herbst 2018 bei Columbia einen Vertrag unterzeichnet, mit nur einem weiteren Song, "Raggamuffin", als Beleg ihres Potenzials, steigt der Major auf diese Humility-Story ein. Googlet man Koffee, findet man inflationär häufig Begriffe wie "humble" (bescheiden), "humiliate" (sich bescheiden zeigen) und "humbling" (bescheiden machen). Oder auch "down to earth" (bodenständig). Ihre ersten Interviews gibt sie zusammen mit ihrer Mama.

Gitarre zu spielen hat sich Koffee autodidaktisch beigebracht. Zum Texten von Songzeilen hat Protoje sie inspiriert. Sie behauptet sogar, jeden einzelnen Protoje-Song exakt zu kennen. Als sie zehn ist, wendet sich dieser jamaikanische Hip Hop-MC, dem Roots Reggae, also der ureigenen Musik seiner Insel, zu und bringt mit "7 Year-Itch" sein Debüt heraus.

Wie Protoje findet auch Koffee ihre Inspiration im Rap. Auch für Folk und Trap zeigt sie sich offen. Hauptsache, positive Vibes klingen darin an. Die Verbindung von Sprech-Elementen und Reggae-Rhythmus sieht sie durch U-Roy geknüpft, der seit den frühen 60er-Jahren aktiv ist und den man "Father of Deejaying" nennt. Auf ihn beruft sie sich, wenn sie vom "Singjayen" spricht.

Koffee gewinnt einen Schulwettbewerb, in dem Gedichtvorträge, Beatboxing, Singen und Rappen erlaubt sind. Mit 16 Jahren, als sie noch zur High School geht, hat sie bereits einen Manager: einen Musiklehrer ihrer Schule. Der kümmert sich um Fotoshootings und entwickelt mit ihr zusammen die Idee, dem Leichtathleten Usain Bolt, einer der berühmtesten Personen Jamaikas, einen Song zu widmen. So schreibt Schülerin Koffee das Stück "Legend" über die lebende Legende und führt den Song im Dezember 2017 im größten Stadion der Karibikinsel auf. Von diesem Moment an liebt die Presse sie, aber auch ein Talentscout von Columbia springt darauf an. Usain Bolt teilt das Video zum Song, und nach zwölf Stunden zählt der Clip 270.000 Klicks.

Der Song "Burning" dagegen handelt autobiographisch von Koffee selbst und davon, wie sie darauf brannte und daran scheiterte, einen höheren Bildungsweg (das 6th Form College, eine Art Mischung aus FOS und Universität für 16-Jährige) mit dem Berufsziel Apothekerin einzuschlagen. Die zweite Single "Raggamuffin" thematisiert die Rolle von Musik für die Sängerin und ihre Rolle in der Musik, also ein programmatischer Song über ihre weitere Karriere. Zeitgleich pusht Cocoa Tea sie beim großen Rebel Salute-Festival und holt sie im Rahmen seines Slots auf die Bühne, und Chronixx nimmt sie mit zu einer Radio-Akustik-Performance.

Auch wenn sich ihr weibliches Umfeld auf ihre Mutter, ihre Visual-Image-Beraterinnen und ihre beiden Background-Sängerinnen beschränkt (aber ihre Band The Raggamuffins aus männlichen Instrumentalisten besteht), meint sie, die Hürden als Frau im Business zu meistern. Sie glaubt, das Entscheidende sei ein Image zu kreieren. Das sei ihr gelungen, findet sie selbstbewusst.

Das Handwerk will sie dabei nicht vergessen. Sie schätzt Musik-Arrangements und Melodien, die ihr erlauben ihre Stimme "nach oben oder unten zu verschieben und Dinge auszuprobieren", erzählt sie dem deutschen Printmagazin Riddim, "je nachdem, wie ich mich an bestimmten Stellen im Song fühle".

Die 1,54 Meter kleine Sängerin zählt zum New Youth Movement in Jamaika, der Generation nach dem Roots Reggae Revival. Ihre dritte Single "Toast" produziert Major Lazer Walshy Fire. Als Vorbote zu ihrer ersten EP "Capture" erscheint Anfang 2019 die Single "Throne". Für den Sommer 2019 steht sie als Headliner beim zweitgrößten Reggae-Festival auf dem europäischen Festland, dem 34. Summerjam, auf dem Line-Up - unter dem Motto "A Way Of Life".

Ihren eigenen "Way of Life" stellt Koffee in den Dienst der Rastafari-Religion und folgt zugleich der Spontaneität des Freestyle-Rap: eine spannende Kombination.

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