laut.de-Kritik

Freshman-Status untermauert - straight outta jail!

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Steht ein Rapper abseits seiner Kunst ständig im öffentlichen Fokus, bedeutet das zumeist nichts Gutes für die Musik – und ebenso wenig für das Leben der Privatperson dahinter. Auf Kodak Black trifft diese Behauptung jedoch nur zur Hälfte zu. Denn während der 2016er-Freshman fortwährend mit der Justiz aneinandergerät, veröffentlicht er unbeirrt davon und sprichtwörtlich straight outta jail sein Debütalbum "Painting Pictures". Das mit der Kredibilität wäre also schon einmal geklärt. Und auch auf musikalischer Ebene liefert Kodak die Rechtfertigung dafür, als einer der vielversprechendsten Newcomer gehandelt zu werden.

Dabei bleibt sein Rap speziell und dürfte sicher nicht jedermanns Sache sein. Viele seiner teils wahnwitzig ignoranten Texte versteht man aufgrund seines Hangs, Wörter oder gleich ganze Satzteile zu verschlucken erst gar nicht. Sein Sound ist durchzogen von Dirty South-Anleihen und lange nicht so vorwärtsgewandt wie der vieler seiner Freshman-Cover-Kollegen. Kodak zeichnet sich allen voran dadurch aus, konsequent auf äußere Umstände zu scheißen (Stichwort "Tunnel Vision"). So erzeugt er eine Coolness, wie sie wahrscheinlich nur einer Jugendkultur entstammen kann.

"Just hopped off the plane I just got out about a day ago/ Everybody love me, when they see me they be like, "There he go!"/ Got me a new lady, we 'bout to take a trip to Mexico/ Crackers took my 40 so I'm 'bout to go buy a Draco", rappt er etwa auf dem abschließenden Song "There He Go" und verdeutlicht einmal mehr, wie wenig ihn Gefängnisaufenthalte und Medienhype zu tangieren scheinen. Das ist sowieso die große Stärke von "Painting Pictures": Kodak lässt seiner Kreativität freien Lauf, ohne jedwede Abstriche zu machen.

Diese Mentalität bugsierte seine hypnotische Single "Tunnel Vision" sogar in die Top Ten der Billboard-Charts. Dass Flötenbeats von Metro Boomin funktionieren, wissen wir zwar spätestens seit Futures "Mask Off", Kodak steht dem in Sachen Hitpotential jedoch in nichts nach: "My mama told me: "Kill these niggas, son, keep it goin'!"/ I'm thug to the bone, but I'm still her baby boy". Auch sonst prescht er mit seinem etwas ausufernd geratenen Debütalbum zumeist nach vorne: "Up In Here" kommt mit derartigem Bounce um die Ecke, dass man nicht weiß, ob der Song im Auto oder im Club besser aufgehoben ist.

Auch die spärlich gesetzten Gastauftritte überzeugen. "Top Off Benz" wäre zwar auf einem Thugga-Album besser aufgehoben gewesen, verschafft der Platte neben "Patty Cake" aber einen ihrer wenigen soften Momente. Zusammen mit Bun B findet auf "Candy Paint" der musikalische Schulterschluss zwischen alter und junger Garde des Südens statt und zeigt eindrucksvoll, wie nahtlos die Grenzen zwischen den Generationen verschwimmen können. Das einzige Manko an "Painting Pictures" bleibt tatsächlich seine Überlange. Trotz 18 Songs beträgt die Spielzeit zwar nur etwa eine Stunde – das Album wirkt dadurch aber reichlich ungeordnet und wild. Man könnten somit auch sagen: authentisch.

Wenn sich irgendwann also mal die Frage nach einem Nachfolger für Gucci Mane stellen sollte, dürfte ein Name vor allen anderen auftauchen: nämlich der von Kodak Black. Sicher auch wegen ungezwungen ikonischen Lines wie: "I love my baby girl pussy bald call her caillou. Das alles natürlich unter der Voraussetzung, dass Hip Hops Enfant Terrible zumindest im wirklichen Leben zur Besonnenheit gelangt. Musikalisch hingegen macht genau die Aufsässigkeit verdammt Spaß.

Trackliste

  1. 1. Day for Day
  2. 2. Coolin and Booted
  3. 3. Candy Paint (feat. Bun B)
  4. 4. Up In Here
  5. 5. U Ain't Never
  6. 6. Twenty 8
  7. 7. Patty Cake
  8. 8. Save You
  9. 9. Conscience (feat. Future)
  10. 10. Tunnel Vision
  11. 11. Corrlinks and JPay
  12. 12. Reminiscing (feat. A Boogie Wit Da Hoodie)
  13. 13. Side Nigga
  14. 14. Off The Land
  15. 15. Top Off Benz (feat. Young Thug)
  16. 16. Feeling Like (feat. Jeezy)
  17. 17. Why They Call You Kodak
  18. 18. There He Go

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