laut.de-Kritik

This is how the big boys do it!

Review von

Gene Simmons und Paul Stanley haben in den vergangenen vierzig Jahren so gut wie nichts ausgelassen. Unter dem Kiss-Banner rockend, legten sie Anfang der Siebziger den Live-Grundstein für jede Band, die heutzutage auf den großen Bühnen dieser Welt mit Feuer, Rauch und Licht experimentiert. Sie ließen zudem ihr Blut in den Marvel-Comic-Tintentopf einfließen, drehten sich für ein Trash-Movie ("Kiss Meets The Phantom Of The Park") spektakulär im Kreise und ermöglichten Bands wie AC/DC, Mötley Crüe, Iron Maiden, und Judas Priest ihre ersten Gehversuche vor größerem Publikum.

Wenn der Name Kiss erleuchtet, dann blitzt, donnert und scheppert es überall. Es fließt Blut, Gitarren werden zerschlagen, und wer nicht rechtzeitig in Deckung geht, der wird von tonnenweise Konfetti "erschlagen". Kein Wunder also, dass die "Hottest Band In The World" kurz vor der Rocker-Rente auch noch stilecht in Las Vegas einfällt.

Im November 2014 landen Gene, Paul, Eric und Tommy mit dem Kiss-Heli auf dem Parkplatz des legendären Hard Rock Hotel. Zum Beine hochlegen war man aber nicht angereist. Vielmehr ging es darum, der Glitter- und Glamourwelt von Las Vegas noch einmal zu zeigen, "how the big boys do it". Und so fährt man in der hauseigenen Konzert-Location (The Joint) neun Tage lang alles auf, was die Kiss-Maschinerie zu bieten hat. Meterhohe Flammensäulen, Pyro-Raketen, Gitarren-Blitze, hoch und runter fahrende Podeste und Konfetti-Kanonen - Kiss bringen alles an den Start und halten zur Freude aller Fans auch so ziemlich alles für die Nachwelt fest.

Musik gibt es natürlich auch auf die Ohren. Und die steht der beeindruckenden Performance, eingehüllt in Rauch und Nebel, in nichts nach. Mit einer erstaunlich "harten" Setlist im Gepäck lassen es Kiss bisweilen fast schon metallisch krachen. Kein Schunkel-Pop ("I Was Made For Loving You"), keine Herzschmerz-Ballade ("Beth") – stattdessen: Wummerndes aus dem Jahr 1982 ("Creatures Of The Night", "War Machine", "I Love It Loud"), rotziger 70s-Rock ("Parasite") und Flottes aus der Neuzeit ("Hell Or Hallelujah"). Mit viel Druck auf der Pfanne lassen die Herren so manch junge Heavyrock-Band ziemlich alt aussehen.

Tommy Thayer und Eric Singer präsentieren sich selbstbewusster denn je. Musikalisch waren sie den zwei Gründungsmitgliedern Peter Criss und Ace Frehley schon immer mehrere Nasenlängen voraus. Mittlerweile präsentieren sich die beiden aber auch in puncto Performance mit stolzgeschwellter Brust.

Gene und Paul muss man schon lange nichts mehr erklären. Der Demon trampelt in seiner aktuellen "Monster"-Rüstung wie ein Platinum-Godzilla über die Bühne, während Paul den glitzernden Front-Animateur mimt. Und die vielen Kameras fangen alles hautnah ein. Genes Nasenhaare, Pauls Perückenansatz, den EAN-Code von Tommys Gitarren-Rakete und die eingravierten Autogramme auf Erics Drumsticks: Mittendrin statt nur dabei. Wer Distanz und Unnahbarkeit bevorzugt, der wird hier auf eine harte Probe gestellt. Alle anderen reißen die Fäuste in die Luft und grölen mit. You Wanted The Best, You Got The Best ...

Kiss können ein weiteres Häkchen machen. Nun haben sie auch Las Vegas in Schutt und Asche gelegt. Well done! Kurz bevor sie wieder in den Heli steigen, lassen Gene, Paul, Eric und Tommy auch noch ein paar Akustik-Perlen vom Stapel. Feine Sache. Wenngleich: Oldschool-Schmankerl wie "Plaster Caster" oder "Love Her All I Can" hätte man auch gerne in den Distortion-Versionen willkommen geheißen. Aber das ist jetzt Meckern auf höchstem Niveau.

Trackliste

  1. 1. Detroit Rock City
  2. 2. Creatures Of The Night
  3. 3. Psycho Circus
  4. 4. Parasite
  5. 5. War Machine
  6. 6. Tears Are Falling
  7. 7. Deuce
  8. 8. Lick It Up
  9. 9. I Love It Loud
  10. 10. Hell Or Hallelujah
  11. 11. God Of Thunder
  12. 12. Do You Love Me
  13. 13. Love Gun
  14. 14. Black Diamond
  15. 15. Shout It Out Loud
  16. 16. Rock And Roll All Nite
  17. 17. Coming Home (acoustic)
  18. 18. Plaster Caster (acoustic)
  19. 19. Hard Luck Woman (acoustic)
  20. 20. Christine Sixteen (acoustic)
  21. 21. Goin' Blind (acoustic)
  22. 22. Love Her All I Can (acoustic)
  23. 23. Beth (acoustic)

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