laut.de-Kritik

Plätschert trotz Gästen wie Wyclef und Q-Tip belanglos vor sich hin.

Review von

Mit einer Festrede à la "Endlich ein Stück R'n'B, dem man keinen Eimer unterstellen muss, um nicht knöcheltief im Schmalz zu enden" und "Endlich ein Album, das mir den Glauben an ein ganzes Genre zurück gibt" hievte die geschätzte Kollegin Fromm vor wenigen Wochen "The Evolution Of Robin Thicke" auf den inoffiziellen laut.de-R'n'B-Thron. Meiner Wenigkeit bleibt eine solche Erfahrung leider verwehrt, auch nach Kevin Michaels Pop-Einheitsbrei warte ich weiterhin auf Erleuchtung.

Dabei beginnt die Geschichte auf den ersten Blick gar nicht so übel. Das Cover ist nicht gerade von schlechten Eltern, und Features mit dem letztjährigen Shooting-Star Lupe Fiasco und der lebenden Rap-Legende Q-Tip schüren Hoffnungen. Dass ein großer Name jedoch nicht zwangsweise für ein großes Lied steht, zeigt das von Wyclef Jean produzierte "It Don't Make Any Difference To Me", das Radio hörenden Autofahrern schon seit geraumer Zeit den letzten Nerv raubt.

Textlich spielt sich die Single mit dem Opener "We All Want The Same Thing", der auch schon auf der vorausgegangenen EP vertreten war, die Bälle hin und her, beide rufen zur Überwindung von Rassengrenzen auf. Dabei ist es nicht zuletzt Lupes Verdienst, dass "We All Want The Same Thing" noch den erträglichsten Track der Platte darstellt.

Das war es dann zunächst mit Anspruch, in der Folge dürfen die besagten Eimer aufgestellt werden. Erst bekommt der gute Kevin nicht "in the morning, in the evening", und auch nicht "in the bedroom, on the table" genug von dieser einen Frau, dann schmachtet er in Sehnsucht und fristet sein Dasein in Einsamkeit ("If I Ain't Got You"). Zwischendrin muss "Vicki Secrets" auch noch durchweg mit Kopfstimme dran glauben.

Dabei wurde offensichtlich tunlichst darauf Wert gelegt, nur die belangloseste und plätscherndste Untermalung für Kevin Michaels Singsang auszuwählen. Und überhaupt, man möge mich Banause schimpfen, aber was als "großartiges Falsett" angekündigt wird, zerrt nicht nur an meinen Trommelfellen, sondern lässt mich auch unweigerlich an frühere Haremswächter denken. Ein wenig mehr stimmliche Substanz würde dem jungen Mann auf jeden Fall gut tun.

Für mich persönlich die größte Enttäuschung ist "Too Blessed". Man sollte meinen, Q-Tip sei in einer Position, in der er sich aussuchen kann, welche Features er machen will und welche nicht. Obwohl Tip wie gewohnt seinen ihm eigenen Flow zum Besten gibt, hebt sich "Too Blessed" in keinster Weise vom vorangegangenen Einerlei ab.

Auf die wahrscheinlich gut gemeinte Wiederholung von "Weekend Jumpoff" – dieses mal mit Rapeinlage – als Hidden Track hätte ich auch dankend verzichtet. Denn bekanntlich ist gut das Gegenteil von gut gemeint. Das gilt auch für den Rest des Albums.

Trackliste

  1. 1. We All Want The Same Thing ft. Lupe Fiasco
  2. 2. It Don't Make Any Difference To Me ft. Wyclef Jean
  3. 3. Can't Get Enuff ft. Shorty Da Kid
  4. 4. Ha Ha Ha
  5. 5. Vicki Secrets
  6. 6. Hood Buzzin
  7. 7. Ain't Got You
  8. 8. Stone Cold Killa
  9. 9. Weekend Jumpoff
  10. 10. Love Letter
  11. 11. Ghost
  12. 12. Liquid Lava Love
  13. 13. Too Blessed ft. Q-Tip

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Kevin Michael

Fragt man Kevin Michael nach seiner allerersten musikalischen Inspiration, würde er wahrscheinlich ohne zu Zögern Patti Labelle nennen. Denn tatsächlich …

3 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Leider wiederholt sich das Spiel immer wieder. Ein großes Talent (Kevin Michael & Akin Dasan sind ein fesselndes Akustik-Live-Duo und Michaels de facto ein sehr guter Sänger) wird via Myspace entdeckt, bekommt einen Plattendeal, man holt sich schnell ein paar bekannte Produzenten ins Haus und schmeißt in Rekordzeit eine Platte auf dem Markt. Was bleibt, ist ein fader Nachgeschmack. Wer die Akustikstücke bzw. -liveshows kennt weiss erst, was hier wirklich verbockt wurde. Ich verweise:

    http://www.youtube.com/watch?v=R5ESnVa4eQE

    Schade.

  • Vor 11 Jahren

    Hi

    Also ich kann nicht nachvollziehen, warum das
    Album von Kevin Michael so schlecht geredet wird.
    Ich muss ehrlich sagen, dass ich Kevin Michael,
    bevor ich das Album entdeckte und mir spontan
    besorgt hab, nicht gekannt habe und was ich dann
    auf dem Album gehört habe, hat mich WIRKLICH
    positiv gestimmt.
    Ich bin ein sehnsüchtiger RnB Hörer und muss sagen, dass Kevin Michael mal wirklich ne Abwechslung für mich ist.
    Mir ging das ganze 08-15 gesinge von den ganzen
    anderen RnB Künstlern schon auf die Nerven.
    Nicht, dass die schlecht sind, aber nach einer Weile will man mal was anderes hören bzw. einen anderen Stil.

    @ Ken Park: hab mir den Link angeguckt. Ja stimmt, das ist wirklich gut, was er da live macht. Das Album ist trotzdem ziemlich spitze.

    Für mich persönlich ne erfrischende neue Stimme und vor allem ein cooler Stil!

    Ich kann den Kauf dieses Albums nur empfehlen!

    Cya

  • Vor 10 Jahren

    Ich kann das Album auch nur empfehlen, das ist eine Perle unter den ganzen 0815-Alben.