laut.de-Kritik

Die Dänen kreuzen Doom-Metal mit Indie. Verrückt.

Review von

Doom-Metal und Indie-Rock. Mein Gott, was für eine Mischung. Das soll wirklich gut klingen? Scheiße ja! Warum kam eigentlich vorher noch niemand auf diese Idee? Vermutlich, weil die beiden Richtungen kaum gegensätzlicher sein könnten. Aber das ist jetzt auch schon egal, denn Kellermensch bringen die tiefe und langsame Düsternis des Doom und die lockere und melodiöse Entspanntheit des Indie zusammen. Eine manische Symbiose, die sich gewaschen hat.

Leise rasselt im "Intro" der Schellenkranz, die E-Gitarre groovt, Piano und Snare akzentuieren, der Bass setzt ein und unterstützt lässig das Riff. Dann fängt Christian Sindermann an zu keifen. In übelster Metal-Manier kotzt er sich aus. Ein Break: Klavier und Streicher säuseln melancholisch, vom Kontrabass unterstützt, vor sich hin. Dann wieder alles von vorn. Was zum Geier war das?

Im nächsten Track, "Moribund Town", darf endlich Sebastian Wolff mit seiner gelangweilten und traurigen Stimme ran. In einer schönen Metapher beschreibt er, was wir im Laufe der CD zu hören bekommen: "A spider is spinning out of boredom and the web it stretches all around town." Weg vom Rock-Einerlei. Raus aus der Langeweile. Wie eine Spinne haben die Dänen ihr Netz zwischen den Genres im großen Rock-Universum gesponnen.

Die leicht folkige Single "Army Ants" könnte auch gut von Arcade Fire sein, wenn Sindermann nicht wäre, der zwischen Wolffs traurigen Melodien "March!" brüllt. Das Bass wummert so dermaßen tief, dass der Brustkorb vibriert. Kein Wunder: Kellermensch haben zwei Bandmitglieder, die in die tiefen Saiten hauen. Claudio Wolff Suez spielt seinen E-Bass wie ein Maschinen-Gewehr, John V. Laursen zersägt dazu seinen Kontrabass.

Noch tiefer und grummeliger wird es bei "The Day You Walked". Schleppend quält sich der Gesang über einzelne Bass-Gewitter voran, während eine Violine tragisch jammert. "I've gotta go find your heart and take it back from him / You need to keep it to yourself / You need to break it into two / And give one to me." Auch textlich geht es so düster zu, wie der Name Kellermensch es verspricht.

Nach dem Sludge-Monster "Dead End", dass mit einem chaotischen Klavier-Solo aufwartet, wird es mit "Narcissus" schon direkt heimelig. Leise klimpert das Piano, bis sich E-Gitarre und Schlagzeug lässig groovend zurückmelden. "All Time Low" erinnert an Fucked Up: Hardcore-Geschrei meets Indie-Geschrammel. "Rattle The Bones" wird zum Ende hin erhaben hymnisch und das Neil Young Cover "Don't Let It Bring You Down" zeigt, dass dem alten Meister auch fette Gitarrenwände stehen würden.

Allen Songs gemein ist die dunkle Stimmung, der langsame Beat, die melancholischen Melodien und die Vielschichtigkeit innerhalb der Lieder. Bei aller Melancholie und Traurigkeit hört man immer wieder eine große Portion Stolz heraus, sei es in den Texten oder in den Streicher-Melodien. Wenn wir schon durch die Scheiße gehen, dann wenigstens mit erhobenem Kopf und Kellermensch im Ohr.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Moribund Town
  3. 3. Army Ants
  4. 4. Nothing Left
  5. 5. The Day You Walked
  6. 6. Dead End
  7. 7. Narcissus
  8. 8. Black Dress
  9. 9. All Time Low
  10. 10. Rattle The Bones
  11. 11. Don't Let It Bring You Down
  12. 12. 30 Silver Coins

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