laut.de-Kritik

Bumms-Beats regieren mit eherner Hand.

Review von

"We control the dancefloor!", autotunet Kelis am Ende von "Intro" und übt sich schon zu Beginn des Albums in Prophetie. "Flesh Tone" geht den mit "Kelis Was Here" eingeschlagenen Weg konsequent weiter, mit allen dazugehörigen Begleiterscheinungen. Leider.

Dance- und Clubsounds dienten vor vier Jahren lediglich zur Untermalung und Anreicherung ihrer eigenen Definition von Soul, R'n'B und Konsorten. In der Gegenwart angekommen, schielt sie mehr denn je auf den finalen Charts-Durchbruch. Der soll nun auf Will.I.Ams Label und unter Zuhilfenahme derzeit angesagter Produzenten gelingen.

Das Endergebnis klingt dementsprechend. So entstand ein reines Producer-Album. An sich nicht so wild, wenn die beteiligten Protagonisten sich nicht redlich bemühen würden, jedwede musikalische Identität aus Mrs. Jones heraus zu quetschen. Das Diktat des Bumms-Beats regiert mit eherner Hand.

Die schwingt irgendwo aus einer verkoksten Großraum-Disse auf Ibiza die verschwitzte Faust. Die Maschine bollert mit gnadenlosen four to the floor-Stupiditäten gegen Kelis' Stimmbänder an; Songideen darf man hier getrost mit der Lupe suchen.

Das optische Drumherum geht mit dem Nullniveau der Scheibe einher. Futuristisch soll es zugehen im Kelis-Universum, aufgepumpte Titties inklusive. Der Image-Duktus passt sich demjenigen an, den ihr Labelboss für die unsägliche letzte BEP-Kacke aufs Tablett gehoben hat. Dort war vom "next level shit" die Rede, nicht wissend, dass die Betonung auf Letzterem liegt.

Textlich darf man sich ebenfalls gepflegt das Brett vor den Kopf hauen. Was die gute Frau da in "22nd Century" vor sich hin debilisiert, erhebt einen DJ Bobo im Duett mit Dieter Bohlen zu Schiller und Goethe der Poplyrik.

Die Kakophonie umschließt zu Beginn und am Ende ein Song-Sandwich, das fast noch als ok durchgehen könnte. Der als "Intro" getarnte Opener kommt mit schleppendem Beat und rauchig dahin gestöhnten Zeilen ganz gut an, das Ende ziert der beste Track, die Ode an das Neugeborene Söhnlein Knight. Im fluffigen Disco-Outfit macht Kelis eine gute Figur.

Dazwischen tummelt sich leider eine scheinbar nicht enden wollende musikalische Ödnis. Obwohl die Spielzeit des Albums gerade einmal lächerliche 37 Minuten beträgt. Sowohl künstlerisch als auch von der Quantität her bleibt "Flesh Tone" fast alles schuldig.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. 22nd Century
  3. 3. 4th Of July (Fireworks)
  4. 4. Home
  5. 5. Acapella
  6. 6. Scream
  7. 7. Emancipate
  8. 8. Brave
  9. 9. Song For The Baby

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24 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    Das Album ist eine totale Überraschung. Eine Tour de Force in Sachen Club Sounds.
    Da sollte man wirklich mal reinhören... gerade die erste Hälfte überzeugt gekonnt mit den Übergängen von Lied zu Lied.
    Ich finde es top!

  • Vor 8 Jahren

    das in letzter zeit immer mehr Künstler auf Electrobeats setzen ist eigentlich gar nicht so schlimm , denn zwischendrin findet man doch einige perlen wie bei den black eyed peas rock this body und bei kelis eben 4th of july . Schade dass damit aber der ursprüngliche charme flöten geht und nun auf den (dancefloor)grund geht.

    Erfolg ist halt nunmal eine Sache des Geldes und Geld regiert die Welt . Der Todeskreis eines jeden Musikers bzw angehenden Künstlers.

    Man kann sich dem aber auch entziehen und trotzdem Geld verdienen , was Editors und Muse beweisen.
    Somit stellt sich die Frage nach dem warum.
    Man darf gespannt sein........

  • Vor 7 Jahren

    Diese Bwertung kann ich absolut nicht nachvollziehen. Für mich ist "Flesh Tone" eines der besten Alben von 2010.