laut.de-Kritik

Eher für Englisch-Muffel zu empfehlen.

Review von

Mary Pickford aß Rosen, denn sie dachte, die würden sie schön machen, und es ist anzunehmen, dass sie es auch taten. Douglas Fairbanks sah sehr gut aus. Er trug einen Schnurrbart, hatte wohl auch viel Geld, eine Riesensumme. Charlie Chaplin wurde eingeladen, als diese Künstler sich vereinten.

Ich frage mich ehrlich, was der Schreiber, in diesem Fall nicht Katie Melua selbst, sondern Mike Batt, mir damit sagen will. Gut, United Artists ist eine US-amerikanische Filmgesellschaft, 1919 gegründet eben von Mary Pickford, Douglas Fairbanks, Charlie Chaplin und D.W. Griffith. Meine Vermutung ist daher, dass der Verfasser von "Mary Pickford" ein Fan alter Filme ist. Ich bezweifle nur stark, ob ein Schnurrbart oder eine Vorliebe für Rosen die Dinge sind, mit denen diese Schauspieler im Gedächtnis bleiben möchten.

Der Song bleibt auch nicht das einzige Verbrechen, anders ist es nicht zu nennen, von Mike Batt auf dieser Platte. "You are the angel with whom I would gladly live in sin, thanks for being exactly what it says on the tin" oder auch "In your arms I'm not afraid when the aliens invade. And the vampire's just a joke 'cause I know he's just a bloke" auf "What It Says On The Tin" und "Scary Films". Diese Texte sind nicht nur lyrischer Blödsinn, nein, sie verderben auch den Spaß an Katies wirklich wunderschöner Stimme.

Dass sie selbst viel bessere Songs schreiben kann, beweist sie etwa mit "What I Miss About You", in dem es um das Ende einer Beziehung geht. Doch nicht nur der Text berührt tief, es ist vor allem die intensive Mischung aus Sehnsucht und Wut, mit der Katie das Lied interpretiert.

Es ist auch bei anderen Stücken ihre Stimme, vor allem aber die Art, wie sie die Gefühle so echt darin transportiert, die das Album wirklich hörenswert machen. "Perfect Circle"etwa, in dem sie wütend aus der kleinen perfekten Welt ausbrechen will, oder "It's All In My Head": dort stellt sie traurig fest, dass ihre große Liebe nur eine Illusion ist.

Am besten kommt Katies Stimme dann zum Tragen, wenn sie nur von Gitarre und Schlagzeug unterlegt ist. Aber auch die sanften Geigen auf "If You Were A Sailboat" oder die Trompeten in der leicht Reggae-angehauchten Nummer "Ghost Town" harmonieren sehr schön mit ihrem Organ. Ein echter Ohrwurm ist die Melodie von "If The Lights Go Out" - hier zeigt Mike Batt, dass er durchaus auch Texte schreiben kann, die Sinn machen.

Insgesamt ist "Pictures" eine schöne Platte, musikalisch und stimmlich sehr schön komponiert und interpretiert. Nur die Texte hinterlassen teilweise einen bitteren Nachgeschmack und ruinieren die Freude daran, einfach nur dieser sanften, gefühlvollen Stimme zu lauschen. Eher für Englisch-Muffel zu empfehlen.

Trackliste

  1. 1. Mary Pickford
  2. 2. It's All In My Head
  3. 3. If The Lights Go Out
  4. 4. What I Miss About You
  5. 5. Spellbound
  6. 6. What It Says On The Tin
  7. 7. Scary Films
  8. 8. Perfect Circle
  9. 9. Ghost Town
  10. 10. If You Were A Sailboat
  11. 11. Dirty Dice
  12. 12. In My Secret Life

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18 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Also ich finde man kann es kurz und kanpp sagen: Klasse Album was sicher nie eine staubschicht auflegen wird bei mir :D

  • Vor 12 Jahren

    Hallo,

    ich denke das das dieses Album sehr gut vertont sind, jedoch sind einige texte komisch. Sicherlich ist das auf Mike Batt Zurückzuführen, aber ich frage mich was in seinem Kopf vorgeht, wenn er z.B. in einem Lied gleichzeitig von Horror und Liebe spricht. Das is reichlich seltsam. auch wenn dieses lied eine geschichte beschreibt, gehört dieser skurrile humor nicht in ein liebeslied.

    gruss forestman

  • Vor 12 Jahren

    Auch wenn der Kommentarthread etwas älter ist...

    Zum handwerklich guten Verfassen von Songtexten lese man das Buch "Songtexte schreiben. Handwerk und Dramaturgie" von Masen Abou-Dakn, selbst Musiker und Songschreiber. (Nein, ich bin nicht mit ihm identisch oder verwandt und verdiene nichts am Kauf seines Werks ;).)

    Mir gehts bei Musik ums Gesamtkunstwerk - da muss alles passen. Auch wenn etwas schön klingen mag, ein guter Text gehört für mich bei einem GUTEN Song dazu. Im Idealfall.

    Wie das bei den Songs von Melua und Mitarbeitern ist, weiß ich noch nicht, kenne von ihr bislang nicht viel. Das erste Album fand ich etwas langweilig. Sorry.