laut.de-Kritik

Mob-Gesang: Poppiger als das Debüt, aber trotzdem gut!

Review von

"Ruby, Ruby, Ruby, Ruby" tönt es derzeit aus allen Lautsprechern. Die erste Single-Auskopplung der neuen Kaiser Chiefs-LP "Yours Truly, Angry Mob" sorgt gerade für mächtig Wirbel um den Leeds-Fünfer und verschafft den Jungs enormes Airplay auf sämtlichen Musikkanälen – es handelt sich ja schließlich um das langerwartete erste Lebenszeichen der Briten seit dem 2005er Durchstarter-Debüt "Employment".

Immer wieder hört man, das zweite Album sei das Schwerste, eine harte Bewährungsprobe für aufstrebende Bands sozusagen. Ich bin mir allerdings recht sicher, dass sich die Kaisers für solche Musikweisheiten nicht im geringsten interessieren. An Selbstbewusstsein mangelt es den Brit-Hipstern nämlich nicht. Wie wir wissen, ist es ihr selbsterklärtes Ziel als "Indie-Band die Weltherrschaft zu übernehmen" – nicht gerade bescheiden! Aber abgesehen davon machen Ricky, Whitey, Simon, Peanut und Nick auf "Yours Truly, Angry Mob" allesamt eine schneidige Figur.

Lassen wir die Katze aus dem Sack: Das Zweitwerk ist etwas poppiger als der Erstling. Um gleich noch hinterher zuschieben: Das ist keine böswillige Kritik! Im Vergleich zum Erfolgs-Debüt sind die neuen Tracks melodischer und harmonischer. Weniger drängelnde und hektische Punk-Rhythmen, dafür etwas mehr Pop-Attitüde. Und immer noch singen die Kaisers über die erlebten Alltagsgeschichten, über Frauen und Beziehungen, ab und an auch über Ruhm und Geld, aber meistens eben über Frauen. Und das können sie auch wirklich gut: alltägliche Storys interessant vertonen und Mädchen damit noch charmant einwickeln.

Vielleicht eröffnet die LP auch deshalb mit dem Song "Ruby". Ich sehe Indie-Girls reihenweise tanzen und gutgelaunt mitträllern: "Ruby, Ruby, Ruby, Ruby. Aha, Aha, Aha. Do you, do you, do you, do you? Aha, Aha, Aha. Know what you're doing doing to me?"
Allerdings müsste der Song für meinen Geschmack einen Zacken schneller sein, dann würde er sein volles Tanzfeger-Potential entfalten. Der Reigen der Liebeslieder setzt sich mit "Love's Not A Competition (But I'm Winning)" fort – diesmal jedoch getragen und leidend.

Die schmissigeren, flotteren Tracks im Stile "Everyday I Love You Less And Less" oder "I Predict A Riot" findet man aber dennoch. "Thank You Very Much" ist zum Beispiel so einer, zackig und drängelnd. In Sachen Schmissigkeit kommt hier auf jeden Fall auch "The Angry Mob" ran. Der Song baut sich langsam auf und mündet am Ende in aufgebracht-offensive Kaiser Chiefs-Parolen – Mob-Gesang eben und zwar in kruder Pöbel-Manier. "Highroyds" erinnert schwer an "Saturday Night" und "Na Na Na Na Naa" – ein rasantes Uptempo-Stück, klingt sehr energiegeladen.

"Learnt My Lesson Well" gehört zu den flockig, poppigen Rock-Stücken, mit mächtig Ohrwurm-Qualität und catchy Refrain, so auch "Heat Dies Down". "Try Your Best" fällt in die Kategorie der harmonischen und soften Mitsing-Songs. In "Retirement" ist dann wieder mehr Rock'n'Roll angesagt. Der Track ist sehr gitarrenlastig und beschließt das Album mit reichlich energiegeladenem Instrumental-Outro.

"Yours Truly, Angry Mob" knüpft an das Erfolgsprinzip von "Employment" an: tanzbarer Indie-Rock mit offensichtlichem Hit-Potential. Letzteres ist beim Nachfolger noch ausgeprägter, denn die Songs sind etwas poplastiger und werden in nächster Zeit sicher nicht nur ab und an aus den Radiokanälen dudeln!

Trackliste

  1. 1. Ruby
  2. 2. The Angry Mob
  3. 3. Heat Dies Down
  4. 4. Highroyds
  5. 5. Love's Not A Competition (But I'm Winning)
  6. 6. Thank You Very Much
  7. 7. I Can Do It Without You
  8. 8. My Kind Of Guy
  9. 9. Everything Is Average Nowadays
  10. 10. Learnt My Lesson Well
  11. 11. Try Your Best
  12. 12. Retirement

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6 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Was für ein Nachfolgealbum. Ich teile fast die Meinung mit laut.de. Allerdings finde ich das Album nicht so extrem poppig wie beschrieben. Meiner Meinung nach reiht sich "Yours Truly, Angry Mob" nahzu nahtlos an "Employment" an. Fazit: Ich liebe es, ein KC-Fan zu sein.

  • Vor 12 Jahren

    Mir klingt das Album zu sehr nach Kaiser Chiefs :D

  • Vor 12 Jahren

    Finde es auch sehr sehr geil! Zwar nicht ganz so rockig wie das erste, aber trotzdem ein gelungener Nachfolger!

  • Vor 12 Jahren

    @Z103 (« Was für ein Nachfolgealbum. Ich teile fast die Meinung mit laut.de. Allerdings finde ich das Album nicht so extrem poppig wie beschrieben. Meiner Meinung nach reiht sich "Yours Truly, Angry Mob" nahzu nahtlos an "Employment" an. Fazit: Ich liebe es, ein KC-Fan zu sein. »):

    geht mir genauso :D
    angry mob braucht seine zeit, bis es zündet...
    aber dann... ABER DANN!! :koks:
    genial

  • Vor 12 Jahren

    hm...was isn hier los??
    Nur so wenige Statements - gibs no nen forum???

    Dieses Album ist ziemlich gut. Mir gefällts zehnmal besser als Employment mit dem ich mich gar net anfreunden konnte. Highlight: Learnt your lesson well...kein andres Album erinnert mich so stark an Beatles. Ich will nicht Kaiser Chiefs auf eine Stufe mit Beatles setzen, aber sie sind in der Richtung. Weiter so...

  • Vor 12 Jahren

    hm...was isn hier los??
    Nur so wenige Statements - gibs no nen forum???

    Dieses Album ist ziemlich gut. Mir gefällts zehnmal besser als Employment mit dem ich mich gar net anfreunden konnte. Highlight: Learnt your lesson well...kein andres Album erinnert mich so stark an Beatles. Ich will nicht Kaiser Chiefs auf eine Stufe mit Beatles setzen, aber sie sind in der Richtung. Weiter so...