laut.de-Kritik

Wenn Banger rebellieren, gerinnt nicht nur die Milch.

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"Rebellismuss", gab KC Rebell vor gar nicht allzu langer Zeit erst die Parole aus. Jetzt rebelliert er schon wieder, inzwischen unter Farid Bangs Banner Banger Musik. Dass er sich den Rummel um den Kollegen und dessen Kollegah-Kollabo "Jung, Brutal, Gutaussehend 2" zunutze machen möchte, gibt er unumwunden zu. "Es lag nah, den Farid mit draufzunehmen, um eventuell von seinem JBG-Hype zu profitieren und ihn ein bisschen auszuquetschen." Wie Marteria und Peter Fox schon empfahlen: "Nimm die Welle mit, bis die Welle bricht."

Hach, Ehrlichkeit ist doch immer etwas Schönes. Außerdem liefert sie endlich einmal eine andere Erklärung dafür, warum um alles in der Welt man Farid Bang als Gast ans Mikrofon bitten sollte, als die einzige, die sich mir bisher aufdrängte: Neben Farid strahlt fast jeder. In "Kanax In Paris" liefert der Banger ein Beispiel seiner lyrischen Ader, das tatsächlich meine bisherige Farid-Lieblingszeile ablösen könnte: "Nachdem ich mit Heidi Klum penn', komm' aus der Scheide von Heidi Klum-pen." Ja. Da gerinnt offensichtlich nicht nur die Milch.

"Banger Rebellieren", behauptet KC Rebell diesmal und inszeniert sich als "RapRebellizzzy". Ein bisschen Rebellion könnte eigentlich nicht schaden. Frischer Wind für die gut eingefahrenen Straßen: Dagegen wäre überhaupt nichts einzuwenden. Schade bloß, dass (außer KCs tumber Anhängerschaft vor geplanten Autogrammstunden) niemand rebelliert. Von revolutionärem Gedankengut keine Spur: "Banger Rebellieren" wandelt ausschließlich auf ausgetretenen Pfaden. KC Rebell liefert großspurige Posen auf der einen, reuige Tiraden auf der anderen Seite.

Die Kluft dazwischen überbrückt mit "Alle Blicke Auf Uns" der übliche Vorspann zu einem ausufernden Clubwochenende: "Heute rebellieren wir. Wir feiern." Aha, "Saufrausch" im Kreise der Kumpels Jimmy, Jacky und Johnny, zumal noch arbeitgeberfreundlich am Wochenende zelebriert, geht jetzt auch schon als Aufstand durch, oder was? So wird das aber nix, mit dem Umsturz.

Sobald es um zwischenmenschliche Interaktion geht, die nicht darin besteht, der Konkurrenz verbal aufs Maul zu hauen, scheint "Es tut mir leid" die einzige Haltung zu sein, derer KC Rebell fähig ist. "Weisst Du Noch"? Die zerbrochene Beziehung mit der Ex? "Es tut mir leid." Die Unfähigkeit, eine "Entscheidung" zu treffen: "Es tut mir leid." Den Kummer, den er seiner Familie beschert hat? Diese Nummer heißt folgerichtig gleich so: "Es Tut Mir Leid". Ja, Mensch. Das tut mir jetzt aber leid.

Leichter lassen sich die härteren Tracks aushalten, wenn auch da reichlich Luft nach oben offen bleibt. Eigentlich eine nette Idee, sich im Rahmen einer "Anhörung" vor Gericht gegen diverse Anschuldigungen - darunter der Vorwurf der Schwulen- und Frauenfeindlichkeit - zur Wehr zu setzen. Allerdings offenbart schon die Umsetzung Schwächen. Hat sich für den Part des Fragestellers wirklich niemand auftreiben lassen, der akzentfreies Deutsch beherrscht? Ein Staatsanwalt oder Richter, der Sätze rauskloppt, wie: "Und warum tun Sie Rapper namentlich zu Brei machen?" Sorry, Jungs. Das wirkt wie Rollenspiel im Sozialkundeunterricht.

"Sky Is The Limit", der eigene Operationsradius reicht über "dicke Schlitten und Frauen mit dicken Titten" aber nicht hinaus. "Ich bin Organ-Mafia", behauptet der "Raprebellizzzy". "Stech' in deine Leber und deine Milz, Mann, und stecke dir dein Schädel in dein Hintern, neben dem Blinddarm." Angesichts zweifelhafter Anatomiekenntnisse hätte ich eher Bedenken, ob KC Rebell besagte Organe überhaupt auffinden würde. Vielleicht hilft dabei ja ein "Stathoskop". Was das sein mag, habe ich nicht herausgefunden. Immerhin habe ich mit "Kamehameha" eine schöne neue Vokabel aufgeschnappt, die auch tatsächlich existiert. Man kann doch wirklich überall noch etwas lernen.

Echt schade, dass KC Rebell nirgends ausbricht. Der Grant in seiner Stimme und sein routinierter Flow lassen ihn nicht nur neben Farid Bang oder Schwesta Ewa einprägsam erscheinen (Ewas Mut, sich 2013 hinzustellen und original wie Cora E. zu klingen, deren Rap man nur unter dem Gesichtspunkt ertragen kann, dass es in den 90ern hierzulande wenig besseres gab, könnte man allerdings fast bewundern).

Doppelt schade, dass KC Rebell auch in den gefühlsduseligen Nummern nicht tiefer schürft. Wenn er zusammen mit Vega und PA Sports anreißt: "Ich bin psychisch ein Wrack, trage Markenklamotten, aber fühle mich nackt", hätte man den Gedanken, woran das liegen könnte, doch gerne verfolgt. Statt dessen läuft im "Kopfkino" immer der gleiche langweilige Film mit den "Löwen unterm Volk".

Dreifach schade, weil sich der Verdacht nicht abschütteln lässt, dass in KC Rebell eigentlich ein origineller Vogel steckt. Die Skits - auf Deutschrap-Alben in aller Regel lahme Insider-Witzchen - lassen es zumindest vermuten. Sie gestatten, fingiert oder nicht, amüsante Einblicke in den Produktionsprozess.

Da lässt er einen Freestyle vom Stapel, zu dem Juh-Dee den Beat auf Zuruf zusammen baut, oder entschlummert, während der Produzent Pizza holen geht, im Studio in süße Traumwelten. "Wie hast du denn aufgenommen? Du weißt doch gar nicht, wie das geht!" Ein anderer Zwischenruf spricht aus der Seele: "Hau' doch mal auf den Putz! Das Album heißt doch 'Banger Rebellieren', oder nicht?" Er verhallt aber ungehört.

Es bleiben die üblichen Ungereimtheiten. Zusammen mit RAF Camora bemängelt KC Rebell in "Größenwahn" zwar "1000 Tracks über Sex, Drogen und Selbstmord", bietet aber selbst nicht viel Spannenderes. "Ich nehm' kein' Hintereingang, wenn es auch von vorne geht", präsentiert er sich in "Anhörung" "hundert Prozent Schwanz in die Scheide", nur um im Folgenden Ärsche im Akkord zu penetrieren wie ein gefragter Gay-Porno-Darsteller. Vielleicht steckt die ständig versprochene Rebellion ja dort irgendwo.

Trackliste

  1. 1. Intro
  2. 2. Anhörung
  3. 3. Banger Rebellieren
  4. 4. Kanacks In Paris feat. Farid Bang
  5. 5. RapRebellizzzy
  6. 6. Skit Freestyle
  7. 7. Weisst Du Noch
  8. 8. Größenwahn feat. RAF Camora
  9. 9. Skit
  10. 10. Sky Is The Limit
  11. 11. Entscheidung
  12. 12. Skit Traum
  13. 13. Alle Blicke Auf Uns
  14. 14. Falsche Schlangen feat. Schwesta Ewa
  15. 15. Es Tut Mir Leid
  16. 16. Kopfkino feat. Vega & PA Sports
  17. 17. Erst Hassten Sie

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