laut.de-Kritik

Selbst bei den beiden Franzosen ist nicht alles Gold, was glänzt.

Review von

Die beiden Franzosen Gaspard Augé und Xavier de Rosnay von Justice dachten sich wohl, dass man Traditionen beibehalten soll. Ein oder zwei Jahre nach jedem Studio-Album veröffentlichen sie eine Live-Scheibe. Nach "A Cross The Universe" und "Access All Arenas" steht nun "Woman Worldwide" in den Regalen. Doch wer sich dieses Live-Album gewünscht hat, wird enttäuscht sein – das vorliegende Machwerk versteht sich als eine Remix-Arbeit.

Die Schuld hierfür trägt der Perfektionismus des Duos. Gedacht als eine musikalische Rückblende der letzten zehn Jahre nahmen sie ihre Erkenntnisse aus Konzerten und Auftritten mit ins Studio, um sie dort zu verfeinern. Auf rund 90 Minuten und zwei CDs aufgeteilt, kredenzen uns Justice einen extrem tanzbaren und durchweg polierten Mix aus ihrem bisherigen Schaffen.

Die ersten beiden Tracks grooven noch recht entspannt und sorgen für einen netten Einstieg, bis dann "Canon x Love S.O.S." das Tempo anzieht. Doch die Verschmelzung der beiden Songs findet recht spät statt. Das ist generell einer der Kritikpunkte: bei den Mashups mit nur zwei Liedern gewähren Justice jeweils viel Raum, ehe sie diese endlich zusammenführen und sich daraus eine fruchtbare Symbiose ergibt.

"Heavy Metal x DVNO" ist die positive Ausnahme aufgrund der Endpassage, wenn nach den Zeilen "That I'm losing my patience / I just came here to bounce" die unheilvoll-hektischen Streicher von "Stress" hereinbrechen und Chaos verbreiten. Einer der unzähligen gelungenen Übergänge auf "Woman Worldwide".

Mit den alleinstehenden Songs gehen Justice behutsam um, verfeinern sie um smarte Dynamik: Dort mal ein bisschen kratziger, hier ein wenig druckvoller. Als Paradebeispiel dient "Randy" mit fiesen "Human After All"-Synthies. Ab der Mitte erfolgen ein Rhythmuswechsel, ein gemächlicher Beat und gehäckselte Vocals.

Am besten funktioniert dieses Album, wenn sich drei Songs überlagern: bei "Pleasure x Newjack x Civilization" hält Newjack die beiden Vocal-Tracks wunderbar beieinander, in "Waters Of Nazareth x We Are Your Friends x Phantom 2" peitschen die rauen Filter-House-Synthies nach vorne und ein treibender Beat ergänzt diesen phänomenalen Rave. Ausgerechnet das finale Stück "D.A.N.C.E. x Fire x Safe And Sound" bringt alle Stärken der Franzosen wunderbar zum Ausdruck. Hier stimmt einfach alles – Tempowechsel, übergreifende Melodien, Einsatz der Vocals. Ein Meisterstück.

"Woman Worldwide" ist somit eine sehr gute Remix-Mashup-Compilation, die richtig viel Spaß bringt, doch im tiefsten Inneren ohne Seele bleibt, weil der Live-Mitschnitt fehlt. Wer jemals bei einem Justice-Konzert dabei war und die überbordende Ekstase miterlebt hat, der weiß, dass das vor allem an den euphorischen Ausrufen des Publikums liegt. Diese spezielle Atmosphäre geht diesem Studiowerk leider ab. Darüber hinaus verlieren Justice den direkten Vergleich mit Daft Punks "Alive 2007", das immer noch der unerreichte Meilenstein im Bereich Live-Remix-Alben elektronischer Musik ist.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Safe And Sound
  2. 2. D.A.N.C.E.
  3. 3. Canon x Love S.O.S.
  4. 4. Genesis x Phantom
  5. 5. Pleasure x Newjack x Civilization
  6. 6. Heavy Metal x Dvno
  7. 7. Stress
  8. 8. Love S.O.S.
  9. 9. Alakazam ! x Fire

CD 2

  1. 1. Waters Of Nazareth x We Are Your Friends x Phantom 2
  2. 2. Chorus
  3. 3. Audio, Video, Disco
  4. 4. Stop
  5. 5. Randy
  6. 6. D.A.N.C.E. x Fire x Safe And Sound

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