laut.de-Kritik

Being creative: Jan Delays Drummer solo.

Review von

Die Story geht so: Nachdem er für seine Disko No. 1 einen neuen Drummer gesucht und daraufhin Jost Nickel vorgespielt hatte, beließ es Jan Delay mehr oder weniger bei einem Wort: "Derbe". Passiert vor der Tour zum Album "Mercedes Dance".

Und so gehört Nickel zu jenen Profimusikern, dessen Name eher wenige bewusst kennen, den aber schon viele live gehört oder gesehen haben. Vor seinem Disko No.1-Engagement fungierte der Schlagzeuger u.a. als musikalischer Leiter der Mousse T.-Tour. Er spielte für Schlagergrößen wie Howard Carpendale, aber auch für Schiller, Marla Glen, Sasha oder sprang bei Seeed ein.

Der gebürtige Kieler gehört daneben zu jenen deutschen Topdrummern, die auch in der internationalen Schlagzeugszene einen guten Namen haben: Drum-Clinics dies- und jenseits des Atlantiks, Dozent an der Mannheimer Popakademie. Nickel hat eine eigene Signaturesnare, Signaturesticks, mehrere Lehrbücher veröffentlicht und schreibt für verschiede Drummagazine. Ein Allrounder eben, dem vor allem eines wichtig ist: Being creative.

Da passt ein Solodebüt, das vor allem eines dokumentiert: zeitlose Musik jenseits angesagter Trends. Diese pendelt auf Albumlänge zwischen der spielerischen Komplexität und melodiösen Expressivität des Jazz sowie einer gewissen poppigen Eingängigkeit. Auch, wenn der Schwerpunkt auf Ersterem liegt. Denn Deutschrap-Kids oder K-Pop-Fans dürften zu dieser instrumentalen Platte eher schwerlich Zugang finden: Zumal gerade ein Song ("Transparent") unter vier Minuten bleibt, der Rest macht es quasi nie unter fünf, eher sechs.

Komplexe Arrangements, viele anspruchsvolle Soli und kompliziertere Rhythmuskonzepte: Jeder der beteiligten Musiker, und davon gibt es viele, bekommt reichlich Gelegenheit, sich zu entfalten und spielerisch zu glänzen. Zwischen den Polen Jazz und Pop findet sich auch kraftvolle Fusion- und Funk-Parts ein, etwa bei "Cookies", "I Understand" oder dem Titeltrack.

Nickel präsentiert sich solo durchweg als sehr musikalisch denkender und songdienlich agierender Drummer, der sein tightes Spiel und technische Finesse meist unaufdringlich entfaltet. Hört man genauer hin, offenbart sich dies beispielsweise in der Hi-Hat-Arbeit oder diesem und jenem Fill. Bei tendenziell ruhigeren Songs wie dem luftigen "The Space" oder "Bloon" zeigen sich seine Fähigkeiten noch deutlicher. Bei Letzterem lässt Jost auch mal selbst ein starkes Solo von der Leine.

Die Basics der meisten Stücke entstanden in Sessions mit Gitarrist Dirk Berger, der u.a. für Marteria oder Peter Fox produzierte, und Basser Mark Smith (Johannes Oerding). Weitere Titel gehen auf die Zusammenarbeit mit Ali Busse (Bass bei Jan Delay) und Gitarrist Markus Bak zurück. Ein Song stammt komplett aus Nickels Feder. An die Arrangements, etwa die der Bläser, legten noch weitere Beteiligte Hand an, bevor Nickel die Songs vollends zu Ende komponierte und arrangierte. Danach wurde vieles erneut in unterschiedlichen Studios eingespielt: Eine Tatsache, die man der Platte, die wie aus einem Guss wirkt, nicht anhört.

Neben musikalischem Können besticht die Scheibe so durch eine betont ausgewogene und vor allem transparente Produktion, die Nickel ebenfalls selbst verantwortet. "The Check In" bietet definitiv eine gute Zeit. Es macht Freude, sich zurückzulehnen und zuzuhören. Denn die Platte schert sich nicht um Fragen aktueller popkultureller Relevanz. Sie ist einfach nur Sound.

Trackliste

  1. 1. I Understand
  2. 2. Bloon
  3. 3. The Space
  4. 4. Silk
  5. 5. The Check In
  6. 6. Transparent
  7. 7. Cookies
  8. 8. No Rush

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