laut.de-Kritik

Joss Stone entdeckt den Reggae für sich.

Review von

Joss Stone testet auch auf ihrer siebten Platte "Water For Your Soul" aus, wohin ihr musikalischer Weg sie führen könnte. Nur halb überraschend sucht sie die Selbstverwirklichung dieses Mal in Reggae-Elementen: Während ihrer Teilnahme an Mick Jaggers Supergroup SuperHeavy lernte sie Bob Marleys jüngsten Sohn Damian kennen. Der überzeugte die britische Soul-Sängerin davon, ihre Liebe zum Reggae in die eigenen Songs aufzunehmen. Vier Jahre lang arbeiteten die beiden mit einer Handvoll anderer Produzenten am Album, während Stone parallel durch die Welt reiste.

Sich selbst bezeichnet sie gerne als Hippie. Deswegen klappert sie mit den 14 Tracks pflichtbewusst einige Genre-Themen ab: Freiheit ("The Answer"), Gesellschaftskritik ("Wake Up"), Liebe ("Stuck On You") und Gras ("Sensimilla"). Auf irritierende Weise schießt sie dabei etwa in "Harry's Symphony" übers Ziel hinaus: Unter anderem Inner Circles "Bad Boys" zitierend, versucht sie ihren Akzent dem Patois anzunähern. Die bemühte Intonation nimmt in solchen Fällen dem Groove der Platte den Wind aus den Segeln.

Ansonsten breitet sich die Atmosphäre eines zu heißen Sommertages beim Zuhören aus, wie man es aus beim Reggae gewohnt ist. Den Fluss brechen Songs wie die R'n'B-Ballade "Stuck On You", der die Percussion-Teile einen Hauch von Weltmusik verleihen. Pop-Melodien leiten "Love Me" oder "The Answer" eher als die jamaikanischen Einstreuungen. Eine Flamenco-Gitarre mischt bei "Let Me Breathe" mit.

In "Star" demonstriert Stone mit Kinderchor zu Streichern und zurückgenommener Gitarre Selbstbewusstsein: "We are who we are / Love us or move on". Zusammen mit dem angriffslustigen "Wake Up", dessen Botschaft hämmernde Klaviernoten und Gastlyrics von Damian Marley unterstützen, gehört es zu den Momenten der Platte, die in Erinnerung bleiben. Besonders die zweite Hälfte enthält nämlich einige Lückenfüller: In "Way Oh" verliert sich die Britin im Beat. Zu "Underworld" und "Molly Town" lässt sich richtig gut im Park chillen, mehr aber auch nicht.

Unabhängig davon hat "Water For Your Soul" einiges mehr zu bieten als das "Reggae-Album von Joss Stone" zu sein. Aber obwohl die Platte im Großen und Ganzen verspielt arrangiert und automatisch von der Seele des Stimmtalents erfüllt ist, schöpft die Britin ihr volles Potenzial vermutlich noch nicht aus. Nach allem, was man in den letzten zwölf Jahren von der 28-Jährigen mitbekommen hat, wird sie jedoch nicht an diesem Punkt ihrer Karriere hängen bleiben, sondern weiter Neues wagen.

Trackliste

  1. 1. Love Me
  2. 2. This Ain't Love
  3. 3. Stuck On You
  4. 4. Star
  5. 5. Let Me Breathe
  6. 6. Cut The Line
  7. 7. Wake Up
  8. 8. Way Oh
  9. 9. Underworld
  10. 10. Molly Town
  11. 11. Sensimilla
  12. 12. Harry's Symphony
  13. 13. Clean Water
  14. 14. The Answer

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