laut.de-Kritik

Der Technikvirtuose und Feeling-Gott gibt sich songdienlich.

Review von

So ganz bin ich immer noch nicht über Jeffs und Vans Ausstieg bei Nevermore weg. Schließlich war die Band unter meinen Alltime-Faves immer ganz weit oben angesiedelt. Dass es Sanctuary dafür wieder gibt, ist zwar auch ganz nett, aber der Preis dafür war meiner Meinung nach zu hoch. Egal, ob Sänger Warrel Dane angibt, dass auch Nevermore weiter machen werden – das wichtigste Kapitel ist meines Erachtens vorbei.

Wenn mir der beinharte Thrasher "Mercurial" aber um die Ohren fliegt, bekomme ich dennoch sein seliges Lächeln ins Gesicht, denn schließlich ist der Mann ja nicht weg vom Fenster, sondern feuert nach wie vor mit Riffs, Licks und Soli um sich, für die andere Gitarristen drei Finger ihrer rechten Hand geben würden. Nicht nur die rechte, sondern auch die linke Hand hat ihm sein Kollege Marty Friedman (Ex-Megadeth) geboten, der bei der Nummer ebenfalls mit in die Saiten greift.

Der nächste Kollege – nämlich Tony MacAlpine – lässt in The Ultimatum die Finger übers Griffbrett fliegen. Immer wieder schön zu sehen, wie es unter den Großen (und auch Kleineren) in der Metalszene keinerlei Futterneid gibt und man sich gern untereinander aushilft. Dabei hätte das der blonde Schreddermeister Loomis gar nicht nötig, wie er in "Escape Velocity" deutlich unter Beweis stellt.

Hat man gerade bei der ebenfalls brettharten Nummer ständig das Gefühl, dass gleich der hohe, charismatische Gesang von Warrel Dane einsetzen müsste, gibt es die große Überraschung mit "Tragedy And Harmonie", bei dem Jeff sich die gesangliche Unterstützung von Christine Rhoades geholt hat. Wer nun aber denkt, dass die Dame über balladeskes Material hinweg flöten würde, sieht sich schnell getäuscht, denn auch dieser Song hat ordentlich Power.

Das gilt auch für Christine, die stimmlich irgendwo zwischen Cristina Scabbia (Lacuna Coil) und Anneke van Giersbergen (Ex-The Gathering) liegt, aber dennoch einen ganz eigenen Touch hat. Kein Wunder, dass Jeff die Frau noch bei "Chosen Time" und den beiden Bonustracks hinters Mikro stellt. Für "Surrender" positioniert er dort mit Ihsahn den ehemaligen Emperor-Fronter, der noch mal für einen zusätzlichen Schuss Brutalität sorgt.

Bei aller Härte weiß Mr. Loomis natürlich immer genau, wann er auch mal ruhigere und sanftere Töne einflechten muss, und tut dies mit einer traumwandlerischen Sicherheit, die absolut beneidenswert ist. Während ihn an den Gitarren noch Chris Poland und seine ehemaliger Nevermore-Kollege Attila Voros unterstützen, saß hinter der Schießbude Soilwork/Scarve-Schlagwerker Dirk Verbeuren. Den Bass spielte der bislang wohl nur ausgiebigen YouTube-Nutzern bekannte Shane Lentz ein.

Wer auf "Zero Order Phase" vor vier Jahren stand, wird "Plains Of Oblivion" lieben. Jeff Loomis zeigt einmal mehr, dass er als Schredderer genauso außergewöhnlich spielt wie als Technikvirtuose und als Feeling-Gott. Und dass er nebenbei dennoch immer songdienlich spielt, macht seine Arbeit um so bemerkenswerter.

Trackliste

  1. 1. Mercurial
  2. 2. The Ultimatum
  3. 3. Escape Velocity
  4. 4. Tragedy and Harmony
  5. 5. Requiem for the Living
  6. 6. Continuum Drift
  7. 7. Surrender
  8. 8. Chosen Time
  9. 9. Rapture
  10. 10. Sibylline Origin

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1 Kommentar

  • Vor 9 Jahren

    Was das noch ein Wahnsinn als Chris Broderick neben ihm in die Seiten griff. Und über allem Warrel ... tja, das ist Metal-Geschichte. Was für eine geile Band, die live dermaßen alle andere abgezogen hat. @Album: Schlagzeug klingt fürchterlich. Ansonsten Gitarrengewichse, das nicht über Warrel hinwegtrösten kann.