laut.de-Kritik

Wer ist da wo oben ist?

Review von

Festhalten, durchatmen, applaudieren: das Jeans Team ist zu Potte gekommen. Hier liegt es, das zweite Album der Berliner, ein in Elektro-Pop zugewandten Expertenkreisen bereits als "Chinese Democracy"-Klon bekichertes Endlosprojekt. Urvertrauen in die neue "Musik Von Oben" flößt uns sogleich das Cover ein: Die Leuchtreklame, die funkelnden Sterne, alles noch da. Nur: Ist das Jeans Team 2005 noch das uns so sehr ans Herz gewachsene Jeans Team 2000 oder finden wir gar vier potenzielle Stürmer vor fürs Team 2006?

Was wir wissen ist: Die Berliner wurden genau in dem Moment zu Popstars, als die Maxisingle von "Keine Melodien" mit dem Diskokugellicht der Tanztempel kollidierte. Genauer: als ein gewisser MJ Lan für knappe fünf Minuten so tat, als sei er Motherfuckin' Mirwais, und zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort einen wahrhaft makellosen Remix kredenzte. Klang das Jeans Team vor MJ Lan mitunter wie eine respektlose Trash-Combo, die versucht, frühe Ed Rush-Tracks mit echten Instrumenten nachzuspielen, fand die Band plötzlich in DJ-Sets zwischen Sascha Funke- und Miss Kittin-Hits statt. Aber wie! Fire In The Disco!

Doch zurück zum Albumtitel und zur maßgeblichen Frage: Wer ist da wo oben ist? Antwort: Vier Musiker, die einen Schritt weg von ihrer Live-Muckerei wagen, und sich stattdessen fein arrangierten und überraschend romantisch-technoiden Klängen hingeben, bei denen man öfters das Wort "Soundscapes" auf der Zunge mitführen muss. Schnalz! Soft-House zum Aufwärmen für die Nacht mit teils wunderbaren Neu!-Referenzen, Ohrwürmer natürlich nicht ausgeschlossen.

Den Humor hat das Team dabei nicht verloren. "Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen, und dein Mund ist viel zu groß, dein Silberblick ist unverdrossen, doch nie sagst du: was mach ich bloß?" Das ist jetzt zwar eine Liedzeile von Hilde Knef, aber Hand aufs Herz, sowas hätte auch vom Jeans Team kommen können. Jene üben sich allerdings in etwas reservierterer Zuneigung und imaginieren für ihre Heimat ein Küstenstadt-Idyll: "Berlin, Berlin am Meer - schön, wenn es so wär'". Die hibbelige Verspieltheit jener Single findet sich in nahezu allen Albumtracks wieder, pausenlos tickt es, flimmert, zuckt. Nonstop, nonstop, nonstop.

Ungemein spannend sind gerade ihre sphärischen Experimente geraten, so das mantrahafte "Wunderbar" oder die relaxte, in Milch schwimmende "Boat Music", beides Nummern, die leichte Sound-Parallelen zu den Kollegen von Ocker zeitigen. Natürlich gibt es auch noch altbekannte, recht skurrile Slogan-Geschichten wie etwa "Königin", ein rasant rödelndes DAF-Konstrukt, und eines dieser nervigen Dinger, für die das Team auch schon immer gut war.

Mit jedem Hören greifen die zehn Songs jedoch schlüssiger ineinander, schließt der aufgrund bulgarischem Vortrag an Ladytron erinnernde Orient-Elektro von "Moara Mea" nahtlos zum Clubfeger "Oh Bauer" (inklusive zünftigem Stallgeruch!) auf, und bildet das sakrale "1482" eine angemessene Verschnaufpause vor dem Album-Highlight "Arthur" (Hiervon bitte eine 12"-Version von Rex The Dog, lechz!). Fürwahr: Hier haben sich ein paar Leute ausufernd Gedanken darüber gemacht, wie der Weg, den die EP "Gold und Silber" bereits andeutete, weiter verfolgt werden kann, wo eigene Stärken noch ausbaufähig sind. Das Ergebnis hat Melodie und stagniert an keiner Stelle.

Trackliste

  1. 1. Berlin Am Meer
  2. 2. Oh Bauer
  3. 3. Moara Mea
  4. 4. Königin
  5. 5. Wunderbar
  6. 6. Nonstop Nonstop Nonstop
  7. 7. Faul
  8. 8. Boat Music
  9. 9. 1482
  10. 10. Arthur

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