laut.de-Kritik

Das Aushängeschild des Detroit Techno setzt Patina an.

Review von

Vor rund zehn Jahren war der Amerikaner Jay Denham kundigen Techno-Fans durchaus ein Begriff. Hinter den großen Aushängeschilder elektronischer Musik aus Detroit, wie Robert Hood oder Jeff Mills hat er sich mit zwei LPs auf Disko B und zahlreichen Maxis auf seinem Label Black Nation Records einen Namen gemacht. Dunkel und treibend waren die meisten seiner Releases. Dann wurde es mit einem mal ziemlich still, die Veröffentlichungen sporadischer. Jetzt lässt er mit seinem neuen Album "The Truth" aufhorchen.

Leider nicht im positiven Sinne, das ist schnell klar. Jay Denham hat offensichtlich eine deutliche Entwicklung durchlaufen seit seinem letzten Maxi-Release, der EP "Black Nites 2.0" auf Gayle Sans Equator Label 2005. Diese stand noch deutlich in der Tradition der harten triballastigen Technotools, die für lange Jahre charakteristisch für Denhams Sound waren. Mit "The Truth" bricht der Mann aus Kalamazoo nun zu neuen Ufern auf.

Die überraschen schon nach wenigen Sekunden mit Samples von zweifelhafter Qualität. Gleichermaßen billiger wie beliebiger Charts-House ist meine erste Assoziation. Der Schlag sitzt, das kann man nicht anders sagen. Von Denham hätte ich dergleichen nicht erwartet. Leider bessert sich der Eindruck mit fortschreitender Spieldauer nicht. "Come On" und "Sweet Jesus" blasen ins gleiche Horn. Sie hüpfen auf billigen Tribal-Beats dahin, garniert mit unsäglichen Vocal-Samples.

Einzig die Streichersätze erinnern daran, dass man es hier mit dem Release eines Produzenten zu tun hat, der einmal zur erweiterten Garde der Detroit-Größen gezählt wurde. Diesen Status wird er mit "The Truth" kaum aufrecht erhalten. Zu schroff prallen die einzelnen Sounds aufeinander, ohne wirklich miteinander in Bezug zu treten.

Zu plump sind die wenigen Ideen, die Denham als Unterbau für sein Album verwendet. Es ist nicht der Mut, Neues anzupacken, der schlecht zu bewerten ist, sondern die mangelnde Kreativität von Denham bei der Umsetzung seiner Ideen. Wenn er mit "The Truth" eine House-Platte aufnehmen wollte, so ist ihm dies gründlich misslungen.

Als einziger annehmbarer Track der gesamten Platte bleibt "Heaven Only Knows" im Ohr hängen. Die sanfte Chill-Nummer ist stimmig komponiert. Zwar nicht überragend, aber gut. Mit "The Truth" stellt sich Jay Denham mächtig ins Abseits. Es wird einiger Arbeit bedürfen, da noch einmal raus zu kommen.

Trackliste

  1. 1. The Truth
  2. 2. Come On
  3. 3. Sweet Jesus
  4. 4. The Long Way
  5. 5. Heaven Only Knows
  6. 6. Germs
  7. 7. The World Is A Ghetto
  8. 8. Electro Static
  9. 9. Whispers

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