5. September 2019

"Heute werden Songs zu Hits, weil sie viral gehen"

Interview geführt von

Lange war es still um den Pop-Guru und Tänzer aus Amerika, dessen Hits noch vor wenigen Jahren die Charts und Tanzflächen der Welt dominierten. Zwei Vorabsingles kündigen an: Jason Derulo will zurück an den großen Tisch der Pop-Musik.

Noch bevor 2009 Jason Derulos erstes Album erscheint, existieren schon Kollaborationen und Songwriting-Sessions mit Künstlern wie Will.I.Am, Lil Wayne und Pitbull. Danach geht alles ganz schnell. Mehrere Nummer-1-Hits, Auftritte in den Stadien dieser Welt und noch mehr Features mit noch größeren Stars prägen den Alltag des Amis. Vier Alben und zahlreiche Welthits wie "Talk Dirty", "Swalla" und "Whatcha Say" stehen seitdem zu Buche. Wir erreichen den Musiker am Telefon und sprechen über seine neuen Songs sowie sein Kinodebüt.

Du spielst eine Rolle im neuen "Cats"-Film. Wie lief es?

Es war unglaublich. Ich hatte die Ehre mit ein paar der besten Schauspieler wie Judi Dench, Ian McKellen oder Idris Elba und auch ein paar der talentiertesten Musiker wie Taylor Swift und Jennifer Hudson zu arbeiten. Dann noch die ganzen Tänzer - es hat super viel Spaß gemacht.

Gab es auch schwierige Momente?

Ja auch. So schön es auch war, aber die Tanzschritte und Bewegungen waren alle echt - also kein CGI - und deswegen unendlich schwer zu merken.

Du hast außerdem mit "Mamacita" und "Too Hot" zwei neue Songs veröffentlicht. Kommt ein neues Album?

Ja, im September kommt eine neue EP und wir hauen jetzt alle zwei Wochen neue Songs raus. Also es gibt viel, auf das man gespannt sein kann.

Im "Mamacita"-Video crashst du eine Party. Wie sieht denn für dich die perfekte Party aus?

Das hängt von den Leuten im Raum und dem DJ ab. Der muss einfach die richtigen Songs in der richtigen Reihenfolge spielen.

Welche Musik muss da laufen?

Ich mag einen guten Mix. Wenn ein DJ eine Musikrichtung zu lange spielt, wird mir schnell langweilig. Man muss die Zuschauer lesen und wissen, welche Musik wann gebraucht wird. Ich glaube, ich wäre ein guter DJ (lacht).

Hast du nie aufgelegt?

Nein, nicht wirklich.

Thema Michael Jackson und R. Kelly: Kannst du die immer noch hören oder beeinflussen die Anschuldigungen gegen beide Musiker deinen Geschmack?

Boah, das ist eine schwierige Frage. Vor allen Dingen finde ich es schwierig, beide in einem Satz zu erwähnen. Ich denke nicht, dass es das Gleiche ist. Man muss die Situation sehen. Wir kennen die Wahrheit nicht und das macht es schwierig.

Aber du hörst hörst sie immer noch?

Ja. Michael Jackson höre ich auf jeden Fall noch.

In Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen darüber, ob Musiker sich zu politischen Zuständen äußern und Stellung beziehen sollten oder nicht. Wie siehst du das?

Ich finde niemand muss etwas kommentieren. Egal ob Musiker oder nicht. Man ist ja kein Politiker. Es gibt definitiv Formen von Verantwortung, da Musiker Vorbildfunktionen inne haben, aber das macht sie nicht zu Politikern.

Hat dich das jemals beschäftigt?

Nein, nicht wirklich. Wenn mir eine Frage nicht gefällt, dann beantworte ich sie einfach nicht und beziehe auch nicht Stellung.

"Nummer-Eins-Hits müssen keine guten Songs mehr sein"

Du bist jetzt schon ein paar Jahre im Musik-Business. Wie hat sich sich die Musikindustrie deiner Meinung nach verändert?

Auf jeden Fall haben die Streamingdienste vieles angestoßen. Songs werden nicht mehr aufgrund ihrer Qualität zu Hits, sondern weil sie viral gehen. Das bedeutet nicht zwingend, dass es ein guter Song ist. Eher dass es zum Beispiel ein bestimmtes Ereignis zu dem Song gab oder jemand einen krassen Tanz dazu entworfen hat. Nummer-Eins-Hits müssen keine guten Songs mehr sein, das ist heute nicht mehr notwendig. Ich finde das sowohl gut als auch schlecht. Auf der einen Seite hat nun wirklich jeder die Chance einen Hit zu schreiben, auf der anderen Seite leidet die Qualität darunter.

Haben denn diese Veränderungen deine Art Musik zu machen beeinflusst?

Ich würde nicht sagen, dass sich meine Art Musik zu machen wirklich verändert hat. Es ist nur eine andere Art der Herangehensweise. Ich glaube, dass es im Augenblick gut ist, so viel Musik wie möglich zu veröffentlichen. Ich habe schon so viele Songs zurückgehalten und das bringt nichts. Mein Ziel ist jetzt, so viel Musik wie möglich raus zu hauen und da habe ich Bock drauf.

Du hast Features mit den größten Weltstars gemacht. Gab es ein Highlight für dich?

Die waren alle in ihrer Art super. Es war unglaublich mit Jennifer Lopez zu arbeiten, weil ich mit ihren Videos und ihrer Musik aufgewachsen bin. Dasselbe gilt für Stevie Wonder. Das ist einfach einer der besten Musiker und Sänger aller Zeiten. Snoop Dogg und Nicki Minaj waren auch verrückt, aber im Grunde war jede Kollabo besonders.

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