laut.de-Kritik

Fühlt sich an, als bekäme man Luft durchs Hirn geblasen.

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Ach, eigentlich machen Jaill doch gar nichts falsch. Perfekten Sixties-Sound liefern sie auf "Traps", druckvolle Powerpop-Songs und Lagerfeuer-Balladen. Gute-Laune-Musik für Sommertage an Stränden und Ufern, kurzweilige Lieder unter drei Minuten, wie sich das für Rock'n'Roll gehört. Wenn das alles nur nicht so dermaßen angenehm und geschmeidig wäre: Schnell stellt sich Langeweile ein und eine leise Wut, dass es derart gut gemachte belanglose Musik tatsächlich gibt. Jaill mit The Coral zu vergleichen wäre deswegen auch etwas fies.

Es fällt sogar schwer, bessere und schlechtere Songs zu nennen. Vielleicht ist "House With Haunting" einer der Besseren. Hammond-Orgel, Fuzzbox und beatleeske Harmoniegesänge, was will man noch? Etwas mehr Energie vielleicht, etwas weniger Zurückhaltung, vielleicht auch eine Melodie, die sich festsetzt und die man nicht beim nächsten Stück schon wieder vergessen hat. "House With Haunting" ist ein netter Song. "Horrible Things" ist eine nette Ballade, mit netten Harmonien, einer netten Akustik-Gitarre und einem netten kleinen Gitarrensolo. "Everyone's A Bitch" ist ein netter Song, mit netten Harmonien... Das ganze Album könnte man so beschreiben. Die Texte sind übrigens auch nett, mit netten kleinen Drehungen wie "Gave myself a good grade today on barely losing my shit" in "While You Reload".

"Traps" ist das dritte Album des 2002 gegründeten Trios aus Milwaukee, Wisconsin. Im Presseinfo ist von hartem Tourleben die Rede, vom Schlafen auf Fußböden in fremden Häusern. Das kann schon sein, aber es ist auch die Rede von einer "bissigen Übung in Bescheidenheit und Aggression". Bescheidenheit ja, Aggression nein: So richtig glauben mag man nur den ersten Satz des Werbeschreibens: "Jaill ähnelt anderen Bands in Vielem."

Am Ende hört man elf Songs und fühlt sich, als wäre einem Luft durchs Hirn geblasen worden. Keine Kante, keine Ecke, nichts, was einen länger als fünf Sekunden begeistern könnte. Wie kamen Jaill zu einem so vertrauenswürdigen Label wie Sub Pop? Wobei: Mit Band Of Horses und Fleet Foxes (und mittlerweile sogar mit den Shins) haben die ja noch ein paar andere lahmende Pferde im Stall.

Eigentlich nichts falsch machen reicht eben nicht: Jaill sollten sich trauen, so ungestüm und frei zu spielen, wie es die rohe Energie des Sechzigerjahre-Rock'n'Roll gebietet. Oder wie es das Vorgängeralbum "That's How We Burn" schon uneingelöst versprach: Zeigen, wie sie brennen, das sind uns Jaill nach wie vor schuldig.

Trackliste

  1. 1. Waste A Lot Of Things
  2. 2. Everyone's A Bitch
  3. 3. Perfect Ten
  4. 4. Horrible Things (Make Pretty Songs)
  5. 5. I'm Home
  6. 6. House With Haunting
  7. 7. Madness
  8. 8. Million Times
  9. 9. Ten Teardrops
  10. 10. While You Reload
  11. 11. Stone Froze Mascot

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