laut.de-Kritik

Neue kollektive Aussetzer im zentralen Nervensystem.

Review von

Wenn man den Fernseher anschaltet und sieht, wie sehr alles den Bach runter geht, wie Regierungen, Banken und sogenannte Ratingagenturen den Rest der Welt verarschen und sich diese nur noch mit Gewalt zu helfen weiß, dann sollte man eigentlich um jede Ablenkung froh sein, die einen auf andere Gedanken und vielleicht sogar zum Lachen bringt. Naja ... eigentlich.

Dann kommen aber J.B.O. mit ihrem "Killeralbum" an, und auf einmal scheint Gewalt durchaus ein adäquates Mittel zu sein. Dabei fängt die Scheibe mit dem Doobie Brothers-Cover von "The Doctor" (hier "Dr. Met") doch gar nicht schlecht an. Musikalisch konnte man den Franken selten etwas vorwerfen, und auch ihr Humor haut einem bei diesem Track nicht ganz so platt mit der Bratpfanne auf die Nuss, wie man das von dem Quartett kennt.

Es folgt mit "Rock'n'Roll Märtyrer" ein satter Rocker in AC/DC-, bzw. Rose Tattoo-Manier, der textlich schon wieder etwas mehr an der Hirnrinde knuspert, aber stellenweise zumindest zum Schmunzeln ist. Auch der Titeltrack macht in Sachen Riffs ordentlich was her, sorgt aber in lyrischer Hinsicht für einen kollektiven Aussetzer im Nervensystem. Und daran knüpfen J.B.O. nahtlos an.

Die Sketche zwischen den Songs waren schon immer lustig wie ein Tritt vor den Sack und die Sozialkritik für RTL II-Schauer in "Dadadiedadadadei" ... naja Schwamm drüber. Neben akustischen Tiefschlägen wie "Drei Akkorde" oder "Ich Bin Dein" strahlt die Nino De Angelo-Coverversion von "Jenseits Von Eden" fast schon wie ein gerade aufgegangener Stern.

Entsprechend hält sich der Rest des Albums irgendwo zwischen belanglos und nervig auf. Das hängt wohl ganz vom Humor und Promillegehalt des Konsumenten ab. Immerhin scheint die Band auf Festivals ja nach wie vor bestens zu funktionieren.

Und irgendwer muss das Zeug ja auch kaufen, sonst wäre die Scheibe nicht schon wieder in den Charts. Ob es da wichtig ist, dass das Covermodel Ingrid heißt, ist eher fraglich. Ich kannte übrigens mal nen Hamster, der hieß Horst ...

Trackliste

  1. 1. Dr. Met
  2. 2. Rock'n'Roll Märtyrer
  3. 3. Killer
  4. 4. Armageddon
  5. 5. Dadadiedadadadei
  6. 6. Drei Akkorde
  7. 7. Familienanzeige
  8. 8. Ich Bin Dein
  9. 9. Kalaschnikow
  10. 10. Jenseits
  11. 11. Tony Marshall
  12. 12. Download
  13. 13. Heimatlied
  14. 14. Reklame
  15. 15. 3 Tage Blau
  16. 16. Nein Mann

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19 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    @ml: ich kann dieses retardierte element noch nicht einmal als komik bezeichnen, so ich bedenke, welcher gigant seit gestern nicht mehr da ist.
    die hier haben definitiv van goghs ohr für humor.

  • Vor 9 Jahren

    Wie gesagt: Humor ist die komplizierteste Sache der Welt. Wenn du Loriot jetzt mit JBO vergleichen (schlichtweg vergleichen und nicht gegenüberstellen oder gar aneinander messen), dann muss ich dir traurigerweise Mario Barth ins Gewissen rufen. Den schauen sich Millionen von Leuten an, die noch nicht einmal wissen wer die lustigen Dicknasen gemalt hat, noch nie einen CHanson von Georg Kreisler hörten und zwar über den Humor von Schneider lachen können, sich aber noch nie die Mühe gemacht haben diesen auch zu analysieren. Humor ist wie gesagt die komplizierteste Sache der Welt. Oder nur eine entschuldigung, dass ein Gros der Menschheit einfach nur Panne ist?

  • Vor 9 Jahren

    Bin kein Fan vom JBO Humor, aber mit dem Cover haben sie wohl eines der ebsten der letzten Zeit :D