laut.de-Kritik

Willkommen im Paradies des südamerikanischen Lebensstils.

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Willkommen im Paradies. Hier tanzen die Jungs und die Mädels durch sonnige Tage und heiße Nächte, hier reihen sich die Cocktailbars aneinander und die Beats werden bouncen, solange es Wellen an den Strand spült. So oder so ähnlich könnte man das Mission Statement von "Oasis" zusammenfassen, dem ohne Vorankündigung erschienenen Kollabo-Projekts der Latin Trap-Superstars Bad Bunny und J Balvin. Auf 30 Minuten formulieren sie eine Imagekampagne des südamerikanischen Lebensstils. Mit dem Twist, dass diese Urlaubswerbung an die eigenen Leute gerichtet ist.

Das Faszinierende an den in den letzten Jahren etablierten Urbano-Artists ist ja, wie wenig sie der internationale Ruhm zu scheren scheint. Obwohl Woche für Woche ein neuer Reggaeton-Song in den Billboard Hot 100 chartet und jeder zweite europäische Rapper ein bisschen von ihrem Flavour abgraben will, bleiben die Releases der Urbano-Zugpferde unapologetisch lateinamerikanisch.

"Oasis" demonstriert das nicht nur mit der Zelebration der spanischen Sprache, sondern auch mit einem Bekenntnis zu verschiedenen Genres und Musikstilen, die zwischen Medellin und Jamaica so florieren. Dancehall, Reggaeton und Trap vermengen sich hier arglos mit Ideen aus Dembow, Dub und Banku, harmonieren arglos und stehen zuletzt alle im Puls desselben Rhythmus.

Heißt aber auch, dass die bespielte Oase nicht unbedingt der aufregendste Ort der Welt ist. Es hat etwas Homogenes, wie triumphal der Machismo von Balvin und Bunny sich über die Ausstrahlung der ganzen Platte legt. Die lateinamerikanische Identität besteht hier nur in Details aus mehr als nur einer einzigen Strandparty. Über große Teile wird über mehr oder wenig generische Sounds den allgemeinen Freuden des Bro-Lebens gefrönt. Es geht um Frauen, Sex, Beziehungen und beizeiten um den daraus entstehenden Herzschmerz.

Wirklich kommuniziert oder variiert wird eher über die Produktion und die darin verbauten Ästhetiken. Einer der interessantesten Momente ist eindeutig "La Cancion", ein trauriges Lied über traurige Lieder, auf dem besonders der melancholische Croon von Bad Bunny über träumerische und ferne Synthesizer zur Geltung kommt, die nur von einem verlorenen Blechbläser texturiert werden. Es ist ein nokturnaler, ruhiger Song zwischen den sonst so lauten und direkten Party-Bangern.

"Un Peso" spielt mit einem klassischen argentinischen Rocksample der Band Enanitos Verdes und sorgt mit der Inklusion von deren Sänger und Bassisten Marciano Cantero für einen der interessanteren interkulturellen Verweise spanischsprachiger Musik auf "Oasis". Noch spannender wird nur das abschließende Highlight "Como Un Bebé (feat. Mr. Eazi)", auf dem der ghanaische Bantu-Artist Mr. Eazi auf einem der entspanntesten Beats der Platte für ein kurzes Intermezzo vorbeischaut. Der Rhythmus killt, die Energie ist unglaublich smooth.

Es sind diese Playlist-Kandidaten wie "Como On Bebé", "La Cancion" oder "Mojaita", die mit etwas interessanteren Produktionen und lebendigen Performances glänzen. Das sind die Songs, die wirklich im Gedächtnis bleiben werden, wobei trotz kurzer Spielzeit weder die Höhen von Balvins "Vibras" noch von Bad Bunnys "X 100PRE“ erreicht werden. Es ist ein kleines, affirmatives "What A Time To Be Alive" der lateinamerikanischen Welt, eine Bestandsaufnahme der Tricks, die auf diesem Markt gerade gut funktionieren. Ein solider Vibe für den Sommer, aber wohl auch kein wegweisendes Projekt des Genres.

Trackliste

  1. 1. Mojaita
  2. 2. Yo Le Llego
  3. 3. Cudao Por Ahi
  4. 4. Que Pretendes
  5. 5. La Cancion
  6. 6. Un Peso (feat. Marciano Cantero)
  7. 7. Odio
  8. 8. Como Un Bebé (feat. Mr. Eazi)

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