laut.de-Kritik

Stich in die heile Seifenblasenwelt.

Review von

Mit einer Überdosis Kreativität intus haben sich die schwäbischen Herren von Itchy Poopzkid dazu hinreißen lassen, ihren sechsten Streich auf den Namen "Six" zu taufen. Ratzfatz noch die entsprechende Visualisierung durch Photoshop gejagt, um alle lästigen Formalitäten abzuhaken. Dann konnten sich die drei Jungs endlich auf das stürzen, worum es eigentlich gehen sollte: die Musik.

Blöderweise unterstellt bereits der Opener "She's Gonna Get It", dass sich der Schuss Ideenarmut nachhaltig in die Pop Punk-affinen Blutbahnen gemischt hat.

Schon klar, dass man in diesen Genre-Gewässern auf die Schlichtheit des Seins setzt, aber einen Song gefühlt aus einer Phrase zusammen zu bauen, das ist wohl kaum der Weisheit letzter Schluss. Ungefähr so unruhig wie ein mitteilungsbedürftiger Grashüpfer auf Speed springt die Zeile "She's gonna get it, shes gonna get it" ununterbrochen auf und ab. Benommen vom Drehwurm will man irgendwann einfach umfallen.

Dagegen übertüncht "Grip It Tighter" die nimmermüde Wiederkehr des Songtitels immerhin mit tadelloser Riff-Kunst. Zunächst fügt sich "I Gotta Get Away" da zwar nahtlos ein, fegt dafür aber im Refrain erfrischend ungestüm über den Dancefloor. Ja, Dynamik lässt sich auch über ein zwischenzeitliches Power Chord-Feuerwerk transportieren. Straight und knackig putzt der Song die bis hierhin recht pomadige Platte.

"We're dancing in the sun and everybody's happy, welcome to our world, where noone cares, who's number one", zersticht "Dancing In The Sun" mit spitzfindiger Selbstironie die heile Seifenblasen-Welt. Nicht nur wegen des Titels könnte man meinen, Weezer haben der Chorus-Melodie eine Typberatung verpasst.

Vorbei am flockigen "Meant To Be" gehts in "And Now We Stopped" und "Plastic" mit jeder Menge "Oh Oh Oh"-Punk in die nächste Runde. Gesellschaftskritische Botschaften wie "Plastic, plastic, all I feel is, plastic, plastic, all around me, plastic, plastic" schlittern allerdings relativ schmalspurig über den Asphalt.

Der kleine "Trusty Friend" will dringend von Yellowcard an der Kasse abgeholt werden. Im Ernst, die Ähnlichkeit ist verblüffend. Aber bei allem Respekt für das deutsche Pop-Punk-Trio: Gesanglich stößt Ryan Keys gerade in den Höhenlagen noch einmal ganz andere Dimensionen auf.

Als man sich gerade schon mit einem handwerklich soliden, letztlich aber ziemlich leicht abwaschbaren Gesamteindruck angefreundet hat, hämmern Itchy Poopzkid dann doch noch so richtig auf die Zwölf. Bam Bam Bam. "The Weight Of The Water" kratzt mehr Esprit zusammen als elf Songs zuvor zusammen und kriegt sogar noch die Melodie-Kurve. Es gibt tatsächlich einige Ausreißer auf der Platte, die das erschöpfte Repertoire der Schwaben vorübergehend kaschieren.

Trackliste

  1. 1. She's Gonna Get It
  2. 2. Grip It Tighter
  3. 3. Darkness
  4. 4. I Gotta Get Away
  5. 5. Dancing In The Sun
  6. 6. Never Say Die
  7. 7. Meant To Be
  8. 8. And Now We Stopped
  9. 9. Plastic
  10. 10. Out There
  11. 11. Trusty Friend
  12. 12. The Weight Of The Water
  13. 13. Kings & Queens

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