laut.de-Kritik

Stadion-Crossover - von Skrillex produziert.

Review von

Man muss im Incubus-Backkatalog schon länger zurückblättern, um auf so dicke Dinger wie "No Fun" und "Nimble Bastard (New Mix)" zu stoßen. Läutet der Doppelpack zu Beginn des achten Studioalbums der Kalifornier den nächsten stilistischen Karriereschlenker ein, gerade angesichts des leisen Vorgängers, der im Prinzip eine Pop-Platte war?

Nein, Incubus brechen sechs Jahre später zu keinen neuen Ufern auf. Schon eher pusten sie mit ihren beiden Co-Producern Dave Sardy und Skrillex im Rücken frischen Wind in die Segel und atmen vorher wieder groovenden Alternative Rock ein. Besagtem Uptempo-Rocker "Nimble Bastard (New Mix)" dürfte live ein Setlist-Stammplatz sicher sein. "No Fun" ist moderner Crossover.

Danach schrauben Incubus das Energielevel leider zurück - allerdings ohne an Qualität einbüßen: Das melancholische "State Of The Art" pendelt zwischen akustisch orientierten Gitarren, dickem Bass und viel Elektronik. Das Clubbeat-basierte "Loneliest" ist die erste richtige Ballade der Platte - vor allem "State Of The Art" besitzt starke Vocalhooks.

Das kratzige "Glitterbomb" geht im Refrain als Hommage an die frühen Faith No More durch, "Familiar Faces" könnte vielleicht eine spätere RHCP-Nummer sein, ansonsten finden anders als früher keine Verweise auf die Peppers statt. Während "Love In A Time Of Surveillance" in Intro, Mittelteil und am Ende fast die elektronische Variante eines RATM-Riffs sein könnte. Beim letzten Song "Throw Out The Map" spielen Incubus zu Beginn Dubstep - der Fünfer liefert so eine Art Quintessenz der Platte: Alternative Rock-/Crossover-Vibes, von einem Electronic-Producer abgemischt.

Brandon Boyds Stimme kommt dabei gewohnt nah an den Hörer ran, die Saiteninstrumente sind ebenfalls sehr präsent: Basser Ben Kenney, ein Multiinstrumentalist, legt einen super Job hin. Gitarrist Mike Einziger hatte für auffällige und unterschiedliche Gitarreneinstellungen immer eine Ader. Jose Pasillas' Drums klingen sehr rund und kompakt, sind aber nie so weit bearbeitet, dass sie an Durchschlagskraft verlieren. Allein DJ/Keyboarder Chris Kilmore hat auf der Scheibe wenig zu tun.

Insgesamt pflügt "8" trocken, druckvoll, transparent und ausgewogen durch die Membrane. Details wie elektronische Additionals, Gitarreneffekte oder partielle Stimmbearbeitung werden punktgenau eingesetzt. Eine Scheibe aus einem Guss - Sardy (von Slayer und System Of A Down bis Bush oder Oasis) und Skrillex nehmen den Mittelweg zwischen Alternativerock und wohl dosiertem Elektro-Touch perfekt - natürlich in Stadion-Ausmaßen.

Diese Gratwanderung beherrschen Brandon und Co. seit Beginn ihrer Karriere. Und genau deshalb waren sie ähnlich wie Linkin Park eine der Bands, die man eher respektierte als verehrte. Dafür klingt dieser Schuss Massentauglichkeit zu häufig durch (das teilweise an "Where Is My Mind?" erinnernde "Undefeated"), der sich eben auch als kühle Kalkulation auslegen lässt. An dieser Stelle trotzdem wichtiger: Incubus sind auf "8" - gerade, wenn man sie länger nicht mehr gehört hat - einfach nur eine verdammt gute Rockband.

Trackliste

  1. 1. No Fun
  2. 2. Nimble Bastard (New Mix)
  3. 3. Stare Of The Art
  4. 4. Glitterbomb
  5. 5. Undefeated
  6. 6. Loneliest
  7. 7. When I Became A Man
  8. 8. Familiar Faces
  9. 9. Love In A Time Of Surveillance
  10. 10. Make No Sound In The Digital Forest
  11. 11. Throw Out The Map

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LAUT.DE-PORTRÄT Incubus

Ein bisschen Crossover gefällig? Nur hereinspaziert in die Welt von Incubus, denn dort gibt es ordentlich eins auf die Löffel. Die Band muckt hektisch …

9 Kommentare mit 46 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Nach der starken “Trust Fall“ Ep habe ich schon etwas mehr erwartet, so bleibt für mich das schwächste Album seit dem Debut aber einige schöne Lieder sind wieder dabei.
    Die Drums sind meiner Meinung nach aber definitiv zu sehr bearbeitet, so kaputt produziert wie die klingen, verwundert mich nicht, dass Skrillex das produziert hat. Und der Breisound der GItarren wird Mikes Gitarrenkünsten auch nicht gerecht.

    Wo bleibt eigentlich der Meilenstein zu “Morning View“?

    • Vor 2 Jahren

      Sehe jetzt ehrlich gesagt nicht wo die innerhalb des 2000er Alternative/Crossovers genug Einfluss, Rezeption gehabt hätte um eine Re-Review zu rechtfertigen. Populär genug wird sie ja gewesen sein

    • Vor 2 Jahren

      Für Incubus selbst war es sowas wie das Nevermind mit der perfekten Mischung aus Härte und Pop...ein exzellentes Album aber für mich kein Meilenstein. Ich bevorzuge den Rück-Befreiungsschlag aus der glatten Ecke A Crow Left of the Murder. Einfach weil es noch mehr ausbricht und das Können der Band in allen Facetten bietet.

    • Vor 2 Jahren

      Ich finde The Strokes - Is This It hätte nen Meilenstein verdient

    • Vor 2 Jahren

      Nochmal zum Mitschreiben:
      “Morning View“ ist ein verdammter Meilenstein!
      Aber ich habe jetzt auch gesehen, dass es hier schon eine 5/5 Review hat deswegen ist alles gut :)

  • Vor 2 Jahren

    Mir fehlen die Worte...
    Was haben die sich nur hierbei gedacht?
    Völlig überproduziert, unmotiviert und langweilig.
    Früher brauchte man sich für Incubus nicht schämen, heute leider schon.

  • Vor einem Monat

    Teilweise ja: überproduziert, teilweie ja: langweilig.

    Teilweie aber auch genial: Undefeated + Familiar Faces.

    Ganz sicher: Insgesamt ein wenig dünn, was die Spielzeit angeht.

    Ich bekomme langsam aber sicher eine "Interlude-Paranoia". Hinter jeder Ecke lauern sie.